Gesunde Ernährung

Wie gesund ist Agavendicksaft wirklich?

Veröffentlicht am:30.10.2026

5 Minuten Lesedauer

von Jennifer Ann Steinort

Ob im Müsli, Joghurt oder Kuchen: Agavendicksaft gilt als gesündere Alternative zu Zucker. Besonders der niedrige glykämische Index hat zum guten Ruf des Sirups beigetragen. Warum man Agavendicksaft dennoch sparsam verwenden sollte.

Auf einem hölzernen Untergrund liegt eine Serviette. Darauf steht eine kleine Schüssel mit Agavendicksaft.

© iStock / bhofack2

Was ist Agavendicksaft?

Agavendicksaft wird aus verschiedenen Agavenarten gewonnen, vor allem aus der Agave tequilana und der Agave salmiana. Für die Herstellung werden die mehrere Jahre alten Pflanzen geerntet. Im Inneren der Agave, der sogenannten Piña, steckt der Saft, aus dem später der goldgelbe Sirup entsteht.

Für die Herstellung werden die Agaven zunächst zerkleinert und gemahlen. Der gewonnene Saft wird gefiltert und anschließend erhitzt. Dabei werden die in der Pflanze gespeicherten Mehrfachzucker in Einfachzucker aufgespalten. Durch weiteres Erhitzen und Eindicken entsteht schließlich der Agavendicksaft.

Durch seine intensive Süße ist der Sirup vielseitig einsetzbar. Er eignet sich zum Süßen von Müsli, Joghurt und Getränken, zum Backen und für Desserts. Auch in der veganen Küche wird er häufig verwendet, etwa als Alternative zu Honig. Wegen seiner hohen Süßkraft reicht meist eine kleinere Menge.

Wie nachhaltig ist Agavendicksaft?

Agaven wachsen auch in trockenen Regionen und kommen mit wenig Wasser aus. Bei der Verarