Pressemitteilung

AOK-Analyse: Eigenanteile von Pflegeheim-Bewohnern

10.08.2026 AOK Bayern 3 Min. Lesedauer
  • Anstieg um über 50 Euro seit Jahresanfang
  • Hohe finanzielle Belastung für Pflegeheimbewohner
  • AOK Bayern fordert grundlegende Strukturreform

Die finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen in bayerischen Pflegeheimen ist seit Jahresanfang erneut gestiegen. Bewohnerinnen und Bewohner zahlen im Freistaat aktuell durchschnittlich 2.609 Euro pro Monat aus eigener Tasche. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ). Zum Jahreswechsel lagen die Eigenanteile noch bei durchschnittlich 2.558 Euro, also rund zwei Prozent niedriger. Bayern liegt weiterhin leicht unter dem Bundesdurchschnitt, der derzeit 2707 Euro beträgt.
 

Kosten für Pflegeheimplatz steigen weiter

Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim setzen sich aus den Ausgaben für Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… , Unterkunft, Verpflegung sowie Investitionskosten zusammen. Insgesamt kostete ein Pflegeheimplatz in Bayern zur Jahresmitte 2026 durchschnittlich 5.135 Euro pro Monat und damit nochmals mehr als zu Jahresbeginn (5.028 Euro). Von den Gesamtkosten zahlte die Pflegekasse im Durchschnitt 1.537 Euro. Zusätzlich erhielten die Bewohnerinnen und Bewohner aufgrund der nach Aufenthaltsdauer gestaffelten Leistungszuschläge der Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… durchschnittlich 989 Euro pro Monat. Dennoch verblieb für die Pflegebedürftigen eine monatliche Eigenbelastung von durchschnittlich 2.609 Euro. Davon entfielen 1.189 Euro auf den pflegebedingten Eigenanteil. Hinzu kamen durchschnittlich 983 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 437 Euro für Investitionskosten.

Zuschläge entlasten, Trend bleibt jedoch bestehen

Zwar sorgen die Leistungszuschläge der Pflegeversicherung insbesondere bei längeren Aufenthalten für eine spürbare Entlastung. Dennoch mussten Bewohnerinnen und Bewohner, die seit mehr als drei Jahren in einer bayerischen Pflegeeinrichtung leben, zur Jahresmitte 2026 durchschnittlich 1.965 Euro pro Monat aus eigener Tasche zahlen. Die Zuschläge richten sich nach der Wohndauer und reichen von 15 Prozent (Wohndauer bis zu einem Jahr) bis maximal 75 Prozent (ab drei Jahren Wohndauer in einer vollstationären Pflegeeinrichtung).

Reformdebatte darf nicht zu finanziellen Überforderungen führen

Nach Auffassung der AOK Bayern braucht die Soziale Pflegeversicherung dringend eine umfassende Struktur- und Finanzreform. Ziel muss sein, pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen vor finanzieller Überforderung zu schützen und gleichzeitig die Finanzierung der Pflege langfristig zu sichern. Dazu gehören eine regelmäßige Anpassung der Pflegeleistungen an die tatsächliche Kostenentwicklung, die Finanzierung der Ausbildungskosten in der Pflege sowie die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige aus Steuermitteln. Darüber hinaus braucht die Pflegeversicherung einen dauerhaften Bundesbeitrag zur Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben.

„Bayern liegt bei den Eigenanteilen zwar leicht unter dem Bundesdurchschnitt, dennoch bleibt die finanzielle Belastung für Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner hoch. Die aktuellen WIdO-Daten zeigen, dass die Kostenentwicklung kein regionales, sondern ein bundesweites Strukturproblem der Pflegefinanzierung ist. Die angekündigte Pflegereform muss deshalb jetzt zügig auf den Weg gebracht werden. Pflegebedürftige Menschen müssen vor finanzieller Überforderung geschützt werden, gleichzeitig muss die Pflegeversicherung langfristig finanziell stabilisiert werden“, sagt Alexandra Krist, Geschäftsbereichsleiterin Pflege bei der AOK Bayern. „Die anhaltende Diskussion über die künftige Ausgestaltung der Eigenbeteiligung zeigt, wie dringend ein tragfähiges Gesamtkonzept für die Pflegefinanzierung benötigt wird. Einzelmaßnahmen werden die strukturellen Probleme nicht lösen.“

Unterschiede zwischen den Bundesländern bleiben groß

Die WIdO-Analyse zeigt weiterhin deutliche regionale Unterschiede bei den Eigenanteilen. Während Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 3.071 Euro pro Monat selbst zahlen mussten, lag die Belastung in Sachsen-Anhalt bei 2.274 Euro. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass steigende Eigenanteile bundesweit ein zentrales Problem der Pflegefinanzierung bleiben.

Grundlage der Auswertung sind Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zur Entwicklung der Eigenanteile in der vollstationären Pflege in Deutschland und den Bundesländern.
 

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