Statement

Diebel-Ebers: Teure Apotheken-Reform

16.07.2026 AOK Baden-Württemberg 2 Min. Lesedauer
Portrait Maren Diebel-Ebers
Maren Diebel-Ebers, Vorsitzende des Verwaltungsrates der AOK Baden-Württemberg, Versichertenseite

Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz trat im Juni in Kraft. Ob es das Ziel einer dauerhaft besseren Versorgung erreicht, bleibt ungewiss.

"Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) enthält Maßnahmen, die das Netz der Vor-Ort-Apotheken stärken. Das ist gut so. Besonders die Unterstützung öffentlicher Apotheken im ländlichen Raum, der Abbau von Bürokratie und die Förderung von Flexibilität sind begrüßenswert. Erleichterungen bei der Gründung von Zweigapotheken können hierzu sicherlich beitragen. Auch die  verbesserten Aufstiegschancen für pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten sind positiv, da sie dem Fachkräftemangel entgegenwirken. 

Luft nach oben gibt es allerdings nach wie vor bei der  Digitalisierung: Telepharmazeutische Abgabeautomaten bleiben außen vor. Stattdessen investieren Apotheken in E-Rezept Mit dem am 20. Oktober 2020 in Kraft getretenen Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in… -Terminals mit anschließendem Botendienst, was die Versorgung verzögert. Bei dringenden Arzneimittelverordnungen müssen Versicherte  weiterhin eine Apotheke Den Apotheken als Gewerbebetrieben für die Zubereitung und den Verkauf von Arzneimitteln ist durch… vor Ort aufsuchen. Das Gesetz zielt außerdem darauf ab, Apotheken stärker als heilberufliche Leistungserbringer Unter diesem Sammelbegriff werden alle Personengruppen zusammengefasst, mit denen die Krankenkassen… einzubinden, zum Beispiel durch den Ausbau von Impfmöglichkeiten – ein Ansatz, den die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Baden-Württemberg grundsätzlich unterstützt. 

Doch während die Einführung der Primärarztversorgung die Komplexität des Systems verringern und einheitlichere Behandlungspfade schaffen soll, entstehen durch neue pharmazeutische Dienstleistungen parallele Strukturen. Ohne enge Vernetzung mit anderen Leistungserbringern drohen ineffiziente Abläufe: Patientinnen und Patienten könnten ohne notwendige ärztliche Folgebehandlung bleiben oder doppelte Leistungen erhalten.

Äußerst kritisch zu sehen sind die finanziellen Belastungen, die mit dem Gesetz sowie den zugehörigen Verordnungen auf die Beitragszahlerinnen und -zahler zukommen. So entgehen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit dem über einen Änderungsantrag beschlossenen vorläufigen Verbot exklusiver Rabattverträge Seit Inkrafttreten des Beitragssatzsicherungsgesetzes 2003 und erweitert durch das… der Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… für Biosimilars, also Nachahmerpräparaten biotechnologisch hergestellter Arzneimittel Nach der Definition des Arzneimittelgesetzes (AMG) sind Arzneimittel insbesondere Stoffe und… , Einsparungen in Höhe von rund 500 Millionen Euro jährlich. Anstatt die Kassen zu entlasten, belastet diese fachfremde Regelung Versicherte, Arbeitgeber und Patienten erheblich und begünstigt die Pharmaindustrie, die in bisherigen Sparplänen ohnehin weitgehend verschont bleibt. 

Doch damit nicht genug: Teil der Apothekenreform ist auch eine Verordnung Einige Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung bedürfen einer schriftlichen Anweisung durch… , mit der das feste Honorar für die Apotheken erhöht wird. Das belastet die GKV zusätzlich mit etwa 875 Millionen Euro pro Jahr. Hier konterkariert der Gesetzgeber seine eigenen, im Beitragssatzstabilisierungsgesetz enthaltenen Sparpläne. Insgesamt wird die Apothekenversorgung also teurer, ohne spürbar besser zu werden – eine Mogelpackung auf Kosten der Beitragszahlenden."

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