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Paracetamol oder Ibuprofen? Rezeptfreie Schmerzmittel richtig anwenden

Älterer Frau geht es nicht gut, weshalb sie eine Schmerztablette nehmen will.

© iStock / Riska

Lesezeit: 4 Minuten12.09.2022

Bei Kopf- oder Regelschmerzen und bei Fieber greifen viele zu Schmerzmitteln. Paracetamol und Ibuprofen sind dabei die Mittel der Wahl. Beide lindern Schmerzen, doch sie wirken verschieden. Wer die Wirkweisen kennt, kann Komplikationen vermeiden.

Inhalte im Überblick

    Die rezeptfreien Schmerzmittel Paracetamol und Ibuprofen

    Viele Schmerzmittel sind rezeptfrei in geringen Dosierungen und Packungsgrößen in der Apotheke erhältlich, dazu gehören auch Paracetamol und Ibuprofen. Die Dosierungen, die man ohne Rezept für die Selbstmedikation erhält, sind gut geeignet für den kurzzeitigen Einsatz bei leichten bis mäßig starken Schmerzen. Ibuprofen und Paracetamol sind für viele Menschen wichtige Notfallmedikamente im Alltag. Wie wirksam sie sind, hängt jedoch von der richtigen Anwendung, der Dosis und nicht zuletzt der Art und Stärke der Schmerzen ab. Dafür ist es wichtig zu wissen, wie und bei welchen Beschwerden Paracetamol und Ibuprofen wirken:

    1. Ibuprofen

    Ibuprofen gehört zu der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), wie auch Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac und Naproxen. Sie werden so genannt, da sie früher vor allem in der Behandlung von rheumatischen Schmerzen zum Einsatz kamen. Da sie das Krankheitsgeschehen jedoch nicht beeinflussen, werden NSAR bei rheumatischen Erkrankungen heute unterstützend zur akuten Schmerzlinderung und zur Verbesserung der Beweglichkeit eingesetzt. Nichtsteroidal bedeutet, dass die Wirkstoffe chemisch gesehen keine Steroide wie zum Beispiel Kortisol sind, die sonst auch wichtige Medikamente in der Rheumabehandlung sind.

    Die Wirkungsweise von Ibuprofen beruht auf der Hemmung zweier Enzyme (den Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2). Dadurch wird die Bildung von Prostaglandinen als wichtige Entzündungs- und Schmerzbotenstoffe gestoppt und in das Entzündungsgeschehen und in die Schmerzwahrnehmung eingegriffen.

    Prostaglandine sind jedoch auch außerhalb von Entzündungen wichtig im Körper, zum Beispiel für den Schutz des Magens und bei der Blutgerinnung. Eine Hemmung der Botenstoffe kann darum auch zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Ibuprofen kann Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen hervorrufen, da weniger schützende Magenschleimhaut aufgebaut wird. Vorübergehend kann auch die Funktion der Blutplättchen gehemmt sein, was zuzu Blutungen führen kann.

    Ibuprofen wird in der Leber verstoffwechselt und über Niere und Galle ausgeschieden.

    2. Paracetamol

    Paracetamol wird der Gruppe der Nichtopioid-Analgetika zugeordnet. Der Begriff Analgetika beschreibt die Gruppe der Schmerzmittel allgemein. Nichtopioid bedeutet, dass Paracetamol chemisch gesehen nicht zu den Opioiden gehört. Opioide sind morphinartig wirkende Substanzen, die vor allem bei starken und stärksten Schmerzen eingesetzt werden, also zum Beispiel bei Tumorschmerzen.

    Obwohl Paracetamol seit vielen Jahren als Schmerzmittel eingesetzt wird, ist die Wirkweise nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass es Gewebshormone beeinflusst und auf das Thermoregulationszentrum im Gehirn wirkt. Damit wirkt es fiebersenkend und schmerzlindernd. Jedoch greift es nicht in Entzündungsprozesse ein.

    Paracetamol wird in der Leber verstoffwechselt und über die Niere ausgeschieden.

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    FAQ: Paracetamol vs. Ibuprofen

    Was ist besser – Ibuprofen oder Paracetamol?

    Das lässt sich nicht so leicht beantworten. Insgesamt sind bei Paracetamol Nebenwirkungen seltener und es gibt auch weniger Anwendungsbeschränkungen. Jedoch wirkt Paracetamol nicht entzündungshemmend. Die Anwendungsmöglichkeiten von Ibuprofen sind somit vielfältiger. Welches Schmerzmittel die richtige Wahl ist, ist immer abhängig von der Art des Schmerzes und der individuellen medizinischen Vorgeschichte. Hat eine Person Magenprobleme, ist Paracetamol womöglich die bessere Wahl, bei Leberproblemen Ibuprofen. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin oder in der Apotheke beraten.

