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„Das hätte ich auch selbst regeln können“

14.04.2026 AOK Hessen 2 Min. Lesedauer

Tobias Schreiber aus Kirchhain ist einer von mehr als 30 Gewinnerinnen und Gewinnern des Empathie-Awards Pflege der AOK Hessen. Der 43-jährige ehemalige Zeitsoldat arbeitet in der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen. Er besetzt eine von drei Talkrunden auf dem Hessischen Gesundheitsforum am 27. Mai in Frankfurt.

Das Foto zeigt Tobias Schreiber.
Tobias Schreiber sieht Positives und Negatives bei der Entwicklung des Pflegeberufs.

Was hat sich in der stationären Pflege in den vergangenen Jahren eindeutig zum Positiven verändert?

Schreiber: Die Gehaltsentwicklung, ganz eindeutig. Außerdem die Digitalisierung. Es gibt zwar immer noch ein paar Stolpersteine, das Papier ist noch nicht gänzlich abgelöst, aber die Vorteile sind offensichtlich. Übergaben sind jetzt leichter möglich, denn alle Tagesberichte sind schneller abrufbar. Ein dritter Punkt ist in unserem Hause der geplante Umstieg auf die Fünf-Tage-Woche. Zuvor waren es sechs Tage. Damit wird der Beruf zusätzlich attraktiver. 

Wo sehen Sie dagegen akuten Veränderungsbedarf bei den Rahmenbedingungen für die Pflege?

Schreiber: Die Bürokratie macht mir zu schaffen. Ein Beispiel: Vor Ostern gingen etliche Praxen in Urlaub. Bei einem Patienten, der wunde Hautstellen hatte, benötigte ich eine Zinksalbe und erbat ein Rezept Mit dem am 20. Oktober 2020 in Kraft getretenen Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in… . Die Vertretung zu finden, ans Telefon zu bekommen und eine Untersuchung im Heim zu arrangieren, dauerte fast 30 Minuten. All das hätte ich auch selbst regeln können, wenn ich es gedurft hätte. Ein weiteres Thema ist die Inkontinenzversorgung. Das Budget ist recht eng bemessen. Dann sehe ich persönlich die generalisierte Pflegeausbildung kritisch. Mir kommt sie etwas oberflächlich vor.

Was raten Sie jungen Menschen, die sich für den Pflegeberuf interessieren?

Schreiber: Man ist für diesen Beruf geboren – oder nicht. Das erkennt man erst dann, wenn man ein Praktikum durchlaufen hat, besser zwei, um die Eindrücke zu festigen. Das kann schon mit einem Schulpraktikum beginnen. Es muss die Person dann aber auch catchen. Bei mir war es ein echter Wow-Effekt. Ich wusste, dass ich das machen will. Unbedingt sogar. Wo das ausbleibt, rate ich: Schau dich woanders um.

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