Künstliche Schultergelenke: Große Qualitätsunterschiede
Sechs Kliniken im Südwesten überdurchschnittlich bewertet – zwei davon unter den bundesweit fallzahlstärksten Top-10-Häusern
Stuttgart. Bei der Implantation künstlicher Schultergelenke wegen Gelenkverschleiß gibt es große Qualitätsunterschiede zwischen den Kliniken. Das zeigt eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ) im Rahmen des Verfahrens „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ (QSR), für die bundesweit knapp 13.000 Operationen bei AOK-Versicherten aus den Jahren 2020 bis 2024 untersucht wurden. Dabei hat das WIdO sämtliche Kliniken, die diese Leistung erbringen, nach der Häufigkeit von Komplikationen „sortiert“: In dem Fünftel der am besten bewerteten Kliniken lag die risikoadjustierte Komplikationsrate bei 3,6 Prozent. Im Fünftel der am schlechtesten bewerteten Kliniken war sie mit 14,5 Prozent rund vier Mal so hoch. Seit heute sind die erstmals veröffentlichten Ergebnisse für die einzelnen Krankenhäuser im Gesundheitsnavigator der AOK abrufbar.
Für Baden-Württemberg konnten 2.503 Fälle aus den Jahren 2020 bis 2024 an 33 Kliniken ausgewertet werden. Sechs dieser Kliniken erhielten die Bestbewertung von drei „AOK-Lebensbäumen“ für überdurchschnittliche Qualität ist ein zentrales Versorgungsziel der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Im Rahmen der… , 15 Kliniken bekamen zwei Lebensbäume für durchschnittliche Qualität und zwölf Kliniken einen Lebensbaum für unterdurchschnittliche Qualität. Die risikoadjustierte Komplikationsrate lag im Land bei 10,4 Prozent und damit über dem Bundesdurchschnitt von 8,6 Prozent.
Zwei Kliniken aus Baden-Württemberg gehören zu den zehn bundesweit fallzahlstärksten Standorten, die überdurchschnittlich bewertet wurden: die Vulpius Klinik in Bad Rappenau mit 223 und die ARCUS Klinik in Pforzheim mit 212 Eingriffen an AOK-Versicherten im selben Zeitraum. Nur eine Klinik in München hat in dieser Liste eine noch höhere Fallzahl Summe aller Abrechnungsfälle in einem Abrechnungszeitraum. . „Die Ergebnisse zeigen, wie groß die Unterschiede in der Behandlungsqualität auch bei uns in Baden-Württemberg sind“, sagt Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. „Mit sechs überdurchschnittlich bewerteten Kliniken gibt es im Land gute Beispiele. Zugleich wird deutlich, dass es noch Luft nach oben gibt. Der Gesundheitsnavigator schafft hier Transparenz und hilft Patientinnen und Patienten sowie einweisenden Ärztinnen und Ärzten, gemeinsam die passende Klinik auszuwählen.“
Bundesweit lag die durchschnittliche Gesamt-Komplikationsrate über alle Kliniken bei 8,6 Prozent. Ungeplante Folge-Operationen innerhalb eines Jahres traten bei 4,5 Prozent der Patientinnen und Patienten auf. Sie werden zum Beispiel nötig, wenn sich das Operationsgebiet entzündet oder die Prothese sich lockert. Chirurgische Komplikationen wie Infektionen, Verletzungen von Blutgefäßen, Knochenbrüche oder das Ausrenken des künstlichen Gelenks kamen bei 7,1 Prozent der Fälle vor. Um einen fairen Vergleich der Kliniken zu ermöglichen, berücksichtigt das WIdO bei der Risikoadjustierung unterschiedliche Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen der Patientinnen und Patienten.
Für gute Ergebnisse seien Erfahrung und Fallzahl von wesentlicher Bedeutung, betont Prof. Karl-Dieter Heller, Chefarzt der Orthopädischen Klinik des Herzogin Elisabeth Hospitals in Braunschweig und Mitglied in den QSR-Expertenpanels Endoprothetik und Schulterchirurgie. Neben der richtigen Indikationsstellung sei es ratsam, einen erfahrenen Operateur in einer Klinik aufzusuchen, in der der Eingriff regelmäßig, das heißt möglichst mehrfach pro Woche durchgeführt werde. Eine Modellrechnung des WIdO zeigt das Potenzial: Wären bundesweit alle rund 3.200 Fälle aus unterdurchschnittlich bewerteten Kliniken in Häusern mit überdurchschnittlicher Qualität behandelt worden, hätten rund 320 Komplikationsfälle vermieden werden können. Das entspricht zehn Prozent der Fälle.
Die Abnutzung des Schultergelenks führt mit zunehmendem Alter bei vielen Menschen zu schmerzhaften Beschwerden, die unter bestimmten Voraussetzungen durch ein künstliches Gelenk verringert werden können. Der Eingriff wurde in Deutschland im vergangenen Jahr etwa 37.000 Mal durchgeführt, die Fallzahlen steigen deutlich .Ist ein Eingriff tatsächlich erforderlich, schafft der AOK Gesundheitsnavigator die notwendige Transparenz: Nutzerinnen und Nutzer geben dort die anstehende Behandlung und ihre Postleitzahl ein und sehen die Ergebnisse der Kliniken in der Umgebung. Die Bewertung reicht von einem Lebensbaum für unterdurchschnittliche bis zu drei Bäumen für überdurchschnittliche Qualität. Neben der Behandlungsqualität spielen bei der Klinikwahl weitere Kriterien eine Rolle, etwa die Organisation der Nachsorge. Die AOK empfiehlt deshalb, die Entscheidung immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt Die ärztliche Berufsausübung, die Ausübung der Heilkunde, setzt nach der Bundesärzteordnung… abzusprechen. Vor allem aber sollte der Gelenksersatz stets die letzte Option sein, wenn alle anderen konservativen oder weniger invasiven Behandlungen nicht (mehr) in Betracht kommen.
Die Schulter-Implantationen sind die 14. Behandlung, zu der die AOK Qualitätsinformationen veröffentlicht. Dazu zählen unter anderem Hüft- und Kniegelenkersatz, Gallenblasenentfernungen, Blinddarmentfernungen und Leistenbruch-OPs.