Gesunde Ernährung
Kollagenprodukte: Schönheit zum Essen und Trinken?
Veröffentlicht am:14.10.2026
5 Minuten Lesedauer
Weniger Falten, straffere Haut, mehr Glow – Kollagenpulver & Co. versprechen Schönheit von innen. Doch was ist wirklich dran? Dr. Angela Bechthold blickt auf Biologie und Studienlage – und findet keine belastbaren Belege für Anti-Aging-Effekte.

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Kollagen – der Traum vom Anti-Aging-Effekt
Die Kosmetikindustrie lebt seit Jahrzehnten davon, die Hoffnung auf ewige Jugend in möglichst elegante Verpackungen zu füllen. Und die Lebensmittelindustrie zieht nach: Sie vermarktet Kollagen als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pulvern, Kapseln, Trinkampullen oder Fruchtgummis.
Meist handelt es sich dabei um wasserlösliches Kollagenhydrolysat aus Nebenprodukten von geschlachteten Schweinen und Rindern. Damit es schmeckt, ist es oft mit Aromen und Süßungsmitteln aufgepeppt. Im Supermarkt habe ich inzwischen sogar Wasser und Früchtetee mit Kollagenzusatz gesehen. Als ob man sich einfach schön und jung essen und trinken könnte. Da schaue ich lieber genauer hin.
Dr. Angela Bechthold
Dr. Angela Bechthold ist Ernährungswissenschaftlerin und Fachjournalistin (FJS). Mehr als 15 Jahre lang arbeitete sie in einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft an der Schnittstelle von Forschung, Praxis und Kommunikation.
Heute ist Angela Bechthold als freie Wissenschaftsjournalistin und Autorin tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf Ernährung und Gesundheit – mit dem Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten klar und nachvollziehbar zu vermitteln sowie aktuelle Entwicklungen einzuordnen.
Was Kollagen ist
Tatsächlich ist Kollagen in unserem Körper ein wichtiger Baustein von Muskeln, Sehnen, Bändern, Knochen und Knorpel sowie anderen Geweben, auch der Haut. Es gibt dem Bindegewebe Struktur und Stabilität.
Die gute Nachricht ist: Unser Körper baut Kollagen selbst auf. Denn es ist ein Protein, das überwiegend aus den Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin besteht. Diese stellt der Körper in seinem Stoffwechsel selbst bereit. In Anwesenheit von Vitamin C und anderen Mikronährstoffen setzt er sie zu Kollagen zusammen. Man muss also kein Kollagen zu sich nehmen.
Die schlechte Nachricht ist: Mit dem Alter schwächeln die Kollagenstrukturen, auch die in den tieferen Hautschichten. Der Körper baut weniger Kollagen auf und dieses kann weniger Wasser binden. Das merkt man auch: Die Haut wird schlaffer, das Bindegewebe insgesamt schwächer.
Dieser Prozess ist biologisch völlig normal – wenn auch unerquicklich. Genau hier setzt die Werbung für Kollagenprodukte mit ihrer Idee an: Was im Körper weniger wird, füllt man einfach nach. Eine Art Baustofflieferung, bequem direkt ins Haus. Genau dorthin, wo das Bindegewebe schwächelt. Klingt logisch, ist aber zu einfach gedacht.
Wie der Körper Kollagen verarbeitet
Denn was geschieht mit dem verspeisten Kollagen im Körper? Die Verdauung im Darm spaltet es in seine Bausteine, die Aminosäuren. Diese verteilt der Körper anschließend im ganzen Organismus und nutzt sie je nach aktuellem Bedarf. Das Kollagenmolekül gelangt also nicht direkt ins Gewebe, etwa in die Haut. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass sich die Aminosäuren aus dem Kollagenprodukt dort wieder eins zu eins zu Kollagen zusammensetzen.
