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Anosmie: gestörter Geruchssinn – Ursachen, Folgen und Behandlung

Veröffentlicht am:23.04.2026

7 Minuten Lesedauer

Der Verlust des Geruchssinns kann die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Seit der Corona-Pandemie stehen Riechstörungen und ihre Behandlung verstärkt im Fokus der Medizin. Was die Störung auslöst und welche Therapieoptionen es gibt.

Eine Frau steht in einer Küche und riecht mit ernster Miene an einer Mandarine.

© iStock / NataBene

Was ist eine Anosmie?

Eine Anosmie bezeichnet eine hochgradige Einschränkung oder einen vollständigen Verlust des Geruchssinns. Betroffene können ihren Riechsinn im Alltag nicht mehr in ausreichendem Maß nutzen, auch wenn sie gelegentlich schwache Gerüche wahrnehmen.

Die Medizin stuft das Riechvermögen wie folgt ein:

  • Hyperosmie: übernormales Riechvermögen
  • Normosmie: normales, voll funktionsfähiges Riechvermögen
  • Hyposmie: vermindertes Riechvermögen
  • Anosmie: vollständiger Verlust des Riechvermögen

Obwohl der Riechsinn einzigartig ist, da sich seine Zellen kontinuierlich regenerieren, ist dieser Prozess bei einer Anosmie gestört. Duftmoleküle erreichen normalerweise die Riechschleimhaut auf zwei Wegen: über die Nase beim Einatmen und über den Rachen beim Ausatmen sowie beim Essen und Trinken während des Schluckens.

Wie häufig kommt es zu einer Anosmie?

Etwa 20 Prozent der Bevölkerung leiden an einer messbaren Riechstörung, davon etwa 15 Prozent an einer Hyposmie und 5 Prozent an einer Anosmie.

Im Zuge der Corona-Pandemie traten Riechstörungen gehäuft auf: Bei etwa der Hälfte der Infizierten mit Riechstörung führte die Erkrankung zu einer meist vorübergehenden Anosmie. Grundsätzlich kann aber jede virale Infektion der oberen Atemwege eine Anosmie auslösen.

Durch das gehäufte Auftreten im Rahmen einer COVID-19-Infektion rückte die Behandlung von Geruchs- und Geschmacksverlust stärker in den klinischen Fokus. Manchmal zeigte sich eine Anosmie bei COVID-19-Infektionen auch ohne weitere typische Symptome wie Fieber, Husten, Atemnot oder Halsschmerzen.

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Was sind die Symptome einer Riechstörung?

Der Verlust des Geruchssinns kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens eintreten. Betroffene nehmen vertraute Gerüche wie das Lieblingsparfüm weniger intensiv oder gar nicht mehr wahr.

Der Geruchssinn trägt auch dazu bei, den Geschmack von Speisen und Getränken wahrzunehmen. Ist das Riechvermögen eingeschränkt, beeinträchtigt das auch den Geschmackssinn. Oft können Betroffene nur noch die Geschmäcker salzig, sauer, süß und bitter normal schmecken. Bestimmte Aromen können sie nicht mehr unterscheiden.

Folgen: Ist eine Riechstörung gefährlich?

Eine Anosmie kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen und birgt konkrete Gefahren:

  • Erhöhtes Risiko für Lebensmittelvergiftungen: Betroffene können verdorbene Lebensmittel nicht am Geruch oder Geschmack erkennen.
  • Gefahr durch Brände oder giftige Chemikalien: Der Riechsinn dient als Warnsystem. Menschen mit Anosmie bemerken möglicherweise nicht, wenn sich Rauch entwickelt, Gas ausströmt oder schädliche Chemikalien vorhanden sind.
  • Allgemeine Verunsicherung im Alltag: Dies kann sich auf Bereiche wie persönliche Hygiene, soziale Interaktionen, Partnerschaft und Sexualität auswirken.
  • Psychische Auswirkungen: Bei etwa einem Drittel der Betroffenen kann der Verlust des Geruchssinns zu sozialer Unsicherheit und depressiver Verstimmung führen.

