Verdauungssystem

Akute Pankreatitis: Wenn sich die Bauchspeicheldrüse entzündet

Veröffentlicht am:18.04.2023

aktualisiert am 04.04.2024

7 Minuten Lesedauer

Starke Schmerzen im Oberbauch sind ein wichtiges Warnsignal für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung. Häufig heilt sie nach ein bis zwei Wochen wieder ab, kann aber auch lebensgefährlich werden. Wie eine Pankreatitis entsteht und was hilft.

Ein Mann hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Bauch, während eine Ärztin mit Klemmbrett ihm gegenübersitzt.

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Wie kommt es zu einer akuten Pankreatitis?

Die Bauchspeicheldrüse, Fachleute sagen „das Pankreas“, produziert pro Tag etwa 1,5 bis 2 Liter Verdauungssaft, der über einen Gang in den oberen Abschnitt des Dünndarms gelangt. Dieser Saft enthält Verdauungsenzyme, die Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße aus unserer Nahrung spalten, sodass diese im Darm aufgenommen werden können.

Verschiedene Schutzmechanismen sorgen dafür, dass die Enzyme dabei nicht die Körperzellen oder das Gewebe der Bauchspeicheldrüse selbst verdauen. Denn auch diese bestehen – wie unsere Nahrung – aus Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen.

Beispielsweise werden die Verdauungsenzyme im Pankreas erst einmal in Vorstufen gebildet und später im Dünndarm durch andere Enzyme aktiviert. Sind diese Schutzmechanismen jedoch gestört, kann das der Bauchspeicheldrüse schaden und zu Entzündungen führen. Der medizinische Fachausdruck für die Entzündung der Bauchspeicheldrüse ist Pankreatitis.

Was ist der Unterschied: chronische und akute Pankreatitis?

Es gibt zwei mögliche Entzündungsformen im Pankreas: eine akute und eine chronische:

  • Bei einer akuten Pankreatitis erfolgt ein entzündlicher Schub, der mit starken Schmerzen und Funktionsabnahme der Bauchspeicheldrüse einhergeht. Das Organ kann jedoch wieder vollständig heilen.
  • Bei einer chronischen Pankreatitis treten wiederkehrende entzündliche Schübe auf, mit denen die Funktion der Bauchspeicheldrüse nach und nach weiter abnimmt.

Etwa 55.000 Menschen erkranken pro Jahr an einer akuten Pankreatitis. Männer sind dabei etwas häufiger als Frauen betroffen und das Erkrankungsalter liegt meist über 45 Jahren.

Was sind die Aufgaben der Bauchspeicheldrüse?

Die Bauchspeicheldrüse ist ein 12 bis 18 Zentimeter langes Organ, das quer im Oberbauch hinter dem Magen liegt. Mediziner und Medizinerinnen sprechen auch vom Pankreas. Die Bauchspeicheldrüse hat zwei essenzielle Aufgaben im Körper:

  1. Sie produziert einen Verdauungssaft, der die Nahrung aufspaltet, sodass die Nährstoffe im Darm aufgenommen werden können.
  2. Sie produziert Hormone, die den Blutzucker regulieren. Dazu gehört zum Beispiel Insulin, das bei der Blutzuckerkrankheit Diabetes mellitus im Mittelpunkt steht.

Welche Ursachen gibt es für eine akute Pankreatitis

Die häufigste Ursache für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung sind Gallensteine. Der Gang, über den der Verdauungssaft aus der Bauchspeicheldrüse in den Dünndarm fließt, vereinigt sich bei vielen Menschen kurz vor dem Übergang in den Darm mit dem Gallengang. Dieser transportiert den Gallensaft, der für die Fettverdauung und -aufnahme ebenfalls wichtig ist.

Wenn Gallensteine die gemeinsame Mündung verschließen, können die Sekrete nicht ablaufen und es kommt zu einem Rückstau. Dieser kann zur vorzeitigen Aktivierung der Verdauungsenzyme führen – mit der Folge, dass sich die Bauchspeicheldrüse „selbst verdaut“ und entzündet.

Welche Rolle spielt Alkohol bei einer akuten Pankreatitis?

Starker Alkoholkonsum ist die zweithäufigste Ursache für akute Bauchspeicheldrüsenentzündungen. Die genauen Mechanismen dahinter sind allerdings noch nicht bekannt. Jedoch gibt es zahlreiche Studien, die einen Zusammenhang von Alkohol und Entzündungen im Pankreas belegen.

Gibt es weitere Ursachen für eine akute Pankreatitis?

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung begünstigen können. Dazu zählen zum Beispiel erhöhte Fettwerte (Triglyzeride) oder Kalzium im Blut.

Selten können auch Virusinfektionen oder bestimmte Medikamente zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse führen. Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen lässt sich keine eindeutige Ursache für die akute Entzündung feststellen.

Im Schaubild werden die Verdauungsorgane sowie Gallensteine als Ursache einer akuten Pankreatitis gezeigt.
Blockieren Gallensteine den Abfluss aus der Bauchspeicheldrüse, staut sich Verdauungssaft auf und es kann eine akute Pankreatitis entstehen.

Was sind die Symptome einer akuten Pankreatitis?

Starke, gürtelförmige Schmerzen sind das Hauptsymptom einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung. Sie treten vor allem im Oberbauch auf und können in den Rücken ausstrahlen. Folgende Symptome kommen häufig dazu:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Fieber
  • Kreislaufprobleme
  • ein aufgeblähter, gummiartiger Bauch

Wie erfolgt die Diagnose bei einer Bauchspeicheldüsenentzündung?

Wenn die Bauchspeicheldrüse entzündet ist, sind die Schmerzen meist so stark, dass die Betroffenen sofort die hausärztliche Praxis oder, außerhalb deren Öffnungszeiten, die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen sollten. Es stehen verschiedene Methoden zur Diagnose zur Verfügung:

  • Blutabnahme zur Bestimmung spezifischer Laborwerte sowie der Entzündungswerte
  • Sonographie: Ultraschalluntersuchung, um Gallensteine zu erkennen, und um eventuelle Abflussstörungen festzustellen
  • Computertomografie (CT) und Magnetresonanz-Tomografie (MRT): bildgebende Verfahren für detailliertere Sichtbarkeit, wenn nötig

Wie gefährlich ist die akute Pankreatitis?

Etwa 20 Prozent der Fälle einer akuten Pankreatitis gehen mit schweren Komplikationen und einem monatelangen Heilungsprozess einher. Möglich sind beispielsweise schwere Organschäden oder eine Infektion der Bauchspeicheldrüse mit Bakterien – was lebensbedrohlich sein kann. Ungefähr drei Prozent der Betroffenen sterben an den Komplikationen einer akuten Pankreatitis.

Wie ist der Verlauf einer akuten Pankreatitis?

Je nach Ausprägung der Entzündung und je nachdem wie stark das Gewebe der Bauchspeicheldrüse geschädigt ist, kann die Erkrankung sehr unterschiedlich verlaufen. Bei vier von fünf Erkrankten klingt die Entzündung nach etwa ein bis zwei Wochen mit Behandlung ab. Je schwerer der Verlauf, desto länger dauert es, bis die Patienten und Patientinnen sich vollständig erholen.

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Welche Therapie gibt es bei einer akuten Pankreatitis?

Die Patienten und Patientinnen werden in der Regel stationär im Krankenhaus behandelt. Bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung werden vor allem die Symptome behandelt und die Bauchspeicheldrüse so gut es geht durch Nahrungskarenz entlastet. Verschiedene Medikamente können die Schmerzen, die Übelkeit und das Erbrechen lindern. Häufig kommen starke Schmerzmittel, sogenannte Opioide, zum Einsatz.

Aufgrund des Entzündungsprozesses kommt es zu einem Flüssigkeitsverlust. Daher erhalten die Betroffenen Flüssigkeit und Elektrolyte über einen Tropf, um einen Flüssigkeitsmangel und einen damit möglicherweise einhergehenden Schockzustand zu verhindern. Bei einer bakteriellen Infektion sind Antibiotika erforderlich.

Wird die akute Pankreatitis durch Gallensteine im Ausführungsgang verursacht, können kleinere Steine über eine Endoskopie entfernt werden, um so den Sekretabfluss wiederherzustellen.

Stellt sich im Verlauf der Therapie keine Besserung ein oder bestehen Komplikationen, kann der Körper über eine Magensonde oder intravenös mit den wichtigsten Nährstoffen versorgt werden.

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Geschälte und in Stücke geschnittene Salzkartoffeln mit gehackter Petersilie in einer rechteckigen Auflaufform.

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Nach einer akuten Pankreatitis sollten Betroffene sich zunächst fettarm und mit leichter Kost ernähren, um die Bauchspeicheldrüse nicht zu überlasten.

Wie sieht die Ernährung nach einer akuten Pankreatitis aus?

Während des Krankenhausaufenthaltes legen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte fest, ab welchem Zeitpunkt die Patientin oder der Patient wieder Nahrung zu sich nehmen darf.

Dabei wird in der Regel mit fettarmer und leichter Kost gestartet, um die Bauchspeicheldrüse nicht zu überlasten. Je nach Verträglichkeit können Betroffene im Verlauf wieder normale Kost zu sich nehmen. Für Patienten und Patientinnen mit hohem Alkoholkonsum lautet die Empfehlung, auf Alkohol zu verzichten.

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