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Im Türkischen kein Wort für „Selbsthilfe“

Patientinnen mit Rheuma sollen Umgang mit ihrer Krankheit erlernen

Die Rheuma Liga Hessen e.V. und die Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung e.V. (TDG) wollen weibliche Migrantinnen türkischer Herkunft mit Rheuma erstmals an die Selbsthilfe heran führen. Sie sollen dazu befähigt werden, mittelfristig aus eigener Kraft eine Selbsthilfegruppe aufzubauen. Damit verfolgt das im August begonnene und auf zwei Jahre angelegte Projekt in Frankfurt, Gießen und Kassel einen einzigartigen integrativen Ansatz. Die Finanzierung in Höhe von 70.000 Euro hat die AOK Hessen übernommen.

Patienten mit Migrationshintergrund leiden sehr häufig an rheumatischen Erkrankungen (z. B. Arthrose), sind jedoch kaum in Selbsthilfegruppen organisiert. Wenn sie zudem die deutsche Sprache nur unzureichend beherrschen, sind ihnen zahlreiche Präventionsangebote verschlossen. „Selbsthilfe als Gesprächsraum, um die Krankheit besser zu verstehen, ist in der Türkei völlig unbekannt“, erzählt Dr. Yasar Bilgin von der TDG. Es gäbe für das Wort „Selbsthilfe“ auch keine adäquate Übersetzung. Hinzu käme, dass in tür-kischen Familien sehr selten über Krankheiten, Arztbesuche, gar Prävention und Vorsorge gesprochen wird. „Es fehlen häufig die Erfahrungen mit Übungen zur Schmerzbeeinflussung“, ergänzt Reinhard Wirsing von der Rheuma Liga Hessen. Grund genug für die beiden Partner, regionale Gruppen zu gründen, speziell für türkische Frauen mit Rheuma.

Im Rahmen dieses Modellprojekts werden Bewegungsprogramme und Seminare angeboten. Dabei verfolgt das Projekt auch einen integrativen Aspekt. Es eröffnet den Zugang zum deutschen, somit auch deutschsprachigen Gesundheitswesen und sensibilisiert die Frauen für die Möglichkeiten, durch eigenes Handeln einen positiven Einfluss auf Therapie und Verlauf ihrer Erkrankung zu nehmen. Das Modellprojekt ist insofern kultursensibel, als im Zugang zu den Migrantinnen kulturelle Besonderheiten respektiert und die Angebote entsprechend adaptiert werden. Beispielsweise wird anstelle der sonst üblichen Wassergymnastik ein Trocken-Funktionstraining angeboten. Auch erfolgt die Arbeit in den Selbsthilfegruppen jeweils in türkischer und deutscher Sprache. Dabei wird mittelfristig eine gemischte Zusammensetzung der Selbsthilfegruppen mit deutschen Frauen und Migrantinnen angestrebt. Ergänzend zu den drei Regionalgruppen wurde eine Beratungshotline, besetzt mit zwei türkischen Ärztinnen/Ärzten, für alle betroffenen Patientinnen in Hessen eingerichtet. Eine Tanztherapie rundet das Angebot ab.

Die AOK Hessen unterstützt dieses Vorhaben im Rahmen ihrer Projektförderung. „Wir sind davon überzeugt, dass Migrantinnen stärker in die Selbsthilfe eingebunden werden müssen. Dieses Geld ist somit gut angelegt, weil wir dadurch die Patientensouveränität stärken können“, so Kerstin Roth, Patientenbeauftragte der AOK Hessen.

Pressekontakt

Ansprechpartner für diese Pressemitteilung
Riyad Salhi - 06172 272-143 oder Riyad.Salhi@he.aok.de