Pressemitteilung

Ein Prozent der AOK-Versicherten: Auf sie entfällt die Hälfte der Arzneimittelausgaben 

06.11.2026 AOK Baden-Württemberg, Stuttgart-Böblingen 3 Min. Lesedauer

Stuttgart. Ein Prozent der Versicherten verursacht die Hälfte der Arzneimittelausgaben. Gleichzeitig steigen die Kosten für besonders teure Arzneimitteltherapien deutlich. Die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… fordert deshalb, dass auch die Pharmaindustrie ihren Beitrag zur Stabilisierung der Krankenkassenfinanzen leistet. Geplante Ausnahmen beim Herstellerabschlag im Rahmen einer Standortförderung dürfen die vorgesehenen Einsparungen nicht wieder zunichtemachen.

Steigende Arzneimittelausgaben betreffen die Versorgung schwer erkrankter Menschen und die Beiträge aller Versicherten. Laut einer aktuellen Auswertung der AOK konzentrieren sich die Arzneimittelausgaben auf einen vergleichsweise kleinen Teil der Versicherten: Auf rund 45.000 Versicherte der AOK Baden-Württemberg entfallen etwa die Hälfte der gesamten Arzneimittelausgaben. Das entspricht rund einem Prozent aller Versicherten. Auf die fünf Prozent der Versicherten mit den höchsten Arzneimittelausgaben entfallen sogar rund drei Viertel der Kosten.

Wie dynamisch sich die Kosten entwickeln, zeigt der Blick auf die vergangenen zehn Jahre: Bei den Versicherten mit den höchsten Arzneimittelausgaben lagen die durchschnittlichen jährlichen Kosten für Arzneimittel Nach der Definition des Arzneimittelgesetzes (AMG) sind Arzneimittel insbesondere Stoffe und… 2015 noch bei rund 30.000 Euro. 2025 waren es bereits rund 52.900 Euro.

„Notwendige Therapien müssen allen Menschen offenstehen – auch dann, wenn sie sehr teuer sind. Genau dafür steht unsere Solidargemeinschaft“, sagt Jürgen Weber, stellvertretender Geschäftsführer der AOK Stuttgart-Böblingen. Hinter hohen Arzneimittelausgaben stehen häufig komplexe und aufwendige Behandlungen, etwa spezialisierte Therapien für Menschen mit schweren oder seltenen Erkrankungen. Zugleich tragen auch häufig verordnete Medikamente, beispielsweise gegen Diabetes sowie Herz- und Nierenerkrankungen, zu den Gesamtausgaben bei.

Arzneimittel sind nach den Krankenhausbehandlungen der zweitgrößte Ausgabenblock der AOK Baden-Württemberg. Im Jahr 2024 entfielen auf sie rund 3,1 Milliarden Euro und damit 16,6 Prozent der Gesamtausgaben. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sollen deshalb auch die Pharmaunternehmen einen Beitrag zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung leisten. Der Herstellerabschlag auf patentgeschützte Arzneimittel steigt deshalb ab Januar 2027 von bislang sieben auf insgesamt 15,5 Prozent. Eine vom zuständigen Fachgremium vorgeschlagene Standortklausel könnte diese Einsparungen jedoch erheblich abschwächen: Pharmaunternehmen, die bestimmte Kriterien bei Forschung, Entwicklung und Produktion in Deutschland erfüllen, sollen teilweise oder vollständig vom zusätzlichen Herstellerabschlag in Höhe von 8,5 Prozent befreit werden können.

Die AOK lehnt die vorgeschlagene Ausgestaltung ab. Sie sieht darin die Gefahr, dass der Spareffekt des Gesetzes weitgehend verloren geht und stattdessen zusätzliche Kosten für die Beitragszahlenden entstehen. „Die Pharmaunternehmen müssen ihren Beitrag zur Stabilisierung der GKV-Finanzen leisten. Es wäre das falsche Signal, wenn die gerade erst beschlossenen Einsparungen durch eine Standortklausel weitgehend wieder zunichtegemacht würden. Eine Förderung des Pharmastandorts Deutschland ist eine wirtschaftspolitische Aufgabe und darf nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung gehen“, sagt Jürgen Weber. Sollte eine Standortklausel eingeführt werden, muss sie deshalb kostenneutral ausgestaltet sein. Denkbar wäre, dass die Pharmaindustrie die Vergünstigungen selbst gegenfinanziert, damit der vorgesehene Entlastungseffekt für die GKV erhalten bleibt.

Das sei auch für die Menschen in Stuttgart und im Landkreis Böblingen wichtig, so der stellvertretende AOK-Geschäftsführer Jürgen Weber. Eine stabile Finanzierung sorge dafür, dass die gesundheitliche Versorgung gesichert ist und die Beiträge für Versicherte und Arbeitgeber bezahlbar bleiben.

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Porträt Wassiliki Babel
Pressesprecherin

Wassiliki Babel