Regionale Gesundheitsversorgung im Fokus
AOK thematisiert zur Wahl Forderungen an die Politik
Waldshut-Tiengen. Wie gut ist die Gesundheitsversorgung in den einzelnen Regionen Baden-Württembergs – was ist den Menschen wichtig und welche Herausforderungen gibt es in der Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… ? Antwort auf diese Fragen geben die Ergebnisse einer Civey-Umfrage der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Baden-Württemberg.
„Die Landtagswahl ist eine Chance, über zukunftsfähige Lösungen für die Gesundheitsversorgung in allen Regionen zu sprechen“, betont Martin Hummel, Geschäftsführer der AOK Hochrhein-Bodensee. Gesundheit darf für ihn keine Frage der Postleitzahl sein. Wer auf dem Land lebe, sollte genauso gut versorgt sein wie jemand in der Stadt.
Civey hat für die AOK Baden-Württemberg vom 4. September bis 23. Oktober 2025 online 2.000 Personen aus Baden-Württemberg und 1.500 Personen, die privat oder beruflich mit Pflege zu tun haben, zu zentralen Gesundheitsthemen befragt.
Im Landkreis Waldshut bewerten 46 Prozent ihre Versorgung vor Ort als „sehr zufriedenstellend“ oder „eher zufriedenstellend“, während 42,5 Prozent sie als „weniger zufriedenstellend“ oder „gar nicht zufriedenstellend“ einstufen. Im Landesdurchschnitt sind die Menschen in Baden-Württemberg deutlich positiver gestimmt: 58,8 Prozent äußern sich zufrieden, 27,3 Prozent unzufrieden. Die Zufriedenheit steigt mit dem Alter: In der Gruppe der über 65-Jährigen liegt sie bei 69,8 Prozent, bei den 18- bis 29-Jährigen bei 54,4 Prozent.
„Es ist gut, dass die Gesundheitspolitik Die Gesundheitspolitik ist ein facettenreiches Gebiet, das weit über die in der Öffentlichkeit mit… aktuell stärker in den Mittelpunkt des Wahlkampfs rückt“, sagt Martin Hummel. „Denn wir spüren alle: Es wird enger. Immer mehr Praxen finden keine Nachfolge, die Wege zum nächsten Facharzt Will ein Arzt nach erfolgter Approbation eine Fachgebietsbezeichnung (zum Beispiel Arzt für… werden besonders im ländlichen Raum länger, Wartezeiten wachsen.“ Es gehe in den nächsten Jahren vor allem um die Frage: Wie gut sind die Menschen in Stadt und Land versorgt und wie gestalten wir die Gesundheitsversorgung für alle Generationen nachhaltig. Sein Stellvertreter, Carlo Wolf, ergänzt: „Viele entscheidende versorgungsrelevante Maßnahmen – sei es bei der Krankenhausplanung Die Planung von Krankenhäusern steht in der Verantwortung der Bundesländer, die damit die… , beim Hitzeschutz oder beim bedarfsgerechten Ausbau der Pflegeinfrastruktur – werden im Land entschieden.“
Eine stabile Finanzierung der Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… ist für 34,4 Prozent der Befragten zentral, eine gute, erreichbare hausärztliche Versorgung wünschen sich in der Region 54,1 Prozent. Laut Hummel habe die Landesregierung zwar den dringenden Handlungsbedarf erkannt und gehe mit der Schaffung von neuen Medizinstudienplätzen und der Landarztquote in die richtige Richtung. „Doch langfristig hilft nur ein Gesamtpaket mit verschiedenen Ansätzen und Maßnahmen, um die Versorgung in der Fläche sicherzustellen.“
Gleichzeitig appelliert Martin Hummel an die Verantwortung jedes Einzelnen. „Wenn jede und jeder von uns etwas für die eigene Gesundheit tut, entlastet das nicht nur das System, sondern stärkt auch unsere Gemeinschaft“, sagt er und verweist wiederum auf Ergebnisse der Umfrage: Früherkennung Im Rahmen der Prävention dienen Maßnahmen der Früherkennung dazu, Krankheiten bereits im Frühstadium… und Vorsorgeuntersuchungen gelten für 80,5 Prozent der Befragten im Landkreis Waldshut als wichtigste Maßnahme zur Krankheitsprävention. 39,3 Prozent sprechen sich für Gesundheitsbildung in Schulen aus. Auch für den stellvertretenden AOK-Geschäftsführer Carlo Wolf ist die Stärkung der Gesundheitskompetenz ein zentraler Schlüssel, der zur Entlastung unseres Gesundheitssystems beiträgt. „Denn eine niedrige Gesundheitskompetenz geht mit vermehrten Arztkontakten und einer häufigeren Inanspruchnahme des ärztlichen Notfalldienstes einher“, betont er. Eine hohe Gesundheitskompetenz trage also dazu bei, dass man besser einschätzen kann, wann beispielsweise eine ärztliche Unterstützung nötig ist und in welcher Form. „Deshalb setzt sich auch die AOK Baden-Württemberg dafür ein, dass umfassende Gesundheitsbildung verbindlicher Bestandteil der Lehrpläne für alle Schularten wird“, erklärt Wolf weiter.
Große Sorgen gibt es in der Bevölkerung landesweit in der Pflege. 94 Prozent der Befragten mit Bezug zur Pflege empfinden eine zu starke Belastung der pflegenden Angehörigen. 85,9 Prozent sind der Meinung, dass die Kosten für Gepflegte und deren Angehörige zu hoch sind.
Im Landkreis Waldshut sehen 97,3 Prozent der Befragten mit privaten oder beruflich Pflegeerfahrungen pflegende Angehörige als stark belastet. Drei Viertel (78,8 Prozent) finden, dass pflegende Angehörige zu wenig Unterstützung erhalten – dieser Wert ist landesweit insbesondere in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen hoch (97,3 Prozent). Zudem bewerten 96,7 Prozent die Pflegekosten für zu hoch und 73,1 Prozent die Bürokratie bei der Pflegearbeit für übermäßig. Die Versorgungslage in der Region wird unterschiedlich bewertet: 56,5 Prozent sehen zu wenig stationäre Plätze, bei ambulanten Angeboten sagen das 23,1 Prozent. Die Wartezeit auf einen Pflegeplatz wird mehrheitlich als zu lang bewertet (60,5 Prozent). Die Pflegequalität vor Ort beurteilen 54,7 Prozent als gut, 42,6 Prozent als schlecht.
Hummel und Wolf sind sich einig, dass auch Pflege als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden müsse. „Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Therapeutinnen und Therapeuten leisten jeden Tag Großartiges. Aber unser Gesundheits- und Pflegesystem steht vor enormen finanziellen und strukturellen Herausforderungen. Und die Ergebnisse der Umfrage sind ein klarer Auftrag an die Politik“, so die AOK-Geschäftsführung.