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Verdauungssystem

Wenn Gallensteine Beschwerden machen

Veröffentlicht am:05.01.2023

8 Minuten Lesedauer

Schätzungen zufolge tragen etwa 5 bis 25 Prozent der Menschen in Deutschland Gallensteine in sich – oft unbemerkt. Doch die Steine können zu Problemen führen. An welchen Symptomen man Gallensteine erkennt.

Frau mit Gallenstein fasst sich schmerzerfüllt den Bauch.

© iStock / Svitlana Hulko

Inhalte im Überblick

    Was sind Gallensteine?

    Die häufigste Erkrankung der Gallenblase sind Gallensteine. Die Gallenblase ist ein birnenförmiges Organ, das auf der rechten Bauchseite unterhalb der Leber liegt. Sie speichert die Gallenflüssigkeit (kurz: Galle), die die Leber produziert. Wenn wir fettreiche Mahlzeiten zu uns nehmen, zieht sich die Gallenblase zusammen und die Galle fließt über den Gallengang in den Dünndarm. Die wichtigste Funktion der Galle ist, dass sie im Dünndarm Fette in Emulsion bringt. Das bedeutet, der Gallensaft löst Nahrungsfette in winzige Tröpfchen auf, so dass sie verdaut und über die Darmwand ins Blut aufgenommen werden können. Dafür sind die Gallensalze in der Galle wichtig.

    Gallensteine sind eine Zusammensetzung von unlöslichen Stoffen wie Cholesterin aus der Galle. Meist entstehen sie in der Gallenblase und verbleiben dort. Sie können aber auch von dort aus in den Gallengang wandern oder direkt dort entstehen. Der Fachbegriff für das Vorhandensein von Gallensteinen lautet Cholelithiasis. Gallensteine, die in der Gallenblase liegen, werden Gallenblasensteine (Cholezystolithiasis) genannt, und Gallengangsteine (Choledocholithiasis), wenn sie sich im Gallengang befinden. Die Fachbegriffe setzen sich aus diesen einzelnen Begriffen zusammen:

    • Chole steht für Galle,
    • Zysto für Blase,
    • Docho steht für Ductus, was Gang bedeutet und
    • Lithiasis steht für Steinleiden.

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    Was sind die Ursachen für Gallensteine?

    Die Gallenflüssigkeit besteht zum größten Teil aus Wasser. Dazu kommen weitere Bestandteile: Gallensalze, Cholesterin, Fette und Farbstoffe. Der wichtigste Gallenfarbstoff ist Bilirubin, das durch den Abbau der roten Blutkörperchen in der Leber entsteht. Das Problem ist, dass einige der Gallenstoffe nicht in Wasser löslich sind. Sie können verklumpen, wenn die Konzentrationen im Ungleichgewicht sind, und so einen Gallenstein bilden. Die meisten Gallensteine bestehen aus Cholesterin. Seltener sind es sogenannte Pigmentsteine, die aus Kalzium und Bilirubin bestehen.

    Wie und warum genau Gallensteine entstehen, ist nicht bekannt. Jedoch gibt es einige Risikofaktoren, die die Entstehung begünstigen:

    • das Alter (ab 40 Jahren werden Gallensteine häufiger)
    • eine genetische Veranlagung
    • das Geschlecht (Frauen haben ein erhöhtes Risiko, wobei ein Zusammenhang mit weiblichen Geschlechtshormonen vermutet wird)
    • eine Schwangerschaft
    • die Einnahme von Östrogenen (zum Beispiel die Anti-Baby-Pille oder eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren)
    • Erkrankungen wie Gallenblasenfunktionsstörungen, Kurzdarm-Syndrom, Leberzirrhose und Diabetes
    • starkes Übergewicht
    • erheblicher Gewichtsverlust in kurzer Zeit
    • die Einnahme von sehr kalorienreicher Nahrung (zum Beispiel spezielle Sondennahrung)
    Arzt hält entfernte Gallensteine zwischen den Fingern.

    © iStock / Irina Lesovaia

    Gallensteine sind zwar recht klein, können aber unangenehme Schmerzen und Entzündungen im Körper auslösen.

    Die Symptome bei Gallensteinen

    Die meisten Menschen bemerken gar nicht, dass sie Gallensteine in sich tragen, da sie selten Beschwerden auslösen. Je nach Lage und Größe können sie jedoch auch zu Symptomen und Komplikationen führen. Etwa zwei bis vier Prozent der Menschen, die Gallensteine haben, haben auch Beschwerden.