Kollageneinnahme – zwischen Studien und Werbeversprechen
So ist es auch nicht verwunderlich, dass Studien bislang keine belastbaren Belege für Anti-Aging-Effekte liefern. Bei meiner Recherche bin ich auf zusammenfassende Übersichtsarbeiten zu Kollagen gestoßen, die zwar von einzelnen positiven Effekten durch die Einnahme berichten. Doch diese Ergebnisse stammen nur aus Studien von schlechter Qualität oder aus Studien, die von Unternehmen mit wirtschaftlichem Interesse finanziert wurden. Hochwertigere, unabhängige Studien liefern bislang keinen überzeugenden Wirknachweis.
In der EU sind deshalb gesundheitsbezogene Werbeaussagen wie „Kollagen glättet die Haut“ für Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln verboten. Doch Hersteller nehmen einen kreativen Umweg und ergänzen kollagenhaltige Produkte mit Nährstoffen wie Vitamin C oder Biotin. Für diese Nährstoffe sind bestimmte gesundheitsbezogene Aussagen erlaubt, etwa dass sie zur Erhaltung von normalem Bindegewebe beziehungsweise von normaler Haut beitragen.
Das ist rechtlich einwandfrei, kann aber bei Verbraucherinnen und Verbrauchern den Eindruck entstehen lassen, die Werbeaussage gehe auf das zugesetzte Kollagen zurück. Außerdem bedeutet ein solcher Claim keineswegs, dass ein entsprechendes Produkt für die Nährstoffversorgung und Funktion der Haut notwendig ist.
Achtung: Kollagen ist nie vegan
Apropos Kreativität: Begriffe wie „veganes Kollagen“, „pflanzliches Kollagen“ oder „Phytokollagen“ begegnen mir ständig. Aber Pflanzen bilden kein Kollagen. Kollagen ist ein tierisches Protein. Es steckt vor allem in sehnigen Fleischteilen und Haut. In verarbeiteten Lebensmitteln stammt es aus Haut und Knochen von Schweinen und Rindern, teils auch aus Geflügel und Fischresten. In Form von Gelatine ist es als Geliermittel bekannt.
Produkte mit vermeintlich pflanzlichem Kollagen enthalten etwas anderes: meist eine Mischung aus Aminosäuren oder pflanzlichen Peptiden. Daneben gibt es auch „vegetarisches Kollagen“ aus Eierschalenmembranen. Das ist aber auch nicht vegan.
Ein Molekül ersetzt keinen gesunden Lebensstil
Nur weil ein Molekül im Körper vorkommt, muss man es nicht essen oder trinken. Schon gar nicht sollte man sich davon einen Anti-Aging-Effekt erwarten. Stiftung Warentest und die Verbraucherzentrale bewerten Kollagenprodukte als überflüssig – und teuer.
Was der Gesundheit und damit etwa auch der Haut guttut, ist leider nicht nebenbei erwerblich: ein gesunder Lebensstil. Dazu gehört körperliches Training, das den Aufbau von Bindegewebe anregt. Dazu gehört auch eine ausgewogene Ernährung, die ausreichend Protein und damit Aminosäuren sowie Mikronährstoffe liefert, die der Körper für die Kollagenbildung braucht. Für die Haut ebenfalls wichtig sind Sonnenschutz, Hautpflege und Nichtrauchen. Nicht zu vergessen ist ausreichendes Trinken – am besten pures Wasser.
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Dr. Angela Bechthold
Ravindran R, Pizzol D, López-Gil JF, et al.: Collagen Supplementation for Skin and Musculoskeletal Health: An Umbrella Review of Meta-Analyses on Elasticity, Hydration, and Structural Outcomes. Aesthet Surg J Open Forum. 2026;8:ojag018. Published 2026 Jan 30.
Holwerda AM, van Loon LJC: The impact of collagen protein ingestion on musculoskeletal connective tissue remodeling: a narrative review, Nutrition Reviews, Volume 80, Issue 6, June 2022, Pages 1497–1514.
Swiss Sports Nutrition Society (2023): Supplementguide | B-Supplemente | Faktenblatt Kollagen.







