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Symptome und Behandlung bei einem Zwölffingerdarmgeschwür

Veröffentlicht am:03.01.2023

4 Minuten Lesedauer

Bei einem Zwölffingerdarmgeschwür handelt es sich um eine tiefe Wunde der Schleimhaut im ersten Teil des Dünndarms. Die Geschwüre heilen manchmal ohne Behandlung wieder ab – häufig treten sie aber erneut auf und lösen unspezifische Beschwerden aus.

Eine Frau mit einem Zwölffingerdarmgeschwür sitzt auf einer Behandlungsliege während sie mit ihrem Arzt spricht.

© iStock / Kobus Louw

Inhalte im Überblick

    Definition: Was ist ein Zwölffingerdarmgeschwür?

    Der Zwölffingerdarm ist der erste Teil des Dünndarms. Er schließt direkt an den Magen an und verbindet diesen mit dem restlichen Teil des Darms. Aufgrund einer Infektion oder einer langen Einnahme von Schmerzmitteln entsteht mitunter eine tiefe Wunde in der Innenwand des Zwölffingerdarms. Als Folge kann sich dort ein Geschwür entwickeln, in der medizinischen Fachsprache auch Duodenalulkus (von „Duodenum“ = Zwölffingerdarm und „Ulkus“ = Geschwür) genannt.

    Ein Zwölffingerdarmgeschwür kommt relativ häufig vor, wenngleich die Anzahl in den Industrieländern rückläufig ist. Etwa 150 von 100.000 Personen erkranken jährlich daran. Meist sind Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr betroffen. Bei Männern kommt ein solches Geschwür etwa 3,5-mal häufiger vor als bei Frauen.

    Was sind die Ursachen eines Zwölffingerdarmgeschwürs?

    Bei der Entstehung eines Zwölffingerdarmgeschwürs können mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Die beiden häufigsten Ursachen sind:

    Helicobacter-Infektion

    Das Bakterium Helicobacter pylori breitet sich in der Schleimhaut aus und löst eine Entzündung aus. Die Entzündung schädigt die Schleimhaut des Zwölffingerdarms und verstärkt die Säurebildung im Magen. In der Folge baut die Schleimhaut ihre Schutzfunktion ab, sodass sich die Keime weiter ausbreiten und die Wunde in der Schleimhaut entsteht. In Deutschland tragen geschätzt 40 von 100 Menschen Helicobacter-pylori-Bakterien in sich. Davon entwickeln nur etwa vier bis acht eine Gastritis oder ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür. Eine zufällig entdeckte Helicobacter-Bakterien-Infektion, die keine Probleme bereitet, muss nicht behandelt werden. Die Infektion wird jedoch meist von Mensch zu Mensch übertragen. Wie genau, ist nicht geklärt. Ob eine Ansteckung beispielsweise übers Küssen erfolgt, konnte noch nicht belegt werden. Eventuell wandern die Erreger auch über kontaminierte Lebensmittel oder Trinkwasser in den Verdauungstrakt.

    Langfristige Einnahme von Schmerzmitteln

    Die langfristige Einnahme sogenannter nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR), sprich Medikamente, die entzündungshemmend wirken wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen, hemmen die Bildung von Prostaglandin. Dabei handelt es sich um ein Gewebehormon, das unter anderem die Bildung der Magensäure reguliert. Fehlt Prostaglandin, wird unter Umständen zu viel Magensäure produziert, was Schädigungen am Zwölffingerdarm verursachen kann.

    Erkrankungen

    Dementsprechend können auch Erkrankungen, die zu einer überhöhten Menge an Magensäure führen, ein Zwölffingerdarmgeschwür auslösen, etwa die Tumor-Erkrankung Zollinger-Ellison-Syndrom.

    Risikofaktoren

    Abgesehen von den beiden Hauptursachen gibt es einige Faktoren, die Wunden in der Innenwand des Zwölffingerdarms verursachen können. Dazu gehören:

    • genetische Veranlagung
    • chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
    • Stress und psychische Belastungen (erhöhen die Magensäureproduktion)
    • hoher Alkoholkonsum
    • zu viel Kaffee (Koffein)
    • Rauchen (Nikotin)
    • höheres Lebensalter

    Welche Symptome verursacht ein Zwölffingerdarmgeschwür?