Tipps für den Alltag mit Anosmie

  • Rauchmelder sind mittlerweile vorgeschrieben. Wenn Sie an Anosmie leiden, sind sie unverzichtbar, um Brandgeruch frühzeitig zu bemerken.
  • Um zu erkennen, ob Lebensmittel noch genießbar sind, notieren Sie sich das Kauf- und das Öffnungsdatum und verwenden Sie die Lebensmittel nur innerhalb des empfohlenen Zeitraums. Achten Sie auch auf Konsistenz und Farbe.
  • Wenn Sie mit Gas kochen oder heizen, sollten Sie besonders vorsichtig sein. Halten Sie die Leitungen instand und installieren Sie gegebenenfalls einen Gasmelder.
  • Um sich sozial sicher zu fühlen, können Sie feste Zeitpläne für Körperhygiene, Waschen und Putzen erstellen. Das gibt Sicherheit und sorgt für Erleichterung in Bezug auf Sauberkeit.

Ursachen: Was kann zum Verlust des Geruchssinns führen?

In der Medizin werden Riechstörungen nach ihrer zugrunde liegenden Ursache unterteilt. Neben der altersbedingten Riechstörung unterscheidet man zwischen erworbenen und angeborenen Formen.

Im Alter nimmt der Riechsinn grundsätzlich ab: Bis zu 75 Prozent der über 80-Jährigen haben ein vermindertes Riechvermögen. Der Grund: Die Regenerationsfähigkeit der Riechschleimhaut lässt nach, Riechsinneszellen sterben ab und das Gehirn interpretiert die Geruchssignale schlechter.

Was sind erworbene Ursachen einer Riechstörung?

Eine Riechstörung kann auftreten nach:

  • einem Infekt der oberen Atemwege wie einer COVID-19-Erkrankung (postinfektiöse Riechstörung),
  • einem Schädel-Hirn-Trauma (posttraumatische Riechstörung),
  • einer sinunasalen Grunderkrankung wie einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung,
  • im Rahmen einer neurologischen oder neurodegenerativen Erkrankung,
  • durch Medikamente und andere toxische Substanzen,
  • nach einer Strahlentherapie oder nach Operationen sowie
  • bei Tumoren im Bereich der Frontobasis (vordere Schädelbasis).

Wenn die Ursache unbekannt ist, spricht man von einer idiopathischen Riechstörung.

Was sind angeborene Ursachen einer Anosmie?

Bei einer angeborenen Riechstörung ist der Geruchssinn von Geburt an nicht vorhanden. Medizinerinnen und Mediziner unterscheiden zwischen einer isolierten und einer syndromalen Anosmie.

Isoliert bedeutet, dass nur der Geruchssinn betroffen ist und sonst keine weiteren Erkrankungen vorliegen. Bei einer syndromalen Anosmie ist die Riechstörung Teil einer genetisch bedingten Erkrankung mit mehreren Symptomen.

Angeborene Riechstörungen werden typischerweise erst zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr diagnostiziert. Oft ist der Riechkolben zu klein (Hypoplasie) oder gar nicht vorhanden (Aplasie).

Verdacht auf Anosmie: Wann sollte man ärztliche Hilfe suchen?

Eine durch Erkältung, Grippe oder Infektionen verursachte Anosmie verschwindet in der Regel innerhalb weniger Tage. Bei einer Corona-Infektion kann es auch zwei bis drei Wochen dauern. Wenn die Erkrankung abgeklungen ist, Betroffene aber immer noch keine Gerüche wahrnehmen, sollten sie einen HNO-Arzt oder eine-Ärztin aufsuchen.

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Diagnose: Wie wird eine Anosmie festgestellt?

In der Regel wird die Diagnose von Hals-Nasen-Ohren-Ärztinnen und -Ärzten gestellt. Sie befragen die betroffene Person, wann sie den Riechverlust erstmals bemerkt hat und ob er plötzlich oder schleichend aufgetreten ist.

