Der finanzielle Druck wächst
Zwar hat die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) das Jahr 2025 laut der jetzt vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten vorläufigen Finanzergebnisse (KV 45) mit einem Plus von etwa 3,5 Milliarden Euro abgeschlossen, allerdings stiegen die Ausgaben durch die Bank schneller als die Einnahmen.
Im Jahr 2025 standen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) Einnahmen von 355,9 Milliarden Ausgaben von 352,4 Milliarden Euro gegenüber. Während die Beitragseinnahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um rund 5,3 Prozent stiegen, legten die Ausgaben demnach mit etwa 7,8 Prozent deutlich stärker zu – die reinen Leistungsausgaben gar um 7,9 Prozent. Damit verfestigte sich der Trend aus dem Jahr 2024. Die Finanzreserven der Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… betrugen dem BMG zufolge Ende 2025 rund 5,1 Milliarden Euro. Dies entspricht 0,18 Monatsausgaben. Gesetzlich vorgeschrieben sind 0,2 Monatsausgaben. „Die vorläufigen Finanzergebnisse unterstreichen die schwierige Lage in der gesetzlichen Krankenversicherung“, bilanzierte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken anlässlich der Veröffentlichung der Daten.
Warken selbst räumte ein, dass das kleine GKV-Sparpaket, das im Zuge des Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… (BEEP) verabschiedet wurde, die GKV nur kurzfristig entlaste. Hierzu zählt unter anderem das Aussetzen der sogenannten Meistbegünstigungsklausel für die Krankenhäuser. Hier erhofft sich die Bundesregierung eine Einsparung von 1,8 Milliarden Euro. Weitere 100 Millionen Euro sollen durch die Halbierung der Zuwendungen für den Innovationsfonds Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz vom 16. Juli 2015 gibt dem Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) den… eingespart werden. Noch einmal 100 Millionen Euro an Einsparungen sollen durch eine Begrenzung der Verwaltungskosten Die allgemeinen Verwaltungskosten des deutschen Gesundheitswesens betrugen 2020 nach Angaben des… der Krankenkassen zustande kommen. Zudem erhöhte die Ministerin im November 2025 den durchschnittlichen Zusatzbeitrag Seit 2009 erhalten die gesetzlichen Krankenkassen zur Deckung ihrer Ausgaben Zuweisungen aus dem… zur GKV um 0,4 Punkte auf 2,9 Prozent.
Schon ab 2027 prognostiziert Warken jährliche „Finanzierungslücken in zweistelliger Milliardenhöhe“. Richten soll es die aktuell tagende Finanzkommission Gesundheit. Ende März 2026 sollen deren Reformvorschläge auf dem Tisch liegen. „Auf dieser Grundlage starten wir zügig den Gesetzgebungs- und Reformprozess“, kündigte die CDU-Politikerin an. Allen Entscheidungsträgern müsse jedoch bewusst sein, dass dafür alle ihren Beitrag leisten müssten. „Zentrales politisches Ziel ist und bleibt die nachhaltige Stabilisierung der Beitragssätze“, so Warken.
Das vorläufige Finanzergebnis 2025 nach Kassenarten
AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… : 544 Millionen Euro
Ersatzkassen Ersatzkassen waren ursprünglich privatrechtlich organisierte Versicherungsvereine auf… : 1,461 Milliarden Euro
Betriebskrankenkassen Der Arbeitgeber kann für einen oder mehrere Betriebe eine Betriebskrankenkasse (BKK) errichten, wenn… : 755 Millionen Euro
Innungskrankenkassen Eine oder mehrere Handwerksinnungen können für die Betriebe der Mitglieder, die in einer… : 380 Millionen Euro
Knappschaft Die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See fungiert als Renten-, Kranken- und… -Bahn-See: 331 Millionen Euro
Landwirtschaftliche Krankenversicherung (außerhalb RSA): 32 Millionen Euro
Viele Krankenkassen hatten schon zu Beginn des Jahres 2026 ihre individuellen Zusatzbeiträge höher als den durchschnittlichen Zusatzbeitrag ansetzen müssen. Die Kassen und ihre Verbände fordern deshalb kurzfristige Maßnahmen, die bereits 2026 greifen müssen. Um weitere Beitragserhöhungen zu vermeiden, müssten die Kosten „unverzüglich“ gebremst werden, mahnte Jens Martin Hoyer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Darüber hinaus seien „flankierende Maßnahmen auf der Einnahmenseite und die Umsetzung umfassender struktureller Reformen zur Sicherstellung einer dauerhaft an den Einnahmen orientierten Ausgabenentwicklung“ nötig.
Die Krankenhausbehandlungen bezeichnete das BMG als „maßgeblichen Treiber der hohen Ausgabendynamik“. 111,4 Milliarden Euro und damit noch einmal 9,7 Milliarden Euro mehr als 2024 musste die GKV an die Kliniken in Deutschland überweisen. 2024 hatten die Krankenhauskosten der Kassen erstmals die 100-Milliarden-Euro-Marke übertroffen. Gründe dafür seien „vor allem hohe Vergütungssteigerungen sowie die Refinanzierung bisher nicht abgebildeter Tarifkostensteigerungen aus dem Jahr 2024“.
Der Gesundheitsfonds Der Gesundheitsfonds wurde durch das 2007 verabschiedete GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz eingeführt.… verzeichnete 2025 nach BMG-Angaben ein Defizit von 0,6 Milliarden Euro. Zum Stichtag 15. Januar 2026 verfügte der Fonds demnach über eine Liquiditätsreserve von rund 7,1 Milliarden Euro.
Die endgültigen Finanzergebnisse der Krankenkassen für das Gesamtjahr 2025 lägen ebenso wie die vorläufigen Daten des ersten Quartals 2026 Mitte Juni 2026 vor, kündigte das Ministerium an.
Ausgaben der GKV 2025 in ausgewählten Bereichen
| Ausgaben in Milliarden Euro | Veränderungsrate GKV* | Veränderungsrate AOK* | |
| Ärztliche Behandlung | 53,946 | 7,6 | 7,7 |
| Zahnärztliche Behandlung | 14,794 | 5,2 | 5,6 |
| Zahnersatz | 4,286 | 2,6 | 2,3 |
| Arzneimittel | 58,489 | 5,8 | 6,4 |
| Hilfsmittel | 12,312 | 4,9 | 4,4 |
| Heilmittel | 14,669 | 10,4 | 10,2 |
| Krankenhaus | 111,427 | 9,6 | 9,0 |
| Krankengeld | 21,632 | 5,3 | 5,8 |
| Fahrkosten | 10,411 | 8,9 | 11,5 |
| Vorsorge- und Reha-Maßnahmen | 5,130 | 10,0 | 11,1 |
| Schutzimpfungen | 3,636 | 13,5 | 16,3 |
| Schwangerschaft/Mutterschaft ohne stationäre Entbindung | 1,570 | 2,6 | 2,3 |
| Medizinische Behandlungspflege | 11,952 | 12,6 | 11,8 |
| Nettoverwaltungskosten | 13,291 | 4,7 | 6,1 |
*Veränderungsrate je Versicherter gegenüber 2024
Quelle: BMG, KV45-Zahlen, 10.03.26