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Das entbehrliche Organ: Alles rund um unsere Galle

Eine Frau hält sich ihren Bauch, weil sie Gallenschmerzen hat.

© AOK

Lesezeit: 2 MinutenAktualisiert: 21.04.2021

Gallenflüssigkeit ist ein zentraler Baustein des Verdauungssystems. Wenn das Sekret kristallisiert und sich Steine bilden, kann es zu heftigen Beschwerden kommen. Modernste Operationsmethoden können helfen.

Inhalte im Überblick

    Welche Funktion erfüllt die Gallenblase eigentlich?

    Wenn von der „Galle“ die Rede ist, ist meist das Organ Gallenblase gemeint, in dem die für die Verdauung wertvolle Gallenflüssigkeit gespeichert wird. Dieser Saft wird von der Leber produziert: Täglich stellen Leberzellen einen halben bis ganzen Liter der gelbbraunen Flüssigkeit her. Die Gallenblase ist ein kleines Organ im rechten Bauchraum, das mit der Leber und dem Darm über die Gallengänge verbunden ist. Sie speichert die Gallenflüssigkeit und gibt sie dann an den Darm ab, wenn fettreiches Essen verdaut werden muss.

    Wie wichtig ist die Galle?

    Benötigt der Körper Galle zu einer Mahlzeit, wird die in der Gallenblase gespeichert. Aber die Gallenblase fasst nur etwa 80 Milliliter. Immer dann, wenn sie gefüllt ist, läuft die Gallenflüssigkeit kontinuierlich in den Zwölffingerdarm. Deshalb kann ein Mensch auch relativ problemlos ohne seine Gallenblase überleben: Die Produktion des Verdauungssafts läuft in der Leber weiterhin unverändert ab, nur seine Speicherung ist nicht mehr möglich. Der Verdauung steht zwar weniger Gallensaft zur Verfügung, doch bei ausgewogener Ernährung ohne übermäßigen Fettanteil reicht die in der Leber produzierte Gallenflüssigkeit.

    Wie entstehen Gallensteine?

    Etwa jeder fünfte Deutsche hat Gallensteine. Sie entstehen, wenn sich die Gallenflüssigkeit verändert, sich die Bestandteile – Gallensalze und Cholesterin – mit der Zeit zusammenfügen und vergrößern: von wenige Millimeter kleinen Steinchen bis hin zu mehreren Zentimeter großen Gallensteinen. Mal sehen sie aus wie Flusskiesel, mal wie Karamell-Bonbons. „Starkes Übergewicht, wenig Bewegung und eine zu cholesterinhaltige, ballaststoffarme Ernährung mit zu vielen gesättigten Fettsäuren, etwa in Fastfood, begünstigen die Bildung von Gallensteinen“, sagt Professor Matthias Seelig, Chefarzt an den Kliniken Frankfurt-Main-Taunus. Das muss nicht besorgniserregend sein, nur 20 bis 30 Prozent der „Steineträger“ spüren sie irgendwann. 

    „Zu wenig Bewegung und eine falsche Ernährung begünstigen Gallensteine.“

    Prof. Dr. Matthias Seelig
    Chirurg und Chefarzt an den Kliniken Frankfurt-Main-Taunus

    Wie bemerkt man Gallensteine und wie verläuft eine OP?

    Steine in der Gallenblase, die sich nicht bemerkbar machen, benötigen auch keine Therapie. Bei heftigen Beschwerden, wie zum Beispiel starken, krampfartigen Schmerzen im Oberbauch, bleibt jedoch nur die Entfernung der Gallenblase. Der Grund: Wenn ein Stein im Gallengang festsitzt, kann die Blockade Entzündungen der Gallenblase und der Bauchspeicheldrüse hervorrufen.

    Typische Beschwerden

    Schmerzen im Oberbauch, die manchmal auch in die rechte Schulter ausstrahlen, sind oft erste Anzeichen für Gallensteine. Symptome für eine Entzündung: Übelkeit oder Fieber.

    Wurden früher Gallensteine – und auch Nierensteine – mit Stoßwellen über Ultraschall oder Röntgen zertrümmert, so ist man davon wieder abgekommen. Die Steine würden sich immer wieder bilden. Daher wird mittlerweile auch meistens die Gallenblase bei solchen Diagnosen operativ entfernt. Insgesamt werden in Deutschland jährlich rund 200.000 Gallenblasen-OPs durchgeführt – und das mit modernen, faszinierenden Methoden, wie Professor Matthias Seelig erklärt.

    „Vor etwa 30 Jahren erlebten wir eine Revolution, als wir von der ‚offenen‘ zur minimalinvasiven Technik gewechselt haben.“ Die moderne Chirurgie verzichtet auf große operative Zugänge. Die Operation erfolgt mit Spezialinstrumenten über ein paar kleine Hautschnitte. Das bedeutet für Patienten weniger Schmerzen und eine schnellere Genesung als beim einst herkömmlichen, offenen Verfahren mit großem Schnitt. Patienten können nach einer Gallenblasenoperation oft bereits am Folgetag wieder entlassen werden.

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    Welche Lebensmittel sind schlecht für die Galle?

    Extrem fettreiche Ernährung mit viel Fleisch, der häufige Verzehr von industriell verarbeiteten Lebensmitteln, Fastfood und frittierten Speisen trägt dazu bei, dass sich Steine schneller bilden.

    • Eine ausgewogene „mediterrane Ernährung“ – mit einem hohen Anteil an Obst, Gemüse und Kräutern, fettreichem Fisch, Nüssen und Olivenöl sowie wenig Fleisch – mindert die Wahrscheinlichkeit, Gallensteine zu bilden.
    • Übergewicht, Adipositas und starke Gewichtsschwankungen gehören ebenfalls zu den Risikofaktoren für Gallensteine.

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