Pressemitteilung

Psychisch bedingte Fehlzeiten in den letzten 10 Jahren um knapp 30 Prozent gestiegen

08.10.2026 AOK Baden-Württemberg 5 Min. Lesedauer

Aktueller Fehlzeiten-Report: Lange Ausfallzeiten belasten, der Krankenstand im Südwesten sinkt 2025 leicht

Eine Frau sitzt an einem Notebook, um zu arbeiten. Ihre Körpersprache zeigt, dass sie sich unwohl fühlt und wahrscheinlich krank wird.

Stuttgart. Psychische Erkrankungen führen zu immer mehr und vor allem sehr langen Ausfällen. Bei den AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Versicherten in Baden-Württemberg stiegen die entsprechenden Fehlzeiten seit 2016 von 267 auf 347 Tage je 100 Mitglieder. Insgesamt ist der Krankenstand Der Krankenstand beziffert die Zahl der arbeitsunfähig geschriebenen Kranken bezogen auf 100… 2025 leicht gesunken.

Psychische Erkrankungen sind auch in Baden-Württemberg ein wesentlicher Treiber für die hohen Fehlzeiten der vergangenen Jahre. Das zeigen die Auswertungen zum Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ) mit dem Schwerpunkt „Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt stärken“. Bei den AOK-versicherten Beschäftigten im Land stiegen die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen seit 2016 um knapp 30 Prozent: von 267 Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tage) je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 347 im Jahr 2025. Etwa jeder sechste Ausfalltag geht damit auf eine psychische Erkrankung zurück. Bundesweit lag der Anstieg bei knapp 42 Prozent (von 284 auf 403 Tage), das Niveau im Südwesten ist weiterhin niedriger. „Auch wenn die Fehlzeiten bei uns niedriger sind als im Bundesschnitt, dürfen wir uns davon nicht beruhigen lassen. Der Anstieg zeigt, dass die psychische Gesundheit im Arbeitsalltag und darüber hinaus mehr Aufmerksamkeit braucht“, sagt Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.

2025 gab es in Baden-Württemberg 12,3 AU-Fälle je 100 Mitglieder wegen psychischer Erkrankungen, bei den Atemwegserkrankungen waren es 78,4. Eine Krankschreibung wegen einer psychischen Erkrankung dauerte aber durchschnittlich 28,1 Tage, bei Atemwegserkrankungen nur 5,2 Tage. Die Fehlzeiten bei Burnout-Diagnosen haben sich seit 2016 fast verdoppelt (plus 96 Prozent, von 8,8 auf 17,2 Tage je 100 Mitglieder; bundesweit plus 77 Prozent). Die meisten Ausfalltage entfielen auf depressive Episoden (114,0 Tage je 100 Mitglieder), gefolgt von Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (106,9 Tage).

Über alle Erkrankungen hinweg verzeichnete die AOK in Baden-Württemberg 2025 im Schnitt 21,0 AU-Tage je Mitglied, das entspricht einem Krankenstand von 5,8 Prozent. Das liegt unter dem Spitzenwert von 2022 (23,3 Tage) und leicht unter 2023 (21,6 Tage) und 2024 (21,7 Tage), aber noch deutlich über dem Niveau von 2021 (18,6 Tage), also vor der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Seit dem 1. Juli 2022 sind Vertragsärztinnen und -ärzte dazu verpflichtet, die Daten der bislang in… (eAU). Nach Einschätzung von WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder haben neben der eAU auch der Anstieg der Atemwegserkrankungen infolge der Corona-Pandemie und der stetige Zuwachs bei den psychischen Erkrankungen zu einer vollständigeren Erfassung der Krankmeldungen und zu einem Niveau-Shift nach oben geführt.

Im ersten Halbjahr 2026 lagen die AU-Tage in Baden-Württemberg bei 20,9 Tagen je Mitglied (bezogen auf ein volles Versichertenjahr) und damit um 3,2 Prozent unter dem Wert des ersten Halbjahres 2025 (21,6 Tage). Bundesweit sanken sie im gleichen Zeitraum um 3,3 Prozent von 24,0 auf 23,2 Tage. Es ist daher damit zu rechnen, dass der Krankenstand in diesem Jahr weiter sinkt.