    Ein Zwölffingerdarmgeschwür kann lange Zeit ohne Symptome verlaufen – besonders, wenn das Geschwür durch entzündungshemmende Schmerzmittel ausgelöst wird – und fällt dann erst durch schwierigere Komplikationen wie Blutungen auf. Treten Beschwerden auf, die durch andere Faktoren verursacht werden, sind die Schmerzen meist unspezifisch und können auch auf andere Erkrankungen hindeuten. Die Symptome machen sich häufig bei leerem Magen bemerkbar und nehmen nach dem Essen ab. Typisch sind:

    • Druck- und Völlegefühl
    • Übelkeit und Erbrechen
    • Appetitlosigkeit und Abneigung gegenüber bestimmten Speisen
    • Blähungen und unregelmäßiger Stuhlgang
    • saures Aufstoßen und Sodbrennen

    Vermutet Ihr Arzt oder Ihre Ärztin ein Geschwür, wird er beziehungsweise sie nach aktuellen Beschwerden fragen und den Bauch abtasten. Aufschluss kann auch eine Magenspiegelung geben. Hierbei werden Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm mit einem kleinen Ultraschallgerät untersucht, das sich am Ende eines flexiblen Kunststoffschlauchs (Endoskop) befindet. Mithilfe einer kleinen Zange können gleichzeitig Gewebeproben entnommen und anschließend im Labor analysiert werden.

    Wie wird ein Zwölffingerdarmgeschwür behandelt?

    Manchmal verschwindet ein Zwölffingerdarmgeschwür ohne Behandlung nach zwei bis drei Monaten von allein wieder. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Sie Reizfaktoren wie Alkohol, Rauchen oder Stress meiden. Besprechen Sie dennoch mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin das genaue Vorgehen, denn: In seltenen Fällen kann es ohne Behandlung zu Komplikationen wie Blutungen oder sogar einem Durchbruch des Geschwürs in den Bauchraum kommen. Umso wichtiger ist es, dass Sie etwaige Beschwerden rechtzeitig abklären lassen und sich genau an die ärztlichen Therapie-Anweisungen halten. Die Behandlung richtet sich auch nach den Ursachen.

    Medikamente

    Bei der Behandlung eines Zwölffingerdarmgeschwürs kommen je nach Ursache verschiedene Medikamente zum Einsatz.

    • Bei einem Geschwür ohne Beteiligung von Helicobacter-Bakterien sind Protonenpumpenhemmer (PPI) wie Omeprazol oder Pantoprazol das Mittel der Wahl. Diese Wirkstoffe hemmen die Produktion von Magensäure und werden über vier bis acht Wochen eingenommen.
    • Konnten Helicobacter-Bakterien nachgewiesen werden, erfolgt eine Dreifachtherapie, bestehend aus einem PPI und zwei Antibiotika mit den Wirkstoffen Clarithromycin, Metronidazol oder Amoxicillin. Bei einer Resistenz gegen Antibiotika kann auch eine Vierfachtherapie mit einem PPI und drei Antibiotika erfolgen. Diese werden ein bis zwei Wochen lang eingenommen und sollen die Bakterien bekämpfen.
    • Sind entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) die Ursache, sollten diese (vorübergehend) abgesetzt oder durch verträglichere Wirkstoffe ersetzt werden.

    Operativer Eingriff

    Komplikationen wie starke Blutungen werden mithilfe eines minimalinvasiven Eingriffs oder – falls dies nicht möglich ist – einer offenen Operation behandelt und beseitigt.

    Eine Person bereitet sich in der Küche gesundes Ofengemüse zu.

    © iStock / Daisy-Daisy

    Bei der Behandlung eines Zwölffingerdarmgeschwürs kann eine gesunde Ernährung zu einer schnelleren Besserung beitragen.

    Zwölffingerdarmgeschwür: Ernährung und Lebensweise

    Zur Ergänzung der Therapie sollten Sie auf eine möglichst gesunde Lebensweise achten – auch wenn noch unklar ist, welche Rolle die Ernährung, Rauchen oder Stress bei der Entstehung von Zwölffingerdarmgeschwüren im Einzelnen spielen. Achten Sie darauf, was Sie vertragen. Führen beispielsweise fettige Speisen, Alkohol, Rauchen oder Stress zu Magenbeschwerden, sollten Sie solche Auslöser meiden. Das hilft auch dabei, einem erneuten Zwölffingerdarmgeschwür vorzubeugen. Zudem sollten Sie entzündungshemmende Schmerzmittel nur so lange wie nötig einnehmen.

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