    Darf man Paracetamol und Ibuprofen bei einer Coronainfektion einnehmen?

    Zwischenzeitlich gab es Warnungen, dass eine Einnahme von Ibuprofen oder Paracetamol bei einer Coronainfektion nicht empfehlenswert sei. Diese Annahmen haben sich jedoch nicht bestätigt. Bei Schmerzen und Fieber im Rahmen einer Coronainfektion können sowohl Ibuprofen als auch Paracetamol eingenommen werden. Patienten, die Ibuprofen langfristig als Medikament einnehmen, brauchen sich ebenfalls nicht zu sorgen und können ihre Therapie wie verordnet fortführen.

    Darf man Paracetamol und Ibuprofen nach einer Coronaimpfung einnehmen?

    Sollten Sie nach einer Coronaimpfung Beschwerden infolge einer Impfreaktion haben, wie Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber, ist die Einnahme von Paracetamol und Ibuprofen möglich. Schmerzmittel sollen jedoch nicht vorbeugend eingenommen werden, sondern erst bei vorliegenden Schmerzen, da zum Beispiel noch nicht eindeutig untersucht ist, ob sie dadurch die Immunantwort verringern könnten. Deshalb sind diese Arzneistoffe auch nur zur Behandlung von Schmerzen zugelassen, nicht etwa zur Vorbeugung.

    Ibuprofen oder Paracetamol: Welches Schmerzmittel bei Regelschmerzen, Fieber bei Kindern oder einer Blasenentzündung?

    Für Frauen mit starken Regelschmerzen ist Ibuprofen die bessere Wahl, da es Hinweise darauf gibt, dass dabei Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR wirksamer sind als Paracetamol.

    Für Kinder unter zwei Jahren scheint Ibuprofen als Fieber- und Schmerzmittel etwas besser und schneller zu wirken. Die Datenlage ist jedoch dünn und beide Mittel wirken fiebersenkend und schmerzhemmend.

    Bei einer akuten Blasenentzündung sind sowohl Ibuprofen als auch Paracetamol für die Behandlung der Schmerzen geeignet.

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    Bei Erkältungen und grippalen Infekten sind sowohl Paracetamol als auch Ibuprofen geeignet.

    © iStock / svetikd

    Paracetamol und Ibuprofen im Vergleich

    IbuprofenParacetamol
    Wirkung
    • schmerzlindernd
    • fiebersenkend
    • entzündungshemmend
    • schmerzlindernd
    • fiebersenkend
    Anwendung bei
    • leichten bis mäßig starken Schmerzen
    • Fieber
    • Schwellungen und Entzündungen nach Verletzungen

    Höhere Dosierungen nach ärztlicher Verschreibung für verschiedene, vor allem rheumatische, Erkrankungen.
    • leichten bis mäßig starken Schmerzen
    • Fieber
    Höchstdosis für Erwachsene (bei Selbstmedikation)
    • Pro Einnahme: 400 Milligramm
    • Pro Tag: 1.200 Milligramm
    • Pro Einnahme: 1.000 Milligramm
    • Pro Tag: 4.000 Milligramm
    EinnahmehinweiseNicht auf leeren Magen, am besten mit etwas zu essenAuf leeren Magen möglich
    Häufige NebenwirkungenBeschwerden des Magen-Darm-Trakts, z.B. Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder leichte BlutungenNebenwirkungen sind eher selten
    Folgen bei falscher Einnahme oder Missbrauch
    • Schädigung des Magens (Magenschleimhautentzündungen, Geschwüre oder Blutungen)
    • Schädigung der Leber
    • Paracetamolvergiftung
    • Schädigung der Leber
    Nicht einnehmen bei
    • vorhandener Überempfindlichkeit gegen Ibuprofen
    • ungeklärten Störungen der Blutbildung
    • bekannten, vorhergegangenen Reaktionen auf Ibuprofen wie Asthma oder Nesselsucht
    • schweren Nieren- und Leberfunktionsstörungen
    • schwerer Herzinsuffizienz
    • Blutungen im Magen-Darm-Trakt
    • vorhandener Überempfindlichkeit gegen Paracetamol
    • schwerer Leberfunktionsstörung

    Nur unter ärztlicher Begleitung bei: schwerer Niereninsuffizienz, Alkoholmissbrauch und akutem Leberversagen
    Einnahme während Schwangerschaft und StillzeitNicht empfohlen ab dem dritten Schwangerschaftstrimester oder zur längeren Einnahme in der StillzeitWenn nötig, in geringer Dosis während Schwangerschaft und Stillzeit möglich

    Wichtig: Lesen Sie stets gründlich den Beipackzettel von Medikamenten und beachten Sie die Anwendungs- und Dosierungshinweise. Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Sie länger als ein paar Tage Schmerzmittel benötigen oder die Schmerzen nicht weniger werden.

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