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Verdauungssystem

Heilpflanze Andorn – bitteres Kraut mit heilsamer Wirkung

Veröffentlicht am:22.04.2026

12 Minuten Lesedauer

Seit Tausenden von Jahren setzen Menschen Andorn gegen die unterschiedlichsten gesundheitlichen Probleme ein. Vieles, aber nicht alles, hält einer Überprüfung durch die moderne Wissenschaft stand. Wogegen Andorn wirklich hilft.

Eine Großaufnahme zeigt die Spitze eines blühenden Gewöhnlichen Andorns. Zu sehen sind zwei kugelige Blütenstände mit kleinen weißen Blüten sowie gezähnte Blätter, die paarweise ober- und unterhalb der Blüten vom Stängel abzweigen.

© iStock / Chirag Sankaliya / KI-bearbeitet

Botanischer Steckbrief: Was ist Andorn?

Wenn es um „Andorn“ geht, ist in der Regel der Gewöhnliche Andorn (Marrubium vulgare) gemeint, der auch als Weißer Andorn bekannt ist. Der Gewöhnliche Andorn gehört zur Pflanzengattung Andorn (Marrubium) aus der Familie der Lippenblütler. Zur Gattung zählen weltweit noch rund 50 weitere Arten.

Woran erkennt man den Gewöhnlichen Andorn?

Der Gewöhnliche Andorn ist eine krautige Pflanze, die eine Höhe von 30 bis 80 Zentimetern erreicht. Ihre langen Stängel bilden keine Zweige. Stattdessen wachsen die runden bis herzförmigen und gezähnten Blätter paarweise direkt an den Stängeln.

Typisch ist die filzige Behaarung der Stängel und Blätter sowie eine runzelige Blattunterseite. Während der Blütezeit sitzen die kleinen weißen Blüten kugelig direkt oberhalb der Stellen, an denen die Blätter vom Stängel abgehen, an den sogenannten Blattachseln.

Wo in Deutschland wächst Andorn?

Der Gewöhnliche Andorn gelangte durch die Kultivierung in Klostergärten aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland. Die mehrjährige Pflanze stammt ursprünglich aus der Region zwischen dem Mittelmeer und Zentralasien. Heute ist er auf allen Kontinenten zu finden. In Deutschland können uns ausgewilderte Pflanzen überall begegnen, bevorzugt aber an sonnigen, trockenen bis mäßig trockenen Standorten wie beispielsweise Wegrändern.

Wie schmeckt Andorn?

Gewöhnlicher Andorn schmeckt sehr bitter. Das verrät schon sein botanischer Name Marrubium vulgare: Marrubium leitet sich vom hebräischen Wort marrob ab, was so viel wie „bitterer Saft” bedeutet. Aufgrund seiner starken Bitterkeit spielt Andorn in der Küche keine Rolle. Das Kraut findet ausschließlich als Heilpflanze Verwendung.

Was hat Andorn mit Taubnesseln und anderen Nesseln zu tun?

Der Gewöhnliche Andorn ist keine Nesselpflanze. Er hat jedoch einen Namensvetter: den Schwarzen Andorn. Trotz seines Namens gehört der Schwarze Andorn nicht zur Gattung Andorn – er ist eine Nessel, was sein gebräuchlicher Name „Schwarznessel“ verdeutlicht. Diese in Deutschland weit verbreitete Pflanze sieht anderen Nesseln sehr ähnlich und kann mit Taubnesseln oder Brennnesseln verwechselt werden. Auch der Gewöhnliche Andorn hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Taubnesseln. 

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Verwendung als Heilpflanze: Wobei hilft Andorn?

Die Geschichte des Andorns als Heilpflanze reicht bis in die Antike zurück. In spätantiken und mittelalterlichen Kräuterbüchern finden sich zahlreiche Indikationen: von der Geburtshilfe über die Behandlung von Tierbissen, Geschwüren, Gelbsucht und Tuberkulose bis hin zur Linderung von Ohrenschmerzen oder Stärkung der Sehkraft.

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den antik-mittelalterlichen Anwendungskatalogen. Die moderne Forschung konnte diese breite Palette jedoch nicht bestätigen. Nichtsdestotrotz ist Andorn aufgrund seines hohen Anteils an Bitterstoffen und seiner schleimlösenden Wirkung ein vielversprechendes Naturheilmittel.

Und so gibt es Einsatzgebiete für Andorn, die bereits im ersten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung in der medizinischen Literatur beschrieben wurden und bis heute anerkannt sind:

  • erkältungsbedingter Husten
  • leichte Verdauungsstörungen wie Blähungen
  • vorübergehende Appetitlosigkeit
Auf einer Holztischplatte steht eine Holzschale. Diese ist mit gehackten und getrockneten Andorn-Stängeln, -Blättern und -Blüten gefüllt.

