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Gesundheitsmagazin

Immunsystem

Was von den Impfmythen rund um Corona zu halten ist

Veröffentlicht am:30.09.2021

7 Minuten Lesedauer

Aktualisiert am: 31.08.2022

Gerade wenn es um die Coronavirus-Schutzimpfung geht, tauchen immer wieder die wildesten Gerüchte auf. Vor allem in den sozialen Medien werden auf vielen Kanälen Wirkung und Sicherheit der Impfung in Frage gestellt. Was ist dran?

Eine Frau erhält eine Coronaimpfung.

© iStock / alvarez

Inhalte im Überblick

    „Ich habe ein sehr gutes Immunsystem! Warum sollte ich mich impfen lassen?“

    Selbst ein starkes Immunsystem schützt nicht unbedingt vor einem schweren Verlauf nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Eine Impfung dagegen schützt spezifisch. COVID-19-Impfstoffe führen zur Ausbildung von speziellen Antikörpern und einer Immunität, die häufig verhindert, dass die Erkrankung schwer verläuft.

    Wenn Sie jung und gesund sind, ist das Risiko gering, schwer an COVID-19 zu erkranken, allerdings schützen Sie durch die Impfung auch Ihre Familie, Freunde und Kollegen. Durch eine Impfung kann die Verbreitung einer Infektionskrankheit verringert werden. Leider ist das Ausmaß des Fremdschutzes geringer als zu Beginn angenommen.

    „Die Impfstoffe wurden so schnell entwickelt, wie können sie da sicher sein?“

    Ein Grund für die schnelle Zulassung des Impfstoffes ist der auf die Notsituation angepasste Arzneimittelzulassungsprozess. Die einzelnen Schritte des Zulassungsverfahrens verliefen nicht nacheinander, sondern parallel. Das heißt: klinische Studienphasen konnten zeitgleich ablaufen, Zulassungsprozesse wurden priorisiert und es gab eine hohe Bereitschaft von Freiwilligen, an klinischen Impfstudien teilzunehmen. Laut UN-Berichten erfüllen alle zugelassenen COVID-19-Impfstoffe international vereinbarte Maßstäbe für Sicherheit und Wirksamkeit.

    „Ist der Impfstoff gegen Mutationen wirkungslos?“

    Die verfügbaren Impfstoffe wirken gut gegen schwere Verläufe bei den aktuellen Mutationen des Coronavirus. Die aktuell in Deutschland dominierende Omikronvariante stellt die zugelassenen Impfstoffe auf die Probe. Es kommt häufiger zu Durchbruchsinfektionen, also zu einer symptomatischen (oder auch asymptomatischen) Infektion bei Geimpften. Zum Glück verlaufen diese Durchbruchsinfektionen in der Regel milder als Infektionen bei Ungeimpften und mittels Auffrischungsimpfungen kann für einen besseren Schutz gegen Omikron gesorgt werden. Erste Impfstoffe, die speziell gegen die Omikron-Variante ausgerichtet sind, werden derzeit in klinischen Studien geprüft und sind auf dem besten Weg, bis Ende des Jahres 2022 zugelassen zu werden.

    „Stimmt es, dass mRNA-Impfstoffe mein Erbgut verändern können?“

    Unser Erbgut besteht aus DNA (nicht RNA) und befindet sich im Zellkern. Es gibt keine Hinweise darauf, dass mRNA-Impfstoffe (wie die von BioNTech/Pfizer) das menschliche Genom verändern. Der Impfstoff kommt mit unserer DNA gar nicht in Berührung. Die mRNA des Impfstoffs gelangt nur in das Zellplasma und nicht in den Zellkern.

    Schon aufgrund seiner chemischen Struktur ist eine Integration von RNA in DNA nicht möglich. Die mRNA-Impfstoffe können das menschliche Erbgut also weder verändern noch beeinflussen. Die mRNA des Impfstoffs wird im Körper schnell abgebaut.

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    „Kann eine Impfung zu Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit führen?“

    Eine Falschmeldung in den sozialen Medien sorgte bei vielen Frauen für große Ängste. Es wurde behauptet, dass das Spike-Protein auf dem Coronavirus dasselbe sei wie das Spike-Protein Syncitin-1, das unter anderem am Wachstum und der Befestigung der Plazenta während der Schwangerschaft beteiligt ist. Frauen fürchteten, dass die Corona-Schutzimpfung eine Immunreaktion gegen dieses Protein hervorrufen könnte und sie deshalb unfruchtbar macht. Die beiden Spike-Proteine sind aber völlig verschieden, weshalb die Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus das Spike-Protein in der Plazenta nicht erkennen. Die Impfung mit COVID-19 hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Frauen, die schwanger werden wollen, auch nicht im Falle einer In-vitro-Fertilisation.

    Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), welches jeden Impfstoff überprüft, ist sich sicher, dass dank umfangreicher Studien im Rahmen der Arzneimittelzulassung und in der Nachbeobachtung keinerlei Verdacht besteht, dass die Corona-Schutzimpfung zu Unfruchtbarkeit führt – weder bei Männern, noch bei Frauen. Vielmehr ist es sogar so, dass aufgrund des erhöhten Risikos von schwangeren Frauen schwer an COVID-19 zu erkranken, diese in der Schwangerschaft geimpft werden. In den Zeiten der Pandemie ist die optimale Strategie zur Senkung des Risikos von Mutter und Kind, die Impfung bereits vor einer geplanten Schwangerschaft oder ab der 14. Schwangerschaftswoche abzuschließen.

    „Sind Zyklusstörungen eine Folge der Impfung?“

    Bei einigen Frauen kann es nach einer Impfung gegen COVID-19 zu Zyklusstörungen kommen. Der Grund dafür ist noch nicht bekannt, wird aber durch das Paul-Ehrlich-Institut und die Europäische Arzneimittelagentur erforscht. Betrachtet werden dabei alle gemeldeten Veränderungen der Regelblutung insgesamt: eine abgeschwächte sowie verstärkte Blutung, ausbleibende Blutungen, lang anhaltende Blutungen und Zwischenblutungen. Auch kam es bei einigen Frauen zu Blutungen nach der Menopause. Ziel der Forschung ist es, Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen der Zyklusblutung und einer Impfung gegen das Coronavirus zu gewinnen. Aktuellen Berichten zufolge normalisiert sich die Periode bei den betroffenen Frauen binnen weniger Monate wieder.

    Treten bei Ihnen Zyklusbeschwerden nach einer Impfung gegen COVID-19 auf und dauern diese länger als drei Monate an oder bereiten Ihnen Sorgen, sprechen Sie dazu mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin.

    „Sind die Studien zum Corona-Impfstoff nicht völlig irrelevant, wenn sie nur an gesunden Menschen getestet werden?“

    Diese Aussage ist falsch, denn auch ältere Menschen sowie Risikopatienten mit bestimmten Vorerkrankungen oder Übergewicht wurden in die klinischen Prüfungen aufgenommen.

    „Können Corona-Impfstoffe Krebs verursachen?“

    Der Impfstoff wurde vielfach untersucht und bisher gibt es keinen validen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen der Impfung und gestiegenen Krebsdiagnosen. Außerdem wird ein Impfstoff erst dann zugelassen, wenn er als sicher eingestuft wird. Weder die verschiedenen Impfungen, noch die COVID-Erkrankung selbst, werden aktuell mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht.

    Eine Schwangere sitzt auf dem Bett und hält ihren Bauch. Sie denkt über die Coronaimpfung und Impfmythen nach.

    © iStock / Vasyl Dolmatov

    Um das Risiko für Mutter und Kind zu senken, ist es optimal die Impfung gegen COVID-19 bereits zu Beginn der Schwangerschaft abzuschließen.

    „Stimmt es, dass ich bei einer Impfung mit Corona-Viren infiziert werde?“

    Nein! Der Impfstoff gegen COVID-19 kann und wird auch nicht dafür sorgen, dass man sich bei einer Impfung mit Viren ansteckt. Nach einer Impfung passiert im Körper laut Bundesgesundheitsministerium folgendes:

    • mRNA-Impfstoff: „Die beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe weisen die Zellen an, ein Protein zu reproduzieren, das sogenannte Spikeprotein, das Teil des Coronavirus ist und dem Körper hilft, das Virus zu erkennen und zu bekämpfen, wenn er damit in Kontakt kommt. Der Impfstoff gegen COVID-19 enthält keine Coronaviren, so dass Sie durch den Impfstoff auch kein COVID-19 bekommen können. Das Protein, das dem Immunsystem hilft, das Virus zu erkennen und zu bekämpfen, verursacht keinerlei Infektion“. Auch Abstriche im Nasen oder Rachenraum werden durch die Impfung nicht positiv.
    • Vektor-Impfstoff: Die vektorbasierten Impfstoffe enthalten ungefährliche, gut untersuchte Trägerviren – sogenannte Vektoren – die den Bauplan für das Spikeprotein transportieren. Über die Impfungen gelangen die Viren in den Körper und geben den Bauplan an die Körperzellen frei, die ihn dann umsetzen. Der COVID-19-Impfstoff Vaxzevria von AstraZeneca besteht aus einem angepassten Virus aus der Familie der Adenoviren (Erkältungsviren) von Schimpansen, der Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson aus humanen Adenoviren. Beide sind bei einem Menschen nicht vermehrungsfähig.
    • Proteinbasierter Impfstoff: Im Gegensatz zu den mRNA- und Vektor-Impfstoffen, die den Körper anregen, das Spikeprotein selber herzustellen, wird bei der Impfung von Novavax der Körper direkt mit dem Virusprotein geimpft, um das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anzuregen. Damit ist er im weitesten Sinne ein Totimpfstoff, so wie beispielsweise die Grippeimpfstoffe auch. Der Unterschied ist lediglich, dass die Corona-Impfung keine „echten“ abgeschwächten Virenpartikel enthält, sondern im Labor hergestellte. Auch bei dieser Impfung können sich die Erreger nicht im Körper vermehren oder eine Erkrankung auslösen.

    „Kann eine Impfung für Rheumatiker lebensgefährlich sein?“

    Ganz im Gegenteil! Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt ihren Patienten die Corona-Schutzimpfung ausdrücklich und warnt vor Fake-News. Die aktuelle Studienlage zeigt, dass Menschen mit rheumatischen Erkrankungen die mRNA-Impfstoffe in der Regel gut vertragen und sich bei ihnen ebenfalls schützende Antikörper bilden. Zwar ist die Antikörperbildung schwächer ausgeprägt als bei gesunden Menschen, doch der Schutz ist besser als ohne Impfung. Auch eine Auffrischungsimpfung wird von der Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie für Rheuma-Patienten und -Patientinnen empfohlen.

    „Stimmt es, dass einige Menschen kurz nach der Impfung gestorben sind?“

    Ja, das stimmt. Das heißt aber nicht, dass die Todesfälle direkt mit der Impfung zusammenhingen. Der Grund dafür: Wenn besonders viele alte Menschen mit schweren Vorerkrankungen und erhöhtem Sterberisiko im Rahmen einer Studie beobachtet werden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass eine gewisse Anzahl von ihnen an unterschiedlichsten Erkrankungen stirbt. Das PEI führt eine Statistik über Verdachtsfälle von Nebenwirkungen bei Impfungen in Deutschland. Bis zum 31. März 2022 waren 2.810 Fälle bekannt, die einen tödlichen Verlauf genommen haben. Davon könnten nach Schätzungen des PEIs 116 tatsächlich in Verbindung mit der Impfung stehen, unter anderem aufgrund von Thrombosen, nach einer Impfung mit AstraZeneca oder Johnson & Johnson.

    Ein Warnsignal wäre, wenn die Zahl der beobachteten Toten höher ist, als die der altersgleichen erwarteten Toten in der Normalbevölkerung. Ein Vergleich der gemeldeten Todesfälle mit denen im gleichen Zeitraum statistisch erwartbaren Todesfällen ergab aber für keinen der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe dieses Warnsignal.

    „Sind Nebenwirkungen bei so ‚jungen‘ Impfstoffen nicht unkalkulierbar?“

    Wie bei jeder Impfung kann es zu leichten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Fieber oder Abgeschlagenheit kommen. Diese sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem den Schutz gegen die Krankheit aufbaut. Es sind verschiedene schwere Nebenwirkungen aufgetreten: Generalisierte allergische Reaktionen, Hirnvenenthrombosen und Herzmuskelentzündungen. Diese Nebenwirkungen sind sehr selten. Die allergischen Reaktionen und die Herzmuskelentzündungen können gut medizinisch behandelt werden. Die sehr seltenen Fälle von Hirnvenenthrombosen sind eine sehr schwere Komplikation und haben teilweise zum Tod oder bleibender neurologischer Beeinträchtigung geführt. Hirnvenenthrombosen wurden vor allem mit den Vektorimpfstoffen von Johnson & Johnson sowie mit Astra Zeneca in Verbindung gebracht.

    In Deutschland wird jeder Verdachtsfall auf Impfkomplikationen ins Melderegister des Paul-Ehrlich-Instituts aufgenommen. Forscher versuchen, mögliche Risikosignale von Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. So ist sichergestellt, dass jeder zugelassene Impfstoff einer ständigen Sicherheitskontrolle unterliegt. Nur dadurch sind Nebenwirkungen und Risiken kalkulierbar.

    „Stimmt es, dass man nicht mehr geimpft werden muss, wenn man schon mal Corona hatte?“

    Das stimmt so nicht. Auch Menschen, die bereits an COVID-19 erkrankt sind, können von einer Impfung profitieren. Aufgrund der schwerwiegenden Gesundheitsrisiken, die mit COVID-19 verbunden sind und auch weil eine erneute Ansteckung mit COVID-19 möglich sein kann, ist es ratsam, sich gegen COVID-19 impfen beziehungsweise „boostern“ zu lassen. Auch wenn man bereits Corona hatte. Das gilt besonders für Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf.

    Noch unsicher, was eine Impfung angeht?

    Trotz Fakten, sind einige Menschen noch zögerlich, was eine Corona-Schutzimpfung angeht. Weitere Informationen können da ausschlaggebend sein.

    Valide Gesundheitsinformationen helfen dabei, Unsicherheiten und Ängste abzubauen. Erfahren Sie hier, wie die verfügbaren Corona-Impfstoffe funktionieren, welche Nebenwirkungen es geben kann und wie wirksam sie sind.


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