Selbstverwalter-Podcast: Reformdruck, Scheindebatten und ungebrochener Optimismus
Der angekündigte Herbst der Reformen ist vorbei, die gesundheitspolitische Bilanz eher mager, der Reformdruck unvermindert hoch. Die beiden Aufsichtsratsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes, Dr. Susanne Wagenmann (Arbeitgeberseite) und Knut Lambertin (Versichertenseite), sprechen über ihre gesundheitspolitischen Erwartungen für das erste Halbjahr 2026.
Die Ausgangslage zu Beginn des Jahres 2026 ist kompliziert. Bei der Krankenhausreform hakt es immer noch zwischen Bundestag und Bundesrat. Für den dritten Anlauf zur Notfallreform gibt es seit November 2025 einen Referentenentwurf, aber bisher noch keine Kabinettsvorlage. Das Konzept zur Primärversorgung Unter Primärversorgung wird die gesundheitliche Grundversorgung und Beratung verstanden, in der auch… wird schon teils heftig diskutiert, Konkretes hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken jedoch erst für den Sommer angekündigt. Die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind weiterhin nicht nachhaltig geregelt und die Beratungsergebnisse der Bund-Länder Arbeitsgruppe zur Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… erschöpfen sich bisher in längst bekannten Handlungsempfehlungen.
Dennoch bleibt Susanne Wagenmann zuversichtlich: „Ich bin wie immer ein ungebrochener Optimist“, sagt sie und vertraut darauf, dass die zurzeit beratenden Kommissionen „ihre Arbeit machen“. Für März erwartet die Volkswirtin, die bei der Bundesvereinigung der Arbeitgeber (BDA) die Abteilung Soziale Sicherung leitet, Eckpunkte für die Pflege und auch erste Vorschläge aus der GKV-Finanzkommission.
Knut Lambertin teilt den Unmut vieler, dass offenbar wenig vorankommt. Debatten um „Teil-AU, Absentismus, Faulheit, Karenztage, Streichung von Zahnersatz Der Leistungsanspruch auf Zahnersatz wurde mit dem GKV-Modernisierungsgesetz ab 2004 grundlegend… oder Anpassung des Leistungskatalogs an die Einnahmen“ würden tatsächlichen empirischen Erkenntnissen nicht gerecht, kritisiert Lambertin, Leiter des Referats Gesundheitspolitik Die Gesundheitspolitik ist ein facettenreiches Gebiet, das weit über die in der Öffentlichkeit mit… beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).
Die Krankenhausreform müsse bis Ostern endlich in trockene Tücher, fordert Wagenmann. „Ich wüsste gar nicht, was die Alternative sein sollte. Wir müssen da vorankommen.“ Zum wiederholten Male warnt sie vor einer Verwässerung der Reform. „Es kann nicht sein, dass wir hinterher durch die Reform das System nicht besser, aber teurer machen.“ Da seien alle mit anderen Ansprüchen gestartet. Wenn das nicht passiere, „werden die Beitragszahler es zahlen müssen“, befürchtet Lambertin. „Und die Patienten werden mit schlechter Versorgung bezahlen müssen.“
Mit Ralf Breitgoff sprechen die beiden außerdem über die Chancen des Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP), über gute Primärversorgung, regionale Versorgungsansätze, nachhaltige Finanzierung und moderne Strukturen sowie mögliche Ansätze einer umfassenden Präventionspolitik. Stichwort Health in All Policies.