Schlaflos in Baden-Württemberg: forsa-Umfrage zeigt weit verbreiteten Schlafmangel
73 Prozent der Befragten schlafen weniger als 7 Stunden pro Nacht
Stuttgart. Eine aktuelle, bevölkerungsrepräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Baden-Württemberg zeigt: In Baden-Württemberg schläft die Mehrheit der Menschen zu wenig. Fast drei Viertel der Befragten (73 Prozent) kommen auf weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht – ein Drittel (33 Prozent) schläft sogar unter sechs Stunden, 8 Prozent kommen auf weniger als fünf Stunden. Entsprechend bewertet knapp ein Drittel der Menschen in Baden-Württemberg (30 Prozent) die eigene Schlafqualität als schlecht, nur knapp die Hälfte (48 Prozent) schläft gut. Dabei zeigen sich deutliche Altersunterschiede: Während 35 Prozent der 18- bis 59-Jährigen angeben, schlecht zu schlafen, ist es bei den über 60-Jährigen nur gut jeder Fünfte (22 Prozent).
„Guter Schlaf ist die Basis für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität“, sagt Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. „Die Umfrage zeigt aber: Fast jeder Dritte in Baden-Württemberg schläft schlecht, und drei von vier kommen nicht auf die empfohlenen sieben bis neun Stunden. Das ist ein Warnsignal, das wir ernst nehmen sollten – denn wer dauerhaft zu kurz oder zu schlecht schläft, riskiert langfristig seine Gesundheit.“ Jeder fünfte Befragte (20 Prozent) benötigt mindestens 30 Minuten, um abends einzuschlafen, während mehr als jeder Dritte (41 Prozent) in weniger als 15 Minuten einschläft. Als üblich gelten laut US National Sleep Foundation 10 bis 20 Minuten Einschlafzeit; wer regelmäßig länger als 30 Minuten braucht, hat womöglich eine Einschlafstörung – wer dagegen fast sofort einschläft, könnte umgekehrt unter Schlafmangel leiden.
Auch beim Erholungsgefühl gibt es Nachholbedarf: Ein Viertel der Menschen in Baden-Württemberg (25 Prozent) fühlte sich in den vergangenen drei Monaten nach dem Aufwachen selten oder nie erholt, nur 44 Prozent gaben an, sich häufig oder immer ausgeschlafen und erholt gefühlt zu haben. Besonders betroffen sind schlecht Schlafende: Von ihnen berichtet mehr als die Hälfte (58 Prozent), sich in den letzten drei Monaten selten oder nie erholt gefühlt zu haben.
Insgesamt gibt die Mehrheit der Befragten in Baden-Württemberg (58 Prozent) an, in den letzten drei Monaten unter Schlafproblemen gelitten zu haben. 16 Prozent hatten (fast) jede Nacht Probleme, 31 Prozent ein- oder mehrmals pro Woche. Am häufigsten genannt werden Probleme beim Durchschlafen (78 Prozent), gefolgt von Einschlafproblemen (52 Prozent) und frühem Erwachen (45 Prozent). Besonders jüngere Menschen kämpfen mit dem Einschlafen: 64 Prozent der 18- bis 39-Jährigen berichten davon, bei den 40- bis 59-Jährigen und den über 60-Jährigen sind es jeweils 47 Prozent.
„Wer über einen längeren Zeitraum schlecht schläft, sollte den Ursachen auf den Grund gehen und sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagt Bauernfeind. „Leider zeigt die Umfrage, dass fast sechs von zehn Betroffenen versuchen, ihre Schlafprobleme ohne fachliche Beratung zu bewältigen. Dabei gibt es gute Angebote – von der ärztlichen oder psychologischen Beratung bis hin zu digitalen Programmen.“ Von einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung (Insomnie) sprechen Fachleute in der Regel, wenn Ein- oder Durchschlafprobleme über mindestens drei Monate hinweg mehrmals pro Woche auftreten und den Alltag spürbar beeinträchtigen. Nur etwa ein Viertel der Betroffenen (28 Prozent) bespricht die eigenen Schlafprobleme mit einem Arzt Die ärztliche Berufsausübung, die Ausübung der Heilkunde, setzt nach der Bundesärzteordnung… , einer Ärztin, einem Psychologen oder einer Psychologin, weitere 12 Prozent ziehen eine solche Unterstützung in Erwägung.