© iStock / pamela_d_mcadams

Aus Andorn lässt sich ein Tee zubereiten. Dank seiner Bitterstoffe und der schleimlösenden Wirkung kann Andorntee bei leichten Verdauungsproblemen und erkältungsbedingtem Husten helfen.

Wie hilft Andorn bei Verdauungsbeschwerden?

Andorn enthält unter anderem den Bitterstoff Marrubiin sowie Gerbstoffe und ätherische Öle. Bitterstoffe regen die Produktion von Gallensaft und Magensaft an. Dadurch wird die Aktivität des Verdauungssystems angekurbelt. Das kann die positiven Effekte von Andorn bei Verdauungsbeschwerden und auf den Appetit erklären.

Welche Wirkung hat Andorn bei Husten?

Die Bitterstoffe können außerdem die Schleimlösung und den Auswurf von Sekret aus den Bronchien fördern und dadurch Hustenbeschwerden lindern.

Neben diesen Effekten bei Husten und auf die Verdauung konnten zudem entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften des Andorns im Labor und in Tierversuchen gezeigt werden. Wie sich diese Eigenschaften am besten für therapeutische Zwecke nutzen lassen, wird derzeit erforscht.

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Welche möglichen Anwendungen von Andorn stehen im Fokus der Forschung?

Vielleicht haben sich die heute Forschenden vom historischen Einsatzspektrum des Andorns inspirieren lassen. Jedenfalls weckt der Gewöhnliche Andorn das Interesse der modernen Medizin. Dabei sind die potenziellen Einsatzgebiete ähnlich breit gefächert wie in den jahrhundertealten Kräuterbüchern.

Ob bei entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis, der Verringerung von Schmerzreizen, zur Therapie von Krebs, Diabetes oder Lebererkrankungen – das entzündungshemmende, antimikrobielle und womöglich auch wundheilungsfördernde oder blutdrucksenkende Potenzial macht Andorn so interessant. Sogar zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit mit Andorn wird geforscht.

In welchen Bereichen sich der gewöhnliche Andorn als wirksame Behandlungsalternative behaupten kann, ist noch unklar. Zwar liefern Labor- und Tierversuche positive Signale, doch es fehlen noch die Belege für die Wirksamkeit von Andorn im menschlichen Organismus bei den genannten Erkrankungen.

Fest, flüssig, konzentriert – was kann man aus Andorn machen?

Zubereitungen und Nahrungsergänzungsmittel aus Andornkraut bestehen aus den Stängeln, Blättern und Blüten der Pflanze. Sie werden beispielsweise getrocknet, gehackt oder zu Pulverextrakt verarbeitet. Alternativ lässt sich Saft aus der Pflanze pressen. Entsprechend bieten Apotheken und Drogeriemärkte zum Beispiel folgende Andorn-Produkte an:

  • geschnittenes Kraut, das als Andorntee zubereitet werden kann
  • Andornpulver
  • Andornkapseln
  • Andornsaft
  • flüssigen Extrakt (Andorntropfen)

Manche Produkte tragen eine Angabe zur vorgesehenen Verwendung, zum Beispiel „Bronchial-Tropfen“. Neben reinen Andornprodukten gibt es auch Mischprodukte mit einem Andornanteil. Außerdem gibt es Saatgut für den (unkomplizierten) Anbau im eigenen Garten oder im Beet auf dem Balkon.

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Was sind mögliche Nebenwirkungen von Andorn?

Das Positive gleich vorweg: Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen sind bei Andorn nicht bekannt. Das Gleiche gilt für Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen. Sie können bei einer Erkältung oder bei Verdauungsproblemen also ohne großes Risiko zum Beispiel einen Andorntee ausprobieren.

Beachten Sie jedoch: Naturheilmittel ersetzen keine professionelle medizinische Versorgung. Wenn der Husten länger als eine Woche anhält, sollten Sie einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Genauso verhält es sich bei Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit, wenn Symptome länger als zwei Wochen andauern.

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Für wen ist Andorn nicht geeignet?

Kinder unter 12 Jahren sollten auf Andorn verzichten. Das bedeutet nicht, dass Andorn für Kinder gefährlich ist, sondern lediglich, dass zu dieser Altersgruppe keine entsprechenden Untersuchungen vorliegen. Aus demselben Grund gilt: Auch Schwangere und stillende Frauen sollten Andorn nicht verwenden.

Ein Verzicht auf Andorn ist außerdem bei einem bestehenden Magengeschwür und Zwölffingerdarmgeschwür angezeigt. Vorsicht ist auch bei Gallensteinen und sonstigen Gallenbeschwerden geboten. Betroffene sollten lieber keine Andornprodukte einnehmen.

Fachlich geprüft
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