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Herausforderungen der Pflege gestalten

AOK-Befragung: Breite Zustimmung zur zeitlich begrenzten Freistellung von der Arbeit im Pflegefall / Quereinsteiger willkommen / Bei Pflegerobotern uneinig

Pflege der Zukunft

Bad Homburg. Bis 2030 wird die Zahl der Leistungsempfänger die Vier-Millionen-Marke mit großer Sicherheit überschreiten. Aus diesem Grund beschäftigt sich die AOK Hessen als größte Kranken- und Pflegeversicherung Hessens mit den damit verbundenen Herausforderungen. Dabei ist ihr wichtig zu erfahren, was sich die Betroffenen wünschen. Deshalb hat sie eine repräsentative Befragung in Auftrag gegeben. Von der Zulassung von Quereinsteigern, einem denkbaren Pflichtjahr oder Pflege durch Roboter – viele Menschen zeigen sich offen für neue Wege. Darüber hinaus wird sie in diesem Jahr sehr bewusst den Dialog zu diesem Thema suchen.

Pflege ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und die Pflegeberufe – es gibt kaum jemand, der hier nicht aus eigener Erfahrung etwas zu berichten hätten. „Wir haben die Menschen gefragt, welche Möglichkeiten Sie sehen, die Herausforderungen in der Pflege anzugehen“, berichtet Ralf Metzger, Leiter der Unternehmenspolitik der AOK Hessen. Und weiter: „Wir konstatieren eine erstaunlich hohe Bereitschaft auch für neue Ideen. So würde fast jeder Zweite Pflegeroboter in einer unterstützenden Rolle akzeptieren.“

Unterbringung: Am liebsten in der Wohngruppe

Die Bundesbürger wurden – teilgenommen haben insgesamt 1.200 Personen – nach ihrer Meinung zu favorisierten Pflegeformen befragt, wenn eine häusliche Pflege nicht möglich oder gewünscht ist. Acht von zehn Deutschen und drei von vier Hessen würden für sich eine Senioren-Wohngemeinschaft in Betracht ziehen. Stationäre Wohngruppen (86/87 Prozent) kommen sogar auf den ersten Platz, und ein wohnortnahes Pflegeheim können sich 79 Prozent (bundes- wie hessenweit) vorstellen, gefolgt von Seniorenresidenzen (79/78 Prozent) und Mehrgenerationenhäuser (78/74 Prozent). Insofern sind mehrere Optionen für die meisten gleichzeitig denkbar. Auch spezielle Wohnsiedlungen für Menschen mit bestimmten Beeinträchtigungen, zum Beispiel Demenzdörfer, treffen auf Sympathie (Zustimmung: 68/64 Prozent).

Personalnotstand: Quereinsteiger und Akademisierung

27 Prozent der Deutschen können sich sehr gut vorstellen, dass vermehrt auf Quereinsteiger zurückgegriffen wird, um offene Stellen zu besetzen, weitere 46 Prozent können es sich eher vorstellen. Die gezielte Ausbildung von geeigneten Migranten zu Pflegerinnen oder Pflegern favorisieren 23 Prozent, weitere 45 Prozent befürworten dies eher. Allerdings gibt es hierzu auch Skepsis bei jedem Dritten. Eine verbesserte Ausbildung – und damit ist neben einer Spezialisierung auch die Akademisierung des Berufsbildes gemeint – befürworten 43 Prozent der Bundesbürger sehr und weitere 46 Prozent eher, somit eine deutliche Mehrheit. 68 Prozent der Bundesbürger und 60 Prozent der Hessen be-fürworten verbesserte Arbeitsbedingungen, um den Beruf wieder attraktiver zu gestalten. 

Ideen: Pflichtjahr und begrenzte Freistellung

Geht es um die häusliche Pflege, wünscht sich der Löwenanteil (82 Prozent der Bundesbürger und sogar 84 Prozent der Hessen) den Ausbau der Beratung durch Pflegeexpertinnen und -experten zu praktischen Fragen der Pflege sowie weiterhin die Option auf eine zeitlich begrenzte Freistellung oder deutliche Arbeitszeitreduzierung der Pflegenden bei vermindertem Gehalt, zum Beispiel für ein Jahr (80/78 Prozent). Auch können sich 66 Prozent der Deutschen (58 Prozent der Hessen) sehr gut vorstellen, die gesamte Pflege selbst zu organisieren und zu bezahlen – auch dafür notwendige Hilfsmittel – und dafür aber einen höheren Betrag von der Pflegeversicherung zu erhalten. Der Einführung eines verpflichtenden Pflege-Dienstjahres nach der Schule, ähnlich dem früheren Zivildienst, würden 60 Prozent bundesweit (aber nur 50 Prozent hessenweit) prinzipiell zustimmen. 

