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Magengeschwür: Wenn aus einer Entzündung ein Geschwür wird

Eine Frau hat Magenschmerzen beim Essen und hält sich die Hand vor den Bauch.

© iStock / Doucefleur

Lesezeit: 8 MinutenAktualisiert: 18.10.2021

Schmerzmittel können die Schleimhaut in unserem Magen schädigen. Ist sie defekt, dann ist die Magenwand nicht mehr vor der reizenden Wirkung der Magensäure geschützt. Bei einer länger anhaltenden Magenschleimhautentzündung besteht das Risiko, dass sich ein Magengeschwür bildet. Unbehandelt kann das gefährlich werden.

Inhalte im Überblick

    Prof. Dr. Alexander Arlt, Klinikdirektor der Universitätsklinik für Innere Medizin in Oldenburg

    © Lukas Lehmann

    Prof. Dr. Alexander Arlt ist Klinikdirektor der Universitätsklinik für Innere Medizin in Oldenburg.

    Er behandelt tagtäglich Patienten mit Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, der Leber, der Bauchspeicheldrüse oder Infektionskrankheiten und Diabetes mellitus.

    Magenulkus: Was versteht man unter einem Magengeschwür?

    Das, was der Volksmund unter einem Magengeschwür versteht, ist letztendlich eine entzündliche Veränderung der Magenschleimhaut. Diese beginnt meist oberflächlich als sogenannte Magenschleimhautentzündung (Gastritis). Wenn eine solche Magenschleimhautentzündung längerfristig bestehen bleibt, dann werden die einzelnen Schichten der Magenschleimhaut so stark angegriffen, dass ein Geschwür entsteht. Wir nennen diese tiefe Wunde der Schleimhaut in der Fachsprache „Ulkus“. Häufig findet eine Vermischung der Stadien, von der oberflächlichen Entzündung bis hin zum eigentlichen Geschwür, statt.

    Was sind Faktoren, die die Magenschleimhaut so stark angreifen, dass ein Magengeschwür entstehen kann?

    Da die Magenschleimhautentzündung in ein Ulkus übergehen kann, wird das Schema zur Einteilung für die Ursachen der eigentlichen Entzündung auch beim Magenulkus angewendet. Man unterscheidet im Grunde drei Ursachen:

    • Typ A: Autoimmune Ursachen – hierbei entsteht die Entzündung durch fehlgeleitete Abwehrzellen des Immunsystems, die sich gegen die Magensaft-produzierenden Zellen richten.
    • Typ B: Ein Bakterium als Ursache – Das Magenbakterium Helicobacter pylori kann sich in der Schleimhaut einnisten und dort eine Entzündung und Geschwüre verursachen.
    • Typ C: Chemisch-toxische Ursachen – hier wirken schädigende Substanzen (Noxen) negativ auf die Magenschleimhaut, die das Organ vor der eigenen Magensäure schützt. Ist der Schutz weg, kann die Magensäure das Gewebe angreifen. Medikamente, Stress oder auch Alkohol können die Ursache sein.

    Was ist die häufigste Ursache für ein Magengeschwür?

    Das steht tatsächlich in der Diskussion. In Medizinlehrbüchern wird eigentlich immer das Magenbakterium Helicobacter pylori an erster Stelle genannt, die autoimmune Form ist die seltenste. In der Realität und Praxis sehen wir aber deutlich häufiger Patienten mit einer Typ-C-Gastritis, also durch Medikamente ausgelöste Geschwüre.

    Wie viele Menschen tragen das Magenbakterium Helicobacter pylori in sich und ist das gefährlich?

    Da gibt es große Unterschiede, je nachdem wo man lebt. Das Bakterium wird meist in der Kindheit übertragen. Je enger wir zusammenleben, desto wahrscheinlicher ist die Übertragung. Auch die Lebensmittelhygiene spielt eine große Rolle. In asiatischen Ländern zum Beispiel geht man davon aus, dass 80 Prozent der Bevölkerung Träger sind. So ähnlich ist es in Südosteuropa.

    Je weiter man nach Norden und Westen in Europa schaut, sinkt die Häufigkeit. In Deutschland zum Beispiel wird von einem Anteil der Bevölkerung mit dem Magenbakterium von 30 Prozent gesprochen.