Deutliche Unterschiede zwischen Berufsgruppen

Im Durchschnitt aller Berufe gab es 2025 in Baden-Württemberg 12,3 AU-Fälle je 100 Mitglieder wegen psychischer Erkrankungen. Weit darüber lagen Berufe im Dialogmarketing (32,4 Fälle), in der Haus- und Familienpflege (22,1), in der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik (20,6), in der Altenpflege (19,9) und in der Erziehungswissenschaft (18,9). Die Autorin des Fehlzeiten-Reports, Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller von der Universität Leipzig, erklärt die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen mit psychosozialen Belastungsfaktoren: Hohe emotionale Anforderungen, Verantwortung für andere Menschen und ein hohes Arbeitspensum träfen auf begrenzte Kontrolle über die Arbeitsabläufe und oftmals unzureichende soziale Unterstützung. „Wer sich täglich um andere kümmert, braucht selbst verlässliche Rahmenbedingungen und Entlastung. Arbeitgeber sollten Belastungen deshalb im Blick haben und frühzeitig gegensteuern“, so Bauernfeind.

Krankengeld-Ausgaben deutlich gestiegen

Auch die Krankengeld Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten Krankengeld als Entgeltersatz. Es soll den… -Ausgaben der AOK Baden-Württemberg sind deutlich gestiegen: 2025 lagen sie bei 1,3 Milliarden Euro und damit bei 6,6 Prozent der Gesamtausgaben. Zehn Jahre zuvor waren es 607 Millionen Euro (5,1 Prozent). Die Krankengeld-Ausgaben haben sich mehr als verdoppelt (plus 115 Prozent), die Gesamtausgaben stiegen um 66 Prozent. Der Anteil des Krankengeldes wuchs damit um knapp 1,5 Prozentpunkte, deutlich stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt (0,87 Prozentpunkte). „Dass das Krankengeld bei uns einen deutlich größeren Anteil an den Gesamtausgaben ausmacht als vor zehn Jahren, beobachten wir aufmerksam. Umso wichtiger ist es, Erkrankungen früh zu erkennen, Beschäftigte rechtzeitig zu unterstützen und ihnen nach längerer Krankheit wird in der Medizin als Abweichung von Gesundheit oder Wohlbefinden verstanden. Allerdings stößt die… den Weg zurück in den Job zu erleichtern“, sagt Bauernfeind.

Fehlzeiten sind kein Maß für die Häufigkeit psychischer Erkrankungen

Steigende psychisch bedingte Fehlzeiten bedeuten nach Einschätzung von Prof. Riedel-Heller nicht automatisch, dass psychische Erkrankungen im gleichen Umfang zugenommen haben: Sie würden heute besser erkannt, offener angesprochen und häufiger behandelt. Gleichzeitig gebe es Hinweise auf reale Zunahmen, insbesondere bei jüngeren Menschen. Arbeit sei nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Ressource für die psychische Gesundheit. Wer psychisch bedingte Fehlzeiten reduzieren wolle, müsse an den Arbeitsbedingungen ansetzen, ergänzt durch Betriebliche Gesundheitsförderung Seit dem Inkrafttreten des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes zum 1. April 2007 sind die bisherigen… und ein Betriebliches Eingliederungsmanagement, das psychisch erkrankten Beschäftigten Schritt für Schritt die Rückkehr ermöglicht. „Psychische Gesundheit ist keine reine Privatsache der Beschäftigten, sondern eine gemeinsame Aufgabe von Beschäftigten, Betrieben und Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… . Je früher wir Belastungen erkennen und gemeinsam gegensteuern, desto besser gelingt es, Menschen gesund und damit motiviert und leistungsfähig im Job zu halten“, so Johannes Bauernfeind.


Hinweis für die Redaktionen:

Der Fehlzeiten-Report wird seit 1998 vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld und der Berliner Hochschule für Technik herausgegeben. Neben detaillierten Analysen zur jüngsten Entwicklung des Krankenstandes beinhaltet der aktuelle Report insgesamt 25 Beiträge zum Schwerpunktthema „Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt stärken“. 

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