Pressemitteilung

Ambulante Versorgung unter Druck

18.02.2026 AOK Baden-Württemberg, Neckar-Fils 4 Min. Lesedauer

Bezirksrat diskutiert Lösungsansätze

Andreas Fischer, AOK-Geschäftsbereichsleiter Versorgung

Esslingen/Göppingen. Die ambulante medizinische Versorgung steht vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen. Bei der jüngsten Bezirksratssitzung der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Neckar-Fils beleuchteten Dr. Markus von Ehr, Gesundheitsamt Gesundheitsämter sind Behörden, die Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes erfüllen. Hierzu… Esslingen, Sven Gnoth, Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, und AOK-Geschäftsbereichsleiter Versorgung Andreas Fischer die aktuellen Rahmenbedingungen und die Belastungen des Gesundheitssystems. Gleichzeitig zeigten sie Lösungen und diskutierten mit den Bezirksratsmitgliedern, wie eine zukunftsfähige Versorgung in der Region aussehen kann, um einen Kollaps zu verhindern.

Deutschland nimmt im internationalen Vergleich eine Sonderrolle ein und leistet sich ein duales System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung sowie einen weitgehend ungesteuerten Zugang zu ärztlichen Leistungen. Trotz überdurchschnittlich hoher Gesundheitsausgaben Das Statistische Bundesamt erstellt im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung eine… und einer hohen Arztkontaktzahl von rund neun Besuchen pro Kopf und Jahr zeigen sich laut Morbiditätsstatistik keine entsprechend besseren gesundheitlichen Ergebnisse im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, verdeutlichte der Referent für strategische Sicherstellung, Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), Sven Gnoth.

Groß sind die personellen Herausforderungen: Rund 20 Prozent der Hausärzte sind über 65 Jahre alt, viele werden in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden. Gleichzeitig sinkt durch steigende Teilzeitquoten das verfügbare ärztliche Vollzeitäquivalent, obwohl die Zahl der Beschäftigten insgesamt hoch ist. Jüngere Mediziner legen verstärkt Wert auf Teamarbeit, planbare Arbeitszeiten, gute Infrastruktur und kooperative Praxisformen. Die fachärztliche Weiterbildung gilt dabei als entscheidender Faktor für eine langfristige regionale Bindung.

Weiterer Schwerpunkt ist die Patientensteuerung. Eine wachsende Anspruchshaltung der Versicherten steht nicht immer im Einklang mit der medizinischen Notwendigkeit. Dr. Markus von Ehr, Gesundheitsamt Esslingen, verwies auf die fehlende Gesundheitskompetenz. Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) im Landkreis Esslingen, der durch das Gesundheitsamt im Landratsamt Esslingen wahrgenommen wird, habe weder einen expliziten Auftrag noch eine gesetzliche Grundlage zur direkten Einflussnahme auf die medizinische Versorgung im ambulanten oder stationären Bereich. Doch es gibt, so von Ehr, eine verstärkte Einflussnahme, wenn es um die Schaffung vernetzter und sektorenverbindender Versorgungsstrukturen, Kommunale Gesundheitskonferenzen (KGK), Information und Aufklärung über Gesundheitsrisiken sowie Stärkung gesundheitlicher Chancengleichheit geht.

Als zukunftsweisende Versorgungsmodelle stellte Andreas Fischer, AOK-Geschäftsbereichsleiter Versorgung, den Bezirksratsmitgliedern die Hausarztzentrierte Versorgung Die hausarztzentrierte Versorgung wurde mit dem GKV-Modernisierungsgesetz 2004 zunächst als… (HZV) der AOK Baden-Württemberg vor. Die stärkt seit 17 Jahren die koordinierende Rolle der Hausärzte in Baden- Württemberg, verbessert die Behandlungsqualität und reduziert Krankenhausaufenthalte. Die Goethe-Universität Frankfurt und das Universitätsklinikum Heidelberg prüfen seit 2011 alle zwei Jahre wichtige Bereiche der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg. Die aktuelle Evaluation zeigt eindeutige Vorteile der HZV gegenüber der Regelversorgung: 2022 verzeichnete die HZV-Gruppe 3,1 Millionen Hausarztkontakte mehr und 1,36 Millionen weniger unkoordinierte Facharztbesuche ohne Überweisung – dieses konstant hohe Niveau zeigt sich schon seit Jahren, so der AOK-Geschäftsbereichsleiter Versorgung Andreas Fischer in seinem Vortrag. Des Weiteren konnten laut Hochrechnungen von 2011 bis 2022 bei 119.000 Diabetikern mehr als 9.200 schwerwiegende Komplikationen vermieden werden, darunter rund 700 Amputationen.

In Zeiten, in denen der Bedarf nach hausärztlicher Versorgung steigt, sind auch neue Lösungen gefragt, so Fischer. Eine davon ist das Versorgungsmodell HÄPPI. Es steht für „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell“ und bietet Strukturen, die die Arbeit in hausärztlichen Praxen erleichtern sollen und neue Formen der Zusammenarbeit im Team ermöglicht. So erfolgt bei diesem Modell, die Delegation ärztlicher Leistungen Zur ärztlichen Behandlung gehören auch Hilfeleistungen anderer Personen (Gesundheitsberufe,… an hochqualifizierte Fachkräfte (zum Beispiel VERAH – Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis oder Physician Assistants), um den Hausarzt zu entlasten.

Kritisch diskutiert hat der Bezirksrat aktuelle Entwicklungen, beispielsweise kommerzielle Vermittlungsanbieter im Gesundheitswesen Das Gesundheitswesen umfasst alle Einrichtungen, die die Gesundheit der Bevölkerung erhalten,… , die zwar Zusatznutzen bieten, aber auch Risiken einer weiteren Fragmentierung und datenschutzrechtliche Fragen mit sich bringen.

Auch die telefonische Krankschreibung war Thema: Sie entlastet Praxen und macht nach ersten Daten der AOK Baden-Württemberg jedoch nur rund ein Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus.

Fazit der jüngsten Sitzung des AOK-Bezirksrats: Eine zukunftssichere ambulante Versorgung erfordert eine stärkere Steuerung, mehr Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… , den gezielten Einsatz digitaler Angebote und attraktive Arbeitsbedingungen für medizinisches Fachpersonal, insbesondere in der hausärztlichen Versorgung vor Ort.

 

Hinweis für die Redaktion:

Der AOK-Bezirksrat ist paritätisch aus 15 Arbeitgeber- und 15 Versichertenvertretern aus der Region besetzt. Den Vorsitz übernimmt ein Arbeitgeber- oder ein Versichertenvertreter im jährlichen Wechsel. Die Selbstverwaltungsmitglieder unterstützen die Geschäftsführung der AOK Neckar-Fils in gesundheitspolitischen Fragen. Sie setzen sich auch dafür ein, dass die Beitragsgelder sinnvoll eingesetzt und die Finanzmittel sparsam verwaltet werden, sodass die AOK leistungsstark bleibt. Der AOK-Bezirksrat wird alle sechs Jahre im Rahmen der Sozialwahlen neu gewählt.

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  • Andreas Fischer

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Petra Schneppe
Pressesprecherin

Petra Schneppe