Digitalisierung: Auch eine Frage der Ethik

„Sogar die Digitalisierung im Pflegeheim und die absehbaren Möglichkeiten der Sozialrobotik werden mittlerweile nicht nur von Fachleuten diskutiert und problematisiert, dabei spielen auch ethische Fragen eine wichtige Rolle“, erläutert der hessische AOK-Pflegechef Robert Ringer. Aus diesem Grund wollte die Gesundheitskasse wissen, inwieweit technische Hilfen wie diese in der Bevölkerung angenommen werden würden. Schon heute werden Roboter wie Pepper in deutschen Heimen erprobt und vor allem für die Kommunikation mit Pflegebedürftigen eingesetzt. Doch die technische Entwicklung schreitet weiter voran. Wann sie jedoch in der Lage sind, Patienten gefahrlos umzubetten, ist noch unklar. 

Roboter: Eher für Befördern und Umbetten

Die Bundesbürger können sich in erster Linie vorstellen, dass Pflegeroboter zukünftig körperlich schwere Arbeiten verrichten. Allerdings meinen 46 Prozent (und 43 Prozent der Hessen), dass der Pflegebedürftige selbst entscheiden sollte, ob sie oder er von einem Roboter oder einer Fachkraft gepflegt wird. Nur jeder Zehnte legt Wert darauf, dass sie menschlich aussehen. „Das Thema ist bei den Menschen angekommen und wird wie es scheint auch umfänglich reflektiert. Es gibt durchaus eine breite Zustimmung, sofern die Aufgaben der Roboter begrenzt und überwacht werden“, meint Ringer. Als Aufgaben infrage kämen die Patientenbeförderung im Rollstuhl (54/56 Prozent), das Umbetten (36/36 Prozent), die Unterstützung beim Essen (29/28 Prozent) und beim Toilettengang (26/23 Prozent). Interessanterweise wird die Kommunikation mit dem Patienten – die heute schon möglich ist – nur von 21 Prozent der Bundesbürger (16 Prozent der Hessen) befürwortet. Auch das Verabreichen von Arzneimitteln findet wenig Zustimmung (nur 15/18 Prozent). Allerdings lehnt bislang auch jeder Vierte Roboter in der Pflege ab (in Hessen sind es 28 Prozent).

Beratung: Krankenkasse erste Anlaufstelle

Auch zu ihrem Informationsverhalten wurden die Bundesbürger befragt. Insgesamt 65 Prozent würden sich im Bedarfsfall an ihre Krankenkasse wenden (59 Prozent in Hessen), aber auch der oder die Hausärztin, Pflegestützpunkte sowie Freunde und Bekannte mit Pflege-Erfahrung wären wichtige Quellen. 39 Prozent der Hessen kennen die Pflegestützpunkte nicht nur, sie würden sie im Bedarfsfall auch aufsuchen. Sogar 57 Prozent der hessischen Einwohner über sechzig Jahren würden vor allem die Pflegestützpunkte konsultieren.

Im Dialog: Daheim und in der Öffentlichkeit

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Bezieherinnen und Bezieher von Pflegeleistungen bundesweit um 553.000 und damit auf 3,3 Millionen. Die Ausgaben wuchsen um 16,9 Prozent auf 35,5 Milliarden Euro. Die stetig steigende Bedeutung und die Vielzahl an Fragen, die sich Betroffene zu Recht stellen, bedarf einer fortlaufenden Diskussion über Ideen und Möglichkeiten, auch zu Fragen der Ethik und der Finanzierbarkeit. „Die AOK Hessen wird sich ab Juni in ihrer Veranstaltungsreihe ‚Selbsthilfe im Dialog‘ dem Thema Pflege intensiv widmen. Uns ist dabei wichtig, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen“, ergänzt Metzger. Darüber hinaus bietet sie schon seit vielen Jahren eine persönliche Beratung in den eigenen vier Wänden an. Ihr flächendeckendes Team aus 33 Pflegeberaterinnen und -beratern kommt zu Familien nach Hause und gibt Hilfestellung zu allen Fragen, die im Pflegekontext eine Rolle spielen können.

Selbsthilfe im Dialog 2019

Veranstaltungsreihe mit Schwerpunkt Pflege

Termine:

Freitag, 14. Juni 2019, Stadthalle Gelnhausen
Samstag, 15. Juni 2019, Handelsschule Herrmann in Fulda
Freitag, 28. Juni 2019, Kurhaus in Wiesbaden
Samstag, 29. Juni 2019, Halber Mond in Heppenheim
Freitag, 9. August 2019, H4 Hotels in Kassel
Samstag, 10. August 2019, Technologie- und Tagungscenter in Marburg
Freitag, 23. August 2019, Welcome Hotel in Darmstadt
Samstag, 24. August 2019, Stadthalle in Limburg
Freitag, 6. September 2019, DGB-Haus in Frankfurt
Samstag, 7. September 2019, Stadthalle in Bad Hersfeld