    Bei der Frage, ob man jede Besiedelung mit dem Bakterium Helicobacter pylori behandeln muss, ist die klare Antwort: Nein. Auch wenn das Bakterium ein Risikofaktor für Magenschleimhautentzündung, -geschwür und auch -krebs ist, so ist der reine Nachweis des Bakteriums kein Grund für eine Behandlung. Er wird im Regelfall nur behandelt, wenn auch Beschwerden vorliegen.

    Inwiefern nimmt die Psyche Einfluss auf die Entstehung eines Magengeschwürs?

    Das ist sehr schwierig zu sagen, da es dafür keine gute Datenlage gibt. Wir wissen, dass Stress auch Einfluss auf unser Hormonsystem nimmt. Da der Magen auch von dem vegetativen, also dem unwillkürlichen Nervensystem gesteuert wird, wirken auch Gefühle und Stress auf ihn.

    Jeder kennt es vermutlich aus stressigen Situationen, wie vor einer Prüfung, dass das auf den Magen schlagen kann. Da kann man sich als Betroffener und auch als Arzt schon gut vorstellen, dass Stress bei der Entstehung eines Magengeschwürs eine Rolle spielt.

    Nun ist aber das Problem, dass Menschen mit viel Stress auch häufig „Stressbewältigung“ betreiben. Womöglich konsumieren sie Zigaretten, Alkohol oder große Mengen Kaffee, um ihren Stress zu reduzieren. Das kann der Magenschleimhaut schaden. Stress beeinflusst unser Leben auf vielen Ebenen und da bleibt die Frage offen, ob Stress direkt der auslösende Faktor ist oder ob der Stress dazu führt, dass wir ein ungesundes Leben führen.

    Welche Medikamente können zu einem Magengeschwür führen?

    Ganz klassische Medikamente, die die Schleimhaut im Magen schädigen, sind die Medikamentengruppe der nicht steroidalen Antiphlogistika (NSAR). Dazu gehören die bekannten Schmerzmittel Diclofenac und Ibuprofen. Diese Schmerzmittel sind bei einer regelmäßigen Einnahme Risikofaktoren für die Entstehung eines Magengeschwürs, da sie die Produktion des schützenden Schleims im Magen herunterfahren. Auch eine dauerhafte Einnahme von Aspirin stellt ein Risiko dar.

    Wenn man aufgrund von Gelenkproblemen oder nach einer Operation Ibuprofen verschrieben bekommt, sollte man – sofern ein Risiko für ein Magengeschwür besteht – die Einnahme mit einem Magenschutz kombinieren. Das sind sogenannte Säureblocker (Protonenpumpenhemmer), die die Magensäureproduktion herunterfahren und die Schleimhaut somit schonen. Bekannte Wirkstoffe sind Omeprazol und Pantoprazol.

    „Die regelmäßige Einnahme von Schmerzmittel wie Diclofenac und Ibuprofen sowie Aspirin kann zu der Entstehung eines Magengeschwürs führen.“

    Prof. Dr. Alexander Arlt
    Klinikdirektor der Universitätsklinik für Innere Medizin in Oldenburg

    Was sind Anzeichen eines Magengeschwürs?

    Das klassische Symptom ist der Magenschmerz. Der meist stechende Schmerz sitzt klassisch unterhalb des Brustbeins und des linken Brustkorbs, wo der Magen sitzt. Es gibt ansonsten leider keine klaren Warnsymptome, die das Geschwür oder auch Magenkrebs ankündigen.

    Magenschmerzen können jedoch auch Ausdruck von vielem sein, vor allem Kinder reagieren häufig aus vielfältigen Gründen mit Magenschmerzen. Wenn die Schmerzen aber längerfristig und häufiger bestehen, sollte der Betroffene zum Arzt gehen, um die Ursache abzuklären. Der erste Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Die eigentliche Diagnose stellt dann aber ein Internist (Facharzt für Innere Medizin).

    Mögliche Anzeichen eines Magengeschwürs

    Typische Beschwerden eines Magengeschwürs sind Schmerzen im Oberbauch, Völlegefühl oder Übelkeit im Zusammenhang mit Essen.

