Zahl des Monats Februar: 7,7 Milliarden Liter …
… zuckerhaltige Erfrischungsgetränke wurden laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 2024 in Deutschland hergestellt. Das entspricht den Angaben zufolge knapp 93 Litern pro Kopf.
Durchschnittlich verbrauchten die Menschen hierzulande 2023 laut Destatis knapp 41,2 Kilogramm Zucker pro Kopf. Das sind etwa 38 Stück Würfelzucker pro Tag. Für eine Person mit gesundem Körpergewicht empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation Die WHO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die als Koordinationsbehörde der… WHO etwa 50 Gramm Zucker oder 17 Stück Würfelzucker pro Tag – also weniger als die Hälfte des tatsächlichen Konsums. Weltweit lag der durchschnittliche Zuckerkonsum demnach bei 24 Stück Würfelzucker pro Person und Tag.
Einer Analyse der Verbraucherorganisation Foodwatch zufolge ist Deutschland in Westeuropa Spitzenreiter beim Konsum zuckerhaltiger Getränke. Fast 26 Gramm Zucker pro Kopf nehmen die Bundesbürger pro Tag auf diese Weise zu sich. Foodwatch stützt die Auswertung auf die Datenbank des Marktforschungsinstituts Euromonitor.
Laut Destatis ist die Produktion zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke zwischen 2019 und 2024 nur leichten Schwankungen unterworfen. 2019 lag die Produktion mit 7,8 Milliarden Litern nur unwesentlich höher als die 7,7 Milliarden Liter des Jahres 2024. Zwischenzeitlich sank die Produktion zwar ein wenig, unterschritt aber zu keinem Zeitpunkt die Marke von 7,1 Milliarden Litern (2021). Im Vergleich dazu machte die Menge zuckerreduzierter Getränke nur einen Bruchteil aus. Sie blieb im benannten Zeitraum mit 1,4 Milliarden beziehungsweise 1,5 Milliarden Litern kalorienreduzierter Getränke nahezu konstant.
Hoher Zuckerkonsum erhöht das Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat 2025 in ihrem 15. Ernährungsbericht eine Literaturanalyse zur Entwicklung und Verbreitung von Übergewicht in Deutschland veröffentlicht. Laut Mikrozensus 2021 sind demnach 61 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen zwischen 18 und 65 Jahren übergewichtig. 8,9 Millionen Menschen in Deutschland waren laut dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) 2023 an Typ-2-Diabetes erkrankt. Die Dunkelziffer beziffert das DZD auf zusätzlich mindestens zwei Millionen Betroffene. Die Akademie der Wissenschaften Leopoldina warnte in der Januarausgabe ihres Policy Briefes vor der zunehmenden Verbreitung von Adipositas in Deutschland.
Angesichts dieser Zahlen hat die Debatte um die Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke wieder an Fahrt gewonnen. Laut WHO erheben derzeit 116 Länder in der Welt eine solche Steuer, unter anderem fast alle Länder Mittel- und Südamerikas und etwa zwei Drittel der Länder auf dem afrikanischen Kontinent. In Europa sind es Großbritannien, Irland, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Portugal, Finnland, Lettland, Polen, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Montenegro und die Türkei. Hinzu kommen eine ganze Reihe von Staaten im Nahen Osten sowie in Südostasien.
Auf dem CDU-Parteitag war jüngst ein Antrag des Landesverbands Schleswig-Holstein auf Einführung einer „Limo-Steuer“ auf stark gezuckerte Getränke am Delegierten-Votum gescheitert. Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident Daniel Günther kündigte daraufhin eine Bundesratsinitiative für eine solche Steuer an. Vor dem Parteitag hatten mehr als 40 Verbände an Bundeskanzler Friedrich Merz appelliert, eine Limo-Abgabe einzuführen. Der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt warnte bereits zum Jahreswechsel eindringlich vor den Folgen für die Gesundheit von Kindern durch übermäßigen Zuckerkonsum und forderte ebenso eine Zuckersteuer wie die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Auch die Pharmabranche begrüßte Anfang Februar die Debatte um höhere Steuern auf ungesunde Produkte, unter anderem auf zuckerhaltige Lebensmittel.
Eine breite Allianz aus Medizin, Wissenschaft und Gesellschaft drängt in einem Forderungskatalog darauf, „Prävention als politisches Leitmotiv“ und als „tragende Säule der Gesundheitspolitik“ grundsätzlich stärker zu verankern einen „klaren politischen Richtungswechsel“ einzuleiten. Gesundheitsschutz müsse gesetzlich verbindlich geregelt und ressortübergreifend umgesetzt werden. Das Stichwort lautet „Health in all Policies“. Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… sei „staatliche Pflicht“ und dürfe keine freiwillige Aufgabe bleiben. Es brauche eine „wirksame Unterstützung durch Regulierungen“ statt freiwilliger Selbstverpflichtungen. Viele Menschen könnten gute Vorsätze nicht dauerhaft umsetzen. „Unsere Alltagsbedingungen erschweren es“, sagte der Leiter der Abteilung Prävention des AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Bundesverbandes, Oliver Huizinga, bei der Präsentation des Papiers Anfang Februar.
Huizinga stellte das durchweg schlechte Abschneiden Deutschlands im Vergleich mit 18 Ländern bei Maßnahmen zu Alkohol, Tabak, Ernährung und Bewegung heraus. Im Public Health "Public Health" (übersetzt: "öffentliche Gesundheit") verfolgt das Ziel, Bedingungen zu schaffen und… Index von AOK-Bundesverband und Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) landete Deutschland auf dem vorletzten Platz. Es gebe „viele ungenutzte Potenziale“ in Politikfeldern wie Ernährung, Fiskalpolitik und Suchtmittel. Dort seien die Maßnahmen in Deutschland „besonders zögerlich“. Dabei seien hier „wahrscheinlich die größten Potenziale zu heben“, um die Lebenserwartung auf der Bevölkerungsebene „messbar zu verändern“