Selbstfürsorge: Wichtig für die eigene Stärke und Gesundheit
Selbstfürsorge – das hört sich für manche Menschen vielleicht egoistisch an. Dabei ist eine gewisse Fürsorge und Liebe für sich selbst unabdingbar, um die eigene Gesundheit und Kraft zu erhalten. Nur wer eigene Ressourcen hat, kann auch anderen helfen und für sie da sein. Denn Selbstfürsorge hilft uns, gesund zu bleiben und die eigene Kraft zu behalten.
Mehr als gelegentliche Wellnesstage
„Selbstfürsorge hat nichts mit Egozentrik oder Ich-Bezogenheit zu tun. Es ist auch viel mehr, als gelegentliche Wellnesstage einzulegen. Es geht dabei darum, sich grundsätzlich zu fragen: Was brauche ich in meinem Alltag, was gibt mir Energie, was macht mich stark – und das dann aktiv umzusetzen“, sagt Birgit Lesch, Diplom-Psychologin bei der AOK. Denn wer sich selbst aus den Augen verliert, wird irgendwann körperlichen und seelischen Schaden nehmen – und kann dann auch nicht mehr für andere Menschen da sein.
Lernen, „Nein“ zu sagen
Aus den Augen verlieren kann man sich selbst allerdings schnell angesichts der täglichen Herausforderungen und Anliegen, die von außen an uns herangetragen werden: Arbeit, die unbedingt noch erledigt werden muss, das Kind, das zum Schwimmkurs gebracht werden will, Freunde, die in Nöten sind und Hilfe brauchen. Nein zu sagen, fällt da schwer, wirkt harsch und unsozial. „Nein sagen zu können, ist aber ein ganz wichtiger Teil der Selbstfürsorge. Das kann man auch trainieren: Fangen Sie bei kleineren Anliegen im privaten oder beruflichen Umfeld an. Sie können zum Beispiel sagen, dass Sie dieses oder jenes jetzt nicht tun können, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt. Machen Sie Ihrem Umfeld klar, dass Sie nicht jederzeit verfügbar sind“, so Psychologin Lesch.
Das hilft: gute Ernährung und regelmäßige Bewegung
Zur Selbstfürsorge gehört auch, möglichst gesund zu leben und damit dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun. Dazu zählen die Klassiker wie eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und möglichst viel Bewegung.
Auch die Psyche braucht Fürsorge
Doch nicht nur der Körper, auch die Psyche braucht Fürsorge: Hier sind Familie, Freundschaften und andere soziale Kontakte enorm wichtig. „Legen Sie mit ihrer Familie feste Momente wie zum Beispiel ein gemeinsames Essen oder einen Spieleabend fest. Halten und pflegen Sie den Kontakt zu anderen Menschen. Nehmen Sie sich Zeit für Sport oder andere Hobbys und Interessen, die Sie haben. Und: Bleiben Sie neugierig“, empfiehlt Lesch.
Regelmäßige Momente der Entspannung
Selbstfürsorge bedeutet auch, regelmäßig Momente der Entspannung in den Alltag einzubauen und dafür auch einen Termin im Kalender zu blocken: Atemübungen machen, ein Bad nehmen, ein Buch lesen, shoppen gehen, Handy ausschalten – sich einmal für alle unsichtbar machen.
Die AOK bietet zahlreiche Kurse und Programme zu den Themen Achtsamkeit, Entspannung und Stressbewältigung. Was einer Teilnahme oft im Wege stehe, sei, besonders bei Müttern, dass man gelernt habe, zunächst einmal für das Wohlergehen aller anderen zu sorgen und die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, so Lesch. Es geht also im ersten Schritt darum, überhaupt wieder wahrzunehmen, was man selbst in diesem Moment eigentlich braucht – und das kann für jeden und jede etwas ganz anderes sein. Hilfreich ist es, zum Einstieg einmal kurz innezuhalten, die Augen zu schließen und fünf- bis zehnmal tief zu atmen. „Hören Sie mal in sich hinein und fragen sich: Was brauche ich jetzt? So kann man langsam wieder lernen, für sich selbst zu sorgen – und dann auch wieder für andere da zu sein“, so Psychologin Lesch.