    Bei manchen Patienten machen sich Geschwüre erst bemerkbar, wenn es zu Komplikationen kommt. Die häufigste Komplikation ist eine Blutung.

    Symptome einer Blutung können sein:

    • schwarz gefärbter Stuhl
    • erbrochenes Blut (rot oder schwarz gefärbtes Erbrochenes)
    • Anzeichen einer Blutarmut wie Abgeschlagenheit, Luftnot bei körperlichen Anstrengungen oder Blässe

    Wenn solche Symptome auftreten, sollten diese rasch ärztlich abgeklärt werden.

    Wie wird die Diagnose Magengeschwür gestellt?

    Der Arzt wird zunächst erst mal die wichtigsten Hintergrundinformationen zum Patienten sammeln und ihn nach seinem aktuellen Gesundheitszustand, den Beschwerden und auch der Lebenssituation befragen. Das wichtigste diagnostische Mittel für die Diagnose eines Magengeschwürs ist dann eine Magenspiegelung. Ein Geschwür kann man leicht an den Veränderungen der Schleimhaut erkennen.

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    Wenn man ein Ulkus bei der Magenspiegelung findet, was passiert dann?

    Während der Magenspiegelung nimmt der Arzt eine Biopsiezange, um eine kleine Gewebeprobe zu nehmen. Daran kann die Ursache bestimmt werden. Was aber vor allem wichtig ist: Jedes Geschwür kann bis zum Beweis des Gegenteils auch Krebs sein. Denn das Magengeschwür als solches kann möglicherweise auch Ausdruck eines Magenkrebses sein oder einer anderen bösartigen Erkrankung. Das ist glücklicherweise sehr selten, aber jedes Geschwür muss deshalb genau untersucht und abgeklärt werden.

    Wenn es keinen eindeutigen Befund gibt und es keine eindeutige Zuordnung zum Typ-ABC-Schema gibt, sollte nach vier Wochen noch mal eine Magenspiegelung gemacht werden, um zu überprüfen, ob das Geschwür verheilt ist.

    Wenn es aber einen eindeutigen Befund gibt, zum Beispiel die Typ-A-Gastritis als Ursache gefunden wurde, dann reicht in der Regel eine Therapie des Geschwürs. Es erfolgt dann nicht zwingend eine Verlaufskontrolle.

    Es gibt auch Gründe, warum keine Gewebeprobe genommen werden kann. Das kann zum Beispiel sein, wenn der Patient einen Blutverdünner nimmt oder eine Notfallsituation vorliegt und das Ulkus blutet. Dann schaut man nach vier Wochen auch noch mal mittels Magenspiegelung, ob das Geschwür unter Therapie abgeheilt ist.

    „Das wichtigste diagnostische Mittel für die Diagnose eines Magengeschwürs ist dann eine Magenspiegelung.“

    Prof. Dr. Alexander Arlt
    Klinikdirektor der Universitätsklinik für Innere Medizin in Oldenburg

    Wie wird ein Magengeschwür behandelt?

    Das hängt von der Ursache ab. Mit Blick auf die beiden häufigsten Formen ist der Säureblocker das Mittel der Wahl:

    • Wenn chemisch-toxische Faktoren wie Medikamente oder Alkohol ein Magengeschwür verursacht haben, kann man schauen, ob die schädigenden Auslöser vermieden werden können. Das ist in der Regel aber nicht der Fall, da die beeinträchtigenden Medikamente aus einem triftigen Grund, wie zum Beispiel Aspirin bei einer Herzerkrankung, verschrieben worden sind. Dann kann man das Aspirin nicht einfach absetzen und das Geschwür wird mit einer Säureblocker-Therapie behandelt. Meistens erfolgt die Therapie über zwei bis vier Wochen. Manchmal wird die Medikamenteneinnahme auch weiterempfohlen, wenn zum Beispiel die Gefahr besteht, dass das Geschwür bluten könnte. Hier gilt es, das Risiko einer Dauereinnahme genau abzuwägen.
    • Wenn das genannte Bakterium der Auslöser ist, dann ist die Therapie eine sogenannte Eradikationstherapie. Das ist eine wirksame Kombination aus Antibiotika und Säureblocker über einen Zeitraum von mindestens sieben Tagen. Danach ist das Bakterium und somit der Auslöser des Geschwürs weg.