    Anzeichen für Gallensteine

    Gallensteine können allgemeine, unspezifische Symptome wie ein Völlegefühl, Übelkeit oder Erbrechen auslösen. Typische Beschwerden bei Gallensteinen (sowohl bei solchen in der Gallenblase als auch im Gallengang) sind starke, krampfartige Schmerzen im Oberbauch. Sie strahlen mitunter in den Rücken oder bis in die rechte Schulter aus. Die Schmerzen treten meist in Wellen auf und klingen nach wenigen Stunden wieder ab; Fachleute nennen sie Koliken oder Gallensteinleiden.Die Beschwerden entstehen, wenn ein Gallenstein den Ausgang der Gallenblase oder den Übergang vom Gallengang in den Dünndarm blockiert.

    Bei Gallensteinen im Gallengang ist zusätzlich eine Gelbsucht (Ikterus) möglich. Die Haut und die Augen verfärben sich dabei gelb, da die Gallenflüssigkeit nicht mehr richtig abfließen kann und so vermehrt der Farbstoff Bilirubin ins Blut gelangt. Der Urin wird in der Folge häufig auch dunkler und der Stuhlgang heller.

    Diese Komplikationen sind durch Gallensteine möglich:

    Bei etwa 0,2 Prozent der Betroffenen führen Gallensteine zu Komplikationen. Das Risiko dafür ist erhöht, sobald die Steine Symptome und Beschwerden auslösen. Möglich sind:

    • Entzündung der Gallenblase oder des Gallengangs,
    • eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder
    • sehr selten ein Darmverschluss.

    Unbehandelt können die Folgeerkrankungen durch Gallensteine schwere Auswirkungen haben. Darum ist es wichtig, bereits bei ersten Symptomen ärztlichen Rat einzuholen.

    Doc Felix erklärt kurz und kompakt, was Gallensteine sind und welche Symptome sie auslösen können.

    So sieht die Behandlung von Gallensteinen aus

    Gallensteine, die keine Beschwerden verursachen, müssen meist auch nicht behandelt werden.

    Liegen jedoch Symptome und Beschwerden vor, können Ärzte und Ärztinnen einiges unternehmen:

    • Gegen die schmerzhaften Koliken helfen Schmerzmittel und krampflösende Medikamente.
    • Bei Übelkeit oder Völlegefühl können ebenfalls Medikamente verschrieben werden.
    • Es gibt medikamentöse Therapien, durch die Gallensteine aufgelöst werden. Diese finden jedoch nur noch selten Anwendung.
    • Die einzige langfristige Therapie ist die Entfernung der Gallenblase. So wird den Koliken und möglichen Komplikationen vorgebeugt. Die Entfernung kann meist mittels einer minimalinvasiven Operation durchgeführt werden. Sie wird auch bei der sehr seltenen „Porzellangallenblase“ notwendig, einer entzündungsbedingten Verhärtung der Gallenblasenwand, die das Risiko von Gallenblasenkrebs deutlich erhöht.

    Jede Behandlungsform hat Vor- und Nachteile. Wird zum Beispiel die Gallenblase im Rahmen einer Operation entfernt, fließt die Gallenflüssigkeit von der Leber über den Gallengang direkt in den Dünndarm. Die Zwischenspeicherung bleibt aus, so dass die Gallenflüssigkeit nicht mehr nach Bedarf in den Dünndarm abgegeben werden kann. Einige Patienten und Patientinnen haben danach Beschwerden, wie einen veränderten Stuhlgang oder Verdauungsprobleme. Nach einer Operation können sich auch weiterhin Gallensteine in den Gallengängen bilden. Welche der Therapien bei Ihnen infrage kommen und sinnvoll sind, wird Ihr behandelnder Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin mit Ihnen besprechen.

    So hilft die AOK

    Ernährung und Sport bei Gallensteinen

    Eine spezielle Ernährung beziehungsweise Diät ist bei Gallensteinen nicht notwendig – auch nicht, um weiteren Steinen vorzubeugen. Wenn Sie Ihrer Gallenblase etwas Gutes zu tun möchten, achten Sie am besten auf eine ausgewogene Ernährung. Sorgen Sie außerdem für regelmäßige Bewegung in Ihrem Alltag und achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht.

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