Spürbar sind auch die Folgen: Mehr als zwei Drittel der Betroffenen (68 Prozent) klagen über Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit – bei den 18- bis 39-Jährigen sind es sogar 86 Prozent. 42 Prozent fühlen sich weniger leistungsfähig, 40 Prozent im Alltag weniger belastbar. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) berichtet von Gereiztheit und schnellem Genervtsein, 34 Prozent von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen, 28 Prozent fühlen sich vergesslicher als sonst. Nur 9 Prozent der Betroffenen bemerken keinerlei Auswirkungen auf ihren Alltag.
Als Hauptursache für schlechten Schlaf nennen die Menschen in Baden-Württemberg mit deutlichem Abstand Stress im Alltag oder Beruf (63 Prozent). Es folgen eine zu hohe oder zu niedrige Raumtemperatur (45 Prozent), körperliche Beschwerden (35 Prozent) und Lärm (31 Prozent). Auch existenzielle Sorgen (26 Prozent), ein unruhiger oder schnarchender Partner beziehungsweise eine Partnerin (25 Prozent), zu spätes oder ungesundes Essen am Abend sowie der Konsum digitaler Medien vor dem Einschlafen (je 24 Prozent) werden häufig genannt. „Stress ist der mit Abstand größte Schlafräuber – das bestätigt auch unsere Umfrage“, sagt Bauernfeind. „Umso wichtiger ist es, dass wir lernen, im Alltag bewusst Pausen einzulegen und Stress abzubauen. Auch Unternehmen können hier ansetzen, etwa im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Wer sich tagsüber weniger stresst, schläft nachts oft besser.“
Am Wissen mangelt es den Menschen in Baden-Württemberg dabei kaum: 87 Prozent halten guten Schlaf für essenziell für Gesundheit und Wohlbefinden, weitere 13 Prozent zumindest für eher wichtig. Als förderlich für die Schlafqualität werden richtig erkannt: eine ruhige Umgebung (95 Prozent), eine angenehme Raumtemperatur (94 Prozent), regelmäßige Bewegung (90 Prozent) und feste Schlafenszeiten (87 Prozent). Dennoch empfindet nicht jeder, selbst etwas verändern zu können: Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) hat das Gefühl, kaum einen Einfluss auf die eigene Schlafqualität zu haben. Besonders ausgeprägt ist das bei schlecht Schlafenden: Während 70 Prozent der gut Schlafenden überzeugt sind, ihren Schlaf selbst beeinflussen zu können, glaubt das unter den schlecht Schlafenden nicht einmal die Hälfte (45 Prozent). Positiv ist: Schon kleine Veränderungen im Alltag können die Schlafqualität verbessern – spürbare Effekte stellen sich dabei aber meist erst nach einigen Wochen ein.
„Wer erste Anzeichen von Schlafproblemen bei sich bemerkt, sollte frühzeitig gegensteuern“, so Bauernfeind weiter. „Oft helfen schon kleine Veränderungen im Alltag – feste Schlafzeiten, weniger Bildschirmzeit am Abend, ausreichend Bewegung oder bewusste Entspannung. Unterstützung dabei bietet zum Beispiel das kostenfreie Online-Programm ‚Stress im Griff‘ der AOK.“
Hinweis für die Redaktionen:
Für die repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der AOK Baden-Württemberg wurden im Zeitraum vom 19. Juni bis 3. Juli 2026 nach einem systematischen Zufallsverfahren 755 Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren in Baden-Württemberg über ein repräsentatives Online-Panel (forsa.omninet) befragt. Die Fehlertoleranz liegt bei +/- 3,6 Prozentpunkten.