    Ist das Magengeschwür nach der Behandlung vollständig verschwunden?

    So ein Geschwür spricht meistens sehr gut auf die Behandlung mit Säureblocker an und beginnt schon nach wenigen Tagen abzuheilen. Die Faustregel lautet, dass ein Ulkus nach spätestens vier Wochen abgeheilt sein sollte. Wenn das nicht der Fall ist, muss der Verlauf weiter kontrolliert oder eine Probe genommen werden. Ein nicht abheilendes Geschwür ist hochgradig verdächtig für einen Krebs.

    Wie gefährlich ist ein Magengeschwür, wenn es nicht behandelt wird?

    Das Magengeschwür als solches ist nicht gefährlich. Aber man muss sich vorstellen, dass in den tieferen Schichten der Magenschleimhaut viele Blutgefäße liegen. Das Geschwür betrifft per Definition auch die Schichten mit den Blutgefäßen, weshalb die Gefahr einer Blutung besteht.

    Wenn ein Geschwür sehr groß wird, kann es auch zu einem Loch in der Magenwand kommen (Perforation). Das bekommt man aber in jedem Fall mit. Es macht sich zum Beispiel durch einen brettharten Bauch und sehr starke Schmerzen bemerkbar. Ein perforiertes Magengeschwür ist eine Notfallsituation und braucht eine sofortige Behandlung.

    Ein Mann gießt sich Kaffee am Frühstückstisch ein.
    Auf Kaffee müssen Sie nicht verzichten, wenn Sie ein Magengeschwür haben. Ein moderater Konsum ist völlig in Ordnung, nur zu viel sollte es nicht sein.

    © iStock / shapecharge

    Wie kann man einem Magengeschwür vorbeugen?

    • Hier ist ein wichtiger Punkt die Ernährung. Die Empfehlung ist keine spezielle Diät, sondern eine ausgewogene Ernährung in Form von Mischkost mit wenig Fleisch und viel Obst und Gemüse. Bewegung ist auch wichtig.
    • Alkohol, Rauchen und sehr hoher Kaffeekonsum sind auch Faktoren, die man vermeiden kann, um die Schleimhaut zu schonen. Ein gemäßigter Kaffeekonsum selbst ist vermutlich sogar eher gesundheitsförderlich.
    • (Weitere) Schädigende Substanzen wie Medikamente meiden ist ansonsten die klassische Empfehlung. Schmerzmittel und Aspirin nur bei einem Grund einnehmen.

    Ist eine Selbstmedikation mit Säureblockern ratsam?

    Ja und nein. Es sollte immer einen Grund geben, warum man diese Medikamente einnimmt.

    Die Magensäure hat wichtige Aufgabe im Magen, zum Beispiel die Zersetzung der Nahrung und Abwehr von Erregern und Schadstoffen. Durch die Einnahme der Säureblocker wird die Produktion gehemmt. Doch dadurch können sich Bakterien vermehrt ansiedeln und auch zu Darminfektionen führen.

    Auch stehen die Medikamente im Verdacht, bei einer Dauereinnahme schwerwiegende Erkrankungen wie Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu fördern. Letztendlich ist aber ein klarer Zusammenhang noch nicht erwiesen.

    Ein relevantes Risiko bei der Einnahme dieser Medikamente ist aber ein erhöhtes Osteoporoserisiko bei Frauen nach der Menopause. Hier sollte man die Risiken und Vorteile der Einnahme gemeinsam mit dem behandelnden Arzt abwägen.

    Selbstmedikation ist nur bei Bedarf ratsam, zum Beispiel nach einer Woche mit regelmäßiger Schmerzmitteleinnahme und sehr ungesunder Ernährung. Sollten aber dauerhaft Magenprobleme vorliegen, das heißt über Wochen hinweg, dann sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, um eine schwerwiegende Erkrankung wie Magenkrebs auszuschließen.

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