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Wie genau funktioniert die Verdauung?

Ein junges Mädchen füttert ihren Vater.

© iStock / Vasyl Dolmatov

Lesezeit: 4 Minuten05.01.2022

Wir essen, unser Verdauungssystem regelt den Rest. Über die Verdauung werden dem Körper Nährstoffe zugeführt. Dabei legt die Nahrung einen weiten Weg zurück, ehe der Körper die verwertbaren Bestandteile herausgefiltert hat und die übrigen ausscheidet.

Inhalte im Überblick

    Die Verdauung: Das steckt dahinter

    Unsere Nahrung besteht aus komplexen Nährstoffen – Eiweißen, Kohlehydraten und Fetten. Diese kann unser Körper in ihrer ursprünglichen Form nicht aufnehmen, weshalb das Verdauungssystem sie schrittweise in ihre Bestandteile zerlegt. Verschiedene Enzyme spalten Eiweiße in einzelne Aminosäuren, Kohlenhydrate als Mehrfachzucker in Einfachzucker und Fette in Fettsäuren. Diese kann der Darm aufnehmen und dem Körper dann als Baustein und Energiequelle zur Verfügung stellen. 

    Der Verdauungsprozess umfasst insgesamt die Zerkleinerung, die enzymatische Spaltung und die Aufnahme der Nahrungsbestandteile ins Blut. Eine wichtige Rolle spielen dabei Mund, Speiseröhre, Magen, Darm, Leber, Gallenblase und die Bauchspeicheldrüse. Im gesamten Magen-Darm-Trakt befindet sich ein spezielles Nervensystem, das die Produktion der Verdauungssäfte sowie die Organbewegungen steuert. Was tun die einzelnen Organe?

    Die Bedeutung von Mund und Speiseröhre für die Verdauung

    Wir nehmen die Nahrung über den Mund auf und zerkleinern sie mit den Zähnen, womit die mechanische Verdauung beginnt. Das Kauen regt auch Speicheldrüsen in der Mundhöhle an. Sie geben den Speichel ab, der bereits die Verdauungsenzyme Lipase und Amylase enthält und somit die chemische Verdauung von Stärke und Fett in Gang setzt.

    Außerdem verändert Speichel die Konsistenz der Speisen, damit sie leichter durch die Speiseröhre in den Magen gleiten. Das Kauen und der Geschmack, den wir wahrnehmen, lösen dabei den nächsten Schritt aus: Die Magendrüsen geben Magensaft ab, und der Magen bereitet alles auf die Ankunft der Nahrung vor.

    Selbstversuch

    Die Spaltung der Stärke beginnt bereits im Mund, darum schmeckt Brot auch zunehmend süß, je länger wir es im Mund behalten.

    Die Stärke als großer Mehrfachzucker wird in kleinere Zuckermoleküle getrennt, deren Süße wir wahrnehmen können. Probieren Sie es doch einmal selbst oder mit Ihren Kindern aus.

    Im Magen startet die Eiweißverdauung

    Die nächste Station auf dem Weg der Nahrung ist der Magen. Hier werden die Speisen weiter zerkleinert, mit Verdauungssäften durchmengt und nach und nach an den Dünndarm weitergegeben. Der Magen dient im Verdauungssystem somit auch als eine Art Zwischenlager.

    Eine wichtige Rolle spielt der Magensaft, auch Magensäure genannt, der aus Schleim, Salzsäure und dem Enzym Pepsin besteht. Die Salzsäure hat zwei wichtige Aufgaben: Zum einen tötet sie Mikroorganismen wie Bakterien ab, zum anderen zerstört sie die Struktur von Eiweißen und trägt auf diese Weise zur Verdauung bei. Vereinfacht gesagt, öffnet sie Proteine, damit das Enzym Pepsin sie weiter abbauen kann.

    Übersicht der Verdauungsprozesse
    Der Weg der Nahrung durch unseren Körper – so funktioniert die Verdauung.

    © AOK

    Der Verdauungsvorgang im Dünndarm

    Vom Magen geht es für den Nahrungsbrei weiter in den Darm. Im ersten Darmabschnitt, dem Dünndarm, zerlegen verschiedene Enzyme die Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette weiter in ihre Einzelteile. Unterstützt werden sie dabei von der Galle und dem Sekret aus der Bauchspeicheldrüse. Im Dünndarm nimmt der Körper das meiste auf: die wichtigen Nährstoffe sowie Vitamine und Mineralstoffe. Sie gelangen über die Wand des Dünndarms ins Blut und von dort aus überall dorthin, wo sie gebraucht werden.

    Während der Verdauung gibt der Dünndarm verschiedene Hormone ab, die unter anderem die Produktion der Galle und des Bauchspeicheldrüsensekrets fördern – und ab einer bestimmten Menge im Gehirn zu einem Sättigungsgefühl führen und unseren Appetit kontrollieren.

    Verdauung der Nahrung im Dickdarm

    Aus dem Dünndarm wird der Nahrungsbrei in den Dickdarm transportiert und dort eingedickt. Die meisten Inhaltsstoffe sind bereits über den Dünndarm aufgenommen worden. Im Dickdarm wird den Nahrungsresten aber Wasser entzogen. Auch Salze und Elektrolyte resorbiert dieser Darmabschnitt.

    Im Dickdarm leben etwa 400 verschiedene Keime, darunter Bakterien und Pilze, die für eine gesunde Darmflora sehr wichtig sind. Sie bauen die nicht verdaulichen Ballaststoffe zu kurzkettigen Fettsäuren ab. In ganz geringem Maße können sie auch Vitamine, zum Beispiel B- oder auch K-Vitamine, produzieren – ausreichend sind die für den menschlichen Körper jedoch nicht und müssen daher über die Nahrung zugeführt werden. Was dann noch von unserer Nahrung übrig bleibt, sind unverdauliche Reste, die wir mit dem Stuhlgang ausscheiden.

    Die Bedeutung von Leber und Gallenblase für die Verdauung

    Die Leber ist indirekt am Verdauungsvorgang beteiligt, weil sie die Galle produziert. Aufbewahrt wird die Galle in der Gallenblase – und von dort bei Bedarf an den Darm abgegeben. Die Gallensäuren in der Galle sind für die Verdauung der Fette essenziell – sie zerlegen große Fettkügelchen in kleinere, an denen die fettspaltenden Enzyme besser ansetzen können. Auch unterstützen sie bei der Aufnahme der gespalteten Fette.

    Die Bauchspeicheldrüse: unverzichtbar für die Verdauung

    Die Bauchspeicheldrüse übernimmt im Rahmen der Verdauungsprozesse gleich mehrere Aufgaben. Unter anderem stellt sie ein Sekret her, das den sauren Magensaft für die weitere Verdauung neutralisiert – er würde sonst die Darmschleimhaut angreifen. Außerdem produziert sie verschiedene Verdauungsenzyme, wie zum Beispiel die Amylase und Lipase für die Kohlenhydrat- und Fettverdauung.

    Wie lange dauert die Verdauung?

    Beim Thema Ernährung und Verdauung muss man berücksichtigen, dass die einzelnen Nahrungsbestandteile unterschiedlich lange im Magen verweilen:

    • Flüssigkeiten laufen recht schnell durch.
    • Kohlenhydrate werden ebenfalls rasch verarbeitet, gefolgt von Proteinen.
    • Fettes Essen verweilt am längsten.

    Normalerweise dauert es bis zu vier Stunden, bis der Speisebrei den Magen passiert hat, bei einer Extraportion Fett sogar noch länger. Bis die Verdauung vollständig abgeschlossen ist und die unverwertbaren Reste über den Stuhlgang entsorgt werden, können problemlos bis zu 100 Stunden vergehen.

    Wie kann man die Verdauung fördern?

    Sie leiden manchmal unter Verdauungsproblemen wie Verstopfungen? Diese drei Maßnahmen helfen bei einer „schlechten Verdauung“:

    1. Ausreichend Ballaststoffe aufnehmen
    2. Genügend Wasser trinken
    3. Bewegung

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