Anschließend erfolgt eine HNO-ärztliche Untersuchung inklusive einer Nasenspiegelung. Ein bildgebendes Verfahren wie MRT oder CT kommt nur zum Einsatz, wenn die Diagnose unklar bleibt oder es zwingend erforderlich ist.

Ein zentraler Teil der Diagnose einer Anosmie sind Riechtests. Dabei müssen Patientinnen und Patienten Gerüche identifizieren (Geruchsidentifikationstest) und voneinander unterscheiden (Geruchsdiskriminationstest). Der Riechschwellentest misst, wie schwach ein Geruch sein darf, damit ihn die Person noch wahrnimmt.

Therapie: Wie wird eine Riechstörung behandelt?

Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache der Riechstörung und der jeweiligen Diagnose.

Wie wird eine Anosmie als Begleiterscheinung einer Grunderkrankung therapiert?

Wenn der Geruchsverlust im Zusammenhang mit einer Erkrankung auftritt, verbessert sich der Geruchssinn in der Regel durch die Behandlung der Grunderkrankung. Bei einer Anosmie durch eine Nasennebenhöhlenentzündung sollte zum Beispiel die Nasennebenhöhlenentzündung behandelt werden.

Gibt es medikamentöse Therapieformen bei Riechstörungen?

Bei entzündlich bedingten, also sinunasalen, Riechstörungen kommen lokal wirkende Kortisonpräparate beispielsweise in Form von speziellen Nasensprays zum Einsatz. Diese zielen darauf ab, sowohl die Entzündung zu reduzieren als auch die Riechfunktion zu verbessern.

Wie funktioniert das Riechtraining bei längerfristigem Geruchsverlust?

Bei Riechstörungen anderer Ursache oder bei lang anhaltendem Riechverlust kann ein spezielles Riechtraining zum Einsatz kommen. Dabei riechen die Betroffenen mehrmals täglich und bewusst an verschiedenen Düften.

Ärztinnen und Ärzte empfehlen das Training insbesondere Personen, die über eine zwar eingeschränkte, aber vorhandene Geruchsfunktion verfügen.

Daneben werden weitere Behandlungsansätze für Riechstörungen untersucht, etwa bestimmte Nasentropfen, Vitamine oder andere Wirkstoffe sowie verschiedene Verfahren wie Akupunktur. Für diese Therapien gibt es jedoch bislang keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege.

Ein Mann sitzt auf einem Boden und riecht an einem kleinen Fläschchen.

© iStock / Dobrila Vignjevic

Ein Riechtraining kann Menschen mit einer eingeschränkten, aber vorhandenen Geruchsfunktion helfen.

Wie ist die Prognose bei einer Riechstörung?

Die Prognose einer Riechstörung hängt von verschiedenen Faktoren wie der anfänglichen Riechleistung, der Dauer der Störung, der Ursache und dem Alter der betroffenen Person ab. Bei jüngeren Menschen ist es wahrscheinlicher, dass die Behandlung erfolgreich ist.

Bei Riechstörungen, die infolge einer Corona-Erkrankung auftreten, erholt sich der Geruchssinn bei den meisten Betroffenen. Ein Großteil von ihnen berichtet von einer Besserung innerhalb von zwei bis drei Wochen. Nach sechs Monaten haben etwa 80 bis 85 Prozent eine deutliche Besserung erreicht, nach einem Jahr sind es etwa 95 Prozent.

Ein Teil der Betroffenen leidet jedoch auch langfristig unter dem Geruchsverlust. Erst zukünftige Langzeitstudien werden die genauen Prognosen klären können. Besteht der Riechverlust seit circa 18 Monaten, verbessert sich die Riechleistung nur noch bei etwa 30 Prozent der Betroffenen innerhalb eines Jahres spürbar.

Kann man einer Anosmie vorbeugen?

Aufgrund der vielfältigen Ursachen lässt sich einer Riechstörung nicht immer gezielt vorbeugen. Generell kann ein Schutz vor Erkältungen und anderen Atemwegserkrankungen das Risiko eines Geruchsverlusts verringern.

Fachlich geprüft
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