Wenn Worte fehlen
AOK-Auswertung zeigt: Viele Kinder in der Region Bodensee-Oberschwaben erhalten eine Sprachtherapie
Region Bodensee-Oberschwaben. Für die neuen Erstklässlerinnen und Erstklässler hat das Schuljahr gerade begonnen. Für viele von ihnen gehört neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch das „richtige“ Sprechen zu den Herausforderungen. In der Region Bodensee-Oberschwaben, zu der die Landkreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis gehören, erhielten im Jahr 2025 rund 13,2 Prozent der bei der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… versicherten 4- bis 6-jährigen Kinder mindestens eine Heilmittelverordnung aus dem Bereich Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schlucktherapie. „Konkret erhielten 1.099 von 8.328 versicherten 4- bis 6-jährigen Kindern eine entsprechende Verordnung Einige Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung bedürfen einer schriftlichen Anweisung durch… . Im Vorjahr waren es 1.049 von 8.061 Kindern (13,0 Prozent)“, blickt Markus Packmohr, Geschäftsführer der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben, auf die Auswertung.
„Besonders deutlich wird die Bedeutung der Sprachtherapie beim Blick auf die Kinder kurz vor dem Schuleintritt: Bei den Sechsjährigen lag die Quote 2025 in der Region Bodensee-Oberschwaben bei 19,6 Prozent. Damit erhielt nahezu jedes fünfte sechsjährige Kind eine entsprechende Heilmittelverordnung. Im Jahr 2024 lag die Quote bei 18,8 Prozent“, so Markus Packmohr weiter. „Damit liegt die Region leicht über dem Landesdurchschnitt. In Baden-Württemberg erhielten 2025 19,2 Prozent der sechsjährigen Kinder eine Sprachtherapie, 2024 waren es 18,5 Prozent.“ Auch innerhalb der Region gibt es Unterschiede. Bei den sechsjährigen Kindern lag die Quote 2025 im Bodenseekreis bei 20,1 Prozent, im Landkreis Ravensburg bei 19,7 Prozent und im Landkreis Sigmaringen bei 19,0 Prozent. Ein Jahr zuvor zeigte sich ein anderes Bild: Im Landkreis Sigmaringen lag die Quote bei 19,7 Prozent, im Landkreis Ravensburg bei 18,7 Prozent und im Bodenseekreis bei 17,7 Prozent.
Sprachstörungen erkennen und behandeln
Sprachstörungen bei Kindern können sich sehr unterschiedlich zeigen. Am häufigsten kommen Artikulationsstörungen vor, bei denen einzelne Laute nicht richtig gebildet werden. Sind zusätzlich Satzbau oder Wortschatz betroffen, kann eine Sprachentwicklungsstörung vorliegen. Auch Redeflussstörungen wie Stottern oder sehr schnelles, undeutliches Sprechen (Poltern) zählen dazu. Markus Packmohr: „Eltern und Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen sind häufig die ersten, denen solche Auffälligkeiten begegnen. Warum rund um den Schuleintritt besonders viele Kinder eine Sprachtherapie erhalten, wird in der Fachwelt seit Jahren diskutiert.“ Als mögliche Gründe gelten unter anderem eine tatsächliche Veränderung altersgerechter Sprachfähigkeiten, veränderte Anforderungen von Schule und Elternhaus sowie ein verändertes ärztliches Diagnose- und Verordnungsverhalten. Umso wichtiger ist es, Sprachstörungen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu lassen, damit Kinder gut in der Schule ankommen. Eltern, die bei ihrem Kind Auffälligkeiten beim Sprechen bemerken, sollten das frühzeitig mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin besprechen.
Jungen deutlich häufiger betroffen als Mädchen
Wie auf Landesebene zeigt sich auch in der Region Bodensee-Oberschwaben ein deutlicher Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. Bei den sechsjährigen Jungen in Bodensee-Oberschwaben erhielten 2025 21,6 Prozent eine entsprechende Verordnung. Bei den gleichaltrigen Mädchen waren es 17,4 Prozent. In Baden-Württemberg erhielten 22,7 Prozent der sechsjährigen Jungen und 15,6 Prozent der sechsjährigen Mädchen eine Sprachtherapie. „Die sprachliche Entwicklung verläuft von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Sprachliche Fähigkeiten sind aber ein wichtiges Fundament fürs Lernen: Sie beeinflussen, wie gut sich ein Kind ausdrücken, Fragen stellen und Wissen erwerben kann“, hebt AOK-Geschäftsführer Markus Packmohr hervor.
Sprachförderung beginnt im Alltag
„Eine Sprachtherapie kann Kinder gezielt unterstützen. Genauso wichtig ist aber, was im Alltag passiert“, sagt Markus Packmohr. „Gemeinsames Lesen und Vorlesen statt Bildschirmzeit fördert die Sprachentwicklung. Das sollten Kitas, Schulen und Elternhäuser gemeinsam im Blick behalten, um Sprachstörungen möglichst früh vorzubeugen.“ Die AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben engagiert seit vielen Jahren beim bundesweiten Vorlesetag, der am 20. November stattfindet. Der AOK-Geschäftsführer betont: „Mit zahlreichen Vorleseaktionen in Kindergärten in der Region wollen wir ein Zeichen setzen für die Bedeutung des Vorlesens und der frühen Sprachförderung. Denn regelmäßiges gemeinsames Lesen und Vorlesen schafft nicht nur Nähe, sondern unterstützt Kinder dabei, ihren Wortschatz zu erweitern, Sprache zu verstehen und selbstbewusst anzuwenden!“
Hinweis für die Redaktionen:
Grundlage der Auswertung sind die bei der AOK versicherten vier- bis sechs-jährigen Kinder mit Wohnort in Baden-Württemberg beziehungsweise Bodensee-Oberschwaben, die 2024 beziehungsweise 2025 mindestens einen Tag versichert waren. Ausgewertet wurde der Anteil der Kinder mit mindestens einer Heilmittelverordnung aus dem Bereich Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schlucktherapie (SSSST) am jeweiligen Berichtsjahresende (31.12.2024 beziehungsweise 31.12.2025).
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Sprachstörungen zum Schulstart
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