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Blinddarmentzündung erkennen: So deuten Sie Bauchschmerzen und Co.

Eine junge Frau liegt auf der Couch und krümmt sich. Sie hat akute Bauchschmerzen – vielleicht ist es eine Blinddarmentzündung.

© iStock / Charday Penn

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 09.08.2021

Bauchschmerzen sind oft schwer einzuschätzen: Wann reicht eine Wärmflasche, wann sollte man einen Arzt aufsuchen? Handelt es sich um eine Blinddarmentzündung, sollte diese schnell behandelt werden. Doch viele zögern, weil sie die Symptome nicht richtig deuten können. Hier erfahren Sie, was eine Blinddarmentzündung eigentlich ist und woran Sie sie erkennen.

Inhalte im Überblick

    Was ist eine Blinddarmentzündung?

    Kleines Anhängsel, großer Schmerz: Bei einer Blinddarmentzündung, medizinisch Appendizitis genannt, ist der sogenannte Wurmfortsatz (Appendix) entzündet, der am Ende des Blinddarms liegt. Jedes Jahr werden etwa 150.000 Menschen in Deutschland aufgrund einer Blinddarmentzündung behandelt. Besonders häufig kommt die akute Blinddarmentzündung bei Jugendlichen vor. Dabei sind Jungen etwas öfter betroffen als Mädchen.

    Blinddarmentzündungen sind zwar weit verbreitet, aber deswegen nicht weniger gefährlich. Wer Anzeichen einer Appendizitis bemerkt, sollte nicht zögern, sondern schnell einen Arzt aufsuchen.

    Wie entsteht eine Blinddarmentzündung?

    Der Wurmfortsatz ist ein langer, dünner Teil des Blinddarms nahe der Einmündungsstelle von Dünndarm zu Dickdarm. Dieses lange Anhängsel ist eine Sackgasse. Es hat einen Eingang, aber keinen Ausgang – und das kann zum Problem werden: Im Wurmfortsatz können sich Speisereste, Kotsteine oder Fremdkörper sammeln und das Organ entzünden. Umgangssprachlich wird dies als „Blinddarmentzündung“ bezeichnet, obwohl es eigentlich der Wurmfortsatz ist, der sich entzündet. Ganz geklärt sind die Ursachen einer solchen Entzündung aber noch nicht.

    Bereits eine einfache akute Blinddarmentzündung löst bei Betroffenen meist starke Schmerzen aus und muss unbedingt behandelt werden. Ohne Behandlung drohen Komplikationen. Eins gilt es dabei nämlich zu vermeiden: Einen Durchbruch des Darms. Wenn das entzündete Gewebe immer schwächer wird, kann der Wurmfortsatz aufplatzen. Der Darminhalt, Eiter und Bakterien verteilt sich dann im Bauchraum. Mediziner sprechen von einer perforierten Appendizitis. Dieser Blinddarmdurchbruch kann schwerwiegende Folgen haben, denn andere Organe können sich ebenfalls entzünden. Eine solche Infektion kann bei Frauen oder Mädchen zur Unfruchtbarkeit führen, eine Bauchfellentzündung hervorrufen und im schlimmsten Fall sogar lebensgefährlich sein.

    Wie kann man eine Blinddarmentzündung feststellen?

    Um schwere Komplikationen zu vermeiden, muss eine Blinddarmentzündung frühzeitig behandelt werden. Damit das geschieht, ist es wichtig, sie rechtzeitig zu erkennen. Keine einfache Aufgabe, denn viele Krankheitszeichen, wie Bauchschmerzen oder Übelkeit, können auch auf andere Erkrankungen hindeuten. Wie stellt man also fest, ob der Blinddarm entzündet ist?

    Blinddarmentzündung-Symptome: Wo tut es weh?

    Erste Zeichen für eine Appendizitis sind Schmerzen in der Mitte des Bauches. Diese Bauschmerzen können über Stunden hinweg mal stärker und schwächer werden – oder sogar ganz verschwinden, um dann wieder zurückzukehren. Mit der Zeit wandern die Schmerzen meist von der Mitte aus hinüber zur rechten Seite des Unterbauches – dorthin, wo der Wurmfortsatz sitzt.

    Selber abtasten: Wo schmerzt der Blinddarm?

    Ob es sich wirklich um eine Blinddarmentzündung handelt, können Sie in einem ersten Test selbst herausfinden:

    • Ermitteln Sie, wie und wo genau der Schmerz sitzt: Bei einer Blinddarmentzündung entstehen krampfartige, starke Bauchschmerzen. Sie ziehen sich vom Bauchnabel hin zur rechten Seite des Unterbauches.
    • Beobachten Sie, ob sich der Schmerz beim Husten oder Niesen sowie beim Gehen verstärkt – das sind Warnsignale für eine Blinddarmentzündung.
    • Üben Sie mit den Händen Druck im Bereich der schmerzenden Stelle aus. Durch das Drücken oder Loslassen verstärken sich bei einer Blinddarmentzündung die Schmerzen.
    • Achten Sie auf den sogenannten Psoas-Schmerz: Er entsteht, wenn Sie das rechte Bein anziehen.
    • Typisch für eine Blinddarmentzündung ist außerdem, dass der Bauch hart und besonders druckempfindlich ist.

    Weitere mögliche Appendizitis Symptome

    Weitere Anzeichen für eine Blinddarmentzündung können sein:

    • Appetitlosigkeit
    • Verstopfung oder Durchfall
    • ein allgemeines Krankheitsgefühl
    • erhöhte Temperatur oder Fieber

    Das Problem ist, dass viele dieser Symptome auch bei anderen Krankheiten auftreten. Es könnte also sein, dass ein Magen-Darm-Infekt, das Reizdarm-Syndrom oder eine Blasenentzündung vorliegen. Bei Frauen können auch Menstruationsbeschwerden oder eine Eileiterschwangerschaft diese Symptome verursachen.

    Blinddarmentzündung: Wann zum Arzt?

    Wenn Sie eine Blinddarmentzündung bei sich vermuten, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen – auch wenn die Krankheitszeichen nicht so eindeutig sind. Das gilt vor allem dann, wenn die Schmerzen immer stärker werden und auch Fieber hinzukommen. Nur der Arzt kann sicher abklären, ob es sich um eine Blinddarmentzündung handelt.

    Ein Junge hält sich den Bauch vor Schmerzen – vielleicht hat er eine Blinddarmentzündung.
    Ein Kind, das länger als drei Stunden unter unklaren Bauchschmerzen leidet, sollte sicherheitshalber zum Arzt. Denn sie können oft nicht genau definieren, was in ihrem Körper nicht stimmt.

    © iStock / ridvan_celik

    Blinddarmentzündung erkennen bei Kindern

    Eine Blinddarmentzündung kommt besonders häufig bei Kindern und Jugendlichen vor. Das stellt die Eltern manchmal vor ein Problem: Vor allem kleine Kinder können typische Symptome, die auf eine Blinddarmentzündung hindeuten, oftmals nicht klar äußern. Bis zum Alter von acht bis zehn Jahren können Kinder nicht genau definieren, was in ihrem Körper nicht stimmt. So sagen sie vielleicht, dass sie Bauchschmerzen haben, obwohl sie eigentlich unter Kopfweh oder Halsschmerzen leiden. Sie können auch nicht zuverlässig unterscheiden, ob die Bauchschmerzen krampfartig sind oder es sich um ein Grummeln im Magen vor Hunger oder ein flaues Gefühl durch Übelkeit handelt.

    Weil die Einordnung der Bauchschmerzen häufig schwierig ist, wird eine Blinddarmentzündung bei kleinen Kindern oft erst spät erkannt. Kinderärzte empfehlen daher, ein Kind, das länger als drei Stunden unter unklaren Bauchschmerzen leidet, sicherheitshalber zum Arzt oder ins Krankenhaus zu bringen.

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    Wie wird eine Blinddarmentzündung behandelt?

    Bei einer Blinddarmentzündung muss der Arzt schnell eine Diagnose stellen und entscheiden, ob der Blinddarm entfernt werden muss oder nicht. Die Standardtherapie bei einer Blinddarmentzündung ist, den Wurmfortsatz im Rahmen einer Operation zu entfernen. Diese sogenannte Appendektomie ist die am häufigsten durchgeführte Bauchoperation der Welt. Oft entfernen Ärzte den entzündeten Wurmfortsatz minimalinvasiv. Das bedeutet, dass kein großer Bauchschnitt durchgeführt wird. Stattdessen arbeiten die Chirurgen über kleine Schnitte mit Minikameras und stabartigen Instrumenten. Dies verringert sowohl den Wundschmerz als auch die Gefahr von Narbenbildung.

    In bestimmten Fällen kann bei einer einfachen, unkomplizierten Blinddarmentzündung die Entzündung mit eine Antibiotikatherapie behandelt werden. Das kommt jedoch nur bei etwa jedem fünften Patienten in Frage.

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