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Der Darminfarkt: oft unerkannt, jedoch fatal

Ein älterer Herr fasst an seinen schmerzenden Unterbauch.

© iStock / PIKSEL

Lesezeit: 3 MinutenAktualisiert: 21.04.2021

Herzinfarkt oder Schlaganfall – damit können die meisten Menschen etwas anfangen. Dass jedoch auch der Darm einen Infarkt erleiden kann, wissen die wenigsten. Woran man ihn erkennt und warum nur eine schnelle Diagnose Leben rettet.

Inhalte im Überblick

    Darminfarkt: Anzeichen oft schwer erkennbar

    Der Schmerz kommt schnell, messerstichartig, unerwartet. Jährlich suchen tausende Deutsche wegen starker Bauchbeschwerden Arztpraxen und klinische Notaufnahmen auf. Plötzlich einsetzende und krampfartige Schmerzen im Unterleib können verschiedene Ursachen haben.

    Selbst Notärzte denken im ersten Moment oftmals an eine Blinddarmentzündung, eine Gallenkolik oder eine entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn – denn die Anzeichen für den Infarkt im Darm sind schwer zu erkennen. Doch mit jeder Minute, die ohne die richtige Behandlung verstreicht, steigt die Lebensgefahr.

    Die Ursachen eines Darminfarkts

    „Bei dem sogenannten Mesenterialinfarkt handelt es sich um eine Durchblutungsstörung des Darms“, erklärt der Experte für Chirurgie, Professor Tobias Keck. Wie bei einem Herz- oder Hirninfarkt ist auch hier – meist im Dünndarm – ein wichtiges Blutgefäß blockiert. Besonders gefährdet sind Menschen mit Vorhofflimmern.

    Bei ihnen können sich im Herzen Pfropfen bilden, die sich lösen und in den Darmgefäßen hängen bleiben. Es kommt zur gefürchteten Embolie. Die zweite Risikogruppe sind Patienten mit Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Bei ihnen ist eine Engstelle im Blutgefäß die Ursache der Durchblutungsstörung. 

    Der Darminfarkt trifft meist Menschen über 65 Jahre. Die Krankheit ist zwar mit zehn Fällen jährlich auf 100.000 Deutsche selten, dafür aber sehr gefährlich. „Beim Herzinfarkt wie auch beim Schlaganfall können wir heute viele Patienten retten oder vor bleibenden Schäden bewahren. Am Mesenterialinfarkt dagegen versterben bis zu 70 Prozent der Betroffenen“, sagt Professor Keck.

    An dieser schlechten Quote hat sich laut des Mediziners in den letzten 40 Jahren nichts geändert. „Dabei könnten die meisten Patienten überleben, wenn die Diagnose frühzeitig gestellt würde.“

    Ein älterer Herr fasst an seinen schmerzenden Unterbauch.

    © iStock / PIKSEL

    Darminfarkt: So sehen die Symptome aus

    Aber warum verstreichen oftmals wertvolle Stunden bis zum richtigen Befund? „Das liegt daran, dass die Symptome des Darminfarkts sehr unklar verlaufen“, sagt Professor Keck. „Es beginnt mit leichten Bauchschmerzen, die sich schnell zu einem sogenannten Vernichtungsschmerz steigern. Das sind ähnlich starke Schmerzen wie bei einem Herzinfarkt.“ Hinzu kommen oft:

    • Erbrechen
    • Blähungen
    • Durchfall
    • Blut im Stuhl

    Besonders irreführend: Ausgerechnet in dieser bereits lebensgefährlichen Phase flachen die Schmerzen nach etwa sechs Stunden wieder ab. 

    Es folgt das zweite Stadium, das sogenannte „stumme Intervall“ oder der „faule Friede“. Eine trügerische Erholung, die etwa zwei Stunden andauert. „Aber nicht weil sich die Ursache gebessert hat, sondern weil die zuständigen Schmerzrezeptoren im Darm mittlerweile so stark geschädigt sind, dass sie keine Schmerzsignale mehr senden können. Sobald die kolikartigen – krampfartige, wellenförmige – Schmerzen wieder abklingen, wird die Krankheit selbst in der Notaufnahme oft fehlinterpretiert“, so Keck. 

    Zu späte Diagnose verursacht Blutvergiftung

    Im dritten, besonders verhängnisvollen Stadium der Krankheit dringen Darmbakterien und Giftstoffe durch die beschädigte Darmwand in die Bauchhöhle ein – und können eine Bauchfellentzündung auslösen. Da diese Phase des Darminfarktes nicht „nur“ mit heftigen Bauchschmerzen einhergeht, sondern oft auch mit anderen, sehr unangenehmen Symptomen wie Fieber oder massiven Kreislaufproblemen, suchen viele Patienten spätestens jetzt ärztliche Hilfe auf.

    Für die Betroffenen ist es in diesem Moment aber leider oft schon zu spät. Der Infarkt hat eine gefährliche Blutvergiftung (Sepsis) zur Folge, die oft tödlich verläuft.

    Infarkt im Darm ist ein Wettlauf gegen die Zeit

    „Bereits sechs Stunden nach Auftreten eines ausgedehnten Darminfarkts überleben nur noch die Hälfte der Betroffenen, nach zwölf Stunden sind sie in der Regel nicht mehr zu retten“, sagt Professor Keck.  „Wer heftige und krampfartige Bauchschmerzen, mitunter auch mit blutigen Durchfällen, hat, sollte deshalb auch immer an einen Darminfarkt denken und so rasch wie möglich die nächstgelegene Klinik aufsuchen.

    Denn hier können die Ärzte die Durchblutungsstörung des Darms schnell und zuverlässig mithilfe einer kontrastmittelunterstützten Computertomografie (CT) diagnostizieren. Die Aufnahmen zeigen nicht nur Lage und Ausdehnung des akuten Infarkts, sondern häufig ist auch der Auslöser zu erkennen – also, ob es sich bei der Durchblutungsstörung um eine Embolie oder um eine Engstelle im Gefäß handelt. 

    „Die meisten Patienten könnten überleben, wenn die Diagnose frühzeitig gestellt würde.“

    Professor Tobias Keck
    Experte für Chirurgie

    Darminfarkt: Diese Operationen kommen in Frage

    In beiden Fällen ist dringend eine schnelle Operation notwendig, um die Durchblutung im Darm wiederherzustellen. Ein Blutpfropfen lässt sich mit einem eingeführten Ballonkatheter entfernen oder durch das Einspritzen von Medikamenten auflösen. Wenn eine Engstelle im Blutgefäß die Ursache für den Darminfarkt ist, können die Chirurgen einen Stent im Bereich des Verschlusses platzieren. 

    Sind bereits Teile des Darms wegen des Sauerstoffmangels abgestorben, müssen diese chirurgisch entfernt werden. Je nach Ausmaß der Schädigung verbindet der Chirurg die verbliebenen intakten Darmabschnitte miteinander oder legt einen künstlichen Darmausgang.

    Wenn kleinere Darmabschnitte betroffen sind, kann dieser auch nur vorübergehend erforderlich sein. Nach einem erfolgreichen Eingriff kann die Einnahme blutverdünnender Medikamente sinnvoll sein, um der Bildung neuer Gerinnsel und Durchblutungsstörungen vorzubeugen.

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