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Pflege ist ein kostbares Gut geworden

26.05.2026 AOK Hessen 3 Min. Lesedauer

Prof. Dr. Gabriele Meyer ist Gesundheits- und Pflegewissenschaftlerin an der Universität Halle und referiert beim morgigen Gesundheitsforum der AOK Hessen in Frankfurt über die Sicherung der Langzeitpflege. Im Vorfeld beantwortete sie drei Fragen zur aktuellen Diskussion um die Pflege.

Porträtfoto Prof. Gariele Meyer vor Fensterfront
Für Gabriele Meyer ist es unausweichlich, darüber zu diskutieren, welche Tätigkeiten zukünftig von professioneller Pflege übernommen werden sollen und welche an andere Personen übertragen werden können.

Was Gesundheitsministerin Nina Warken zur Pflegereform bereits in den Medien kommuniziert hat: Einzelleistungen sollen zusammengelegt, Budgets eingeführt werden. Wird sich das auf mittlere Sicht spürbar positiv auf die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen auswirken?

Meyer: In der Behindertenhilfe kommen persönliche Budgets schon lange zum Einsatz. Das individuelle Pflegebudget wurde von vielen Jahren bereits modellhaft erprobt. Die Zusammensetzung der am Pflegearrangement beteiligten Helfer wurde vielfältiger. Ob die Situation der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen damit besser werden kann, ist nicht bekannt, ebenso ob der Umzug ins Heim damit verhindert oder hinausgezögert werden kann. Dies könnte nur aus experimentellen Studien heraus beantwortet werden, die selbstredend aufwändig und schwer durchführbar sind. 

Eine generelle Kernkritik von Ihnen lautet, dass Effizienzpotenziale kaum erforscht sind, vieles nicht evidenzbasiert ist. Ressourcen werden nicht zielgerichtet eingesetzt. Wo müsste man ansetzen, um diesem Mangel zu begegnen?

Meyer: Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… ist ein kostbares Gut geworden. Im Langzeitpflegebereich ist die Nachfrage in den letzten Jahren konstant gestiegen. Die Lücke zum Angebot klafft schon jetzt. Sie wird sich noch deutlich vergrößern. Unausweichlich erscheint es, auch hierzulande die konfliktträchtige Diskussion zu führen, welche Tätigkeiten zukünftig von professioneller Pflege übernommen werden sollen, und welche übertragen werden können: an andere Personen, die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen selbst, welche durch digitale Assistenzsysteme entlastet werden können und was aus dem Tätigkeitsbereich professioneller Pflege entfernt gehört, da nicht qualitätsgesichert oder sogar schädlich. Die Neudefinition des professionellen Pflegeangebots muss empirisch hergeleitet werden und hat das Potenzial, Pflegekapazität wirksamer und kostenwirksamer einzusetzen.

Sie favorisieren neue Wohnformen, auch so genannte Caring Communities. Doch könnten solche Lösungen den Fachkräftemangel in der Pflege auch nur im Ansatz kompensieren?

Meyer: Neue Wohnformen ermöglichen eine Flexibilisierung und Individualisierung von Angeboten, indem Leistungen bedarfsorientiert gewählt werden können bei gleichzeitiger Versorgungssicherheit und sozialen Teilhabemöglichkeiten. Das Spektrum bereits entwickelter Lösungsmodelle ist breit und setzt an den Mängeln regulärer Wohn- und Versorgungsformen an. Caring Communities steht als Begriff für das gelungene Zusammenspiel aller Beteiligten vor Ort für Aufgaben zur Unterstützung der wachsenden Anzahl Pflegebedürftiger. Den Kommunen kommt eine zentrale Rolle. Von Lösung des Fachpersonalmangels kann sicher nicht die Rede sein, aber dies scheinen adäquate Bausteine zur Vermeidung von Über-, Unter- und Fehlversorgung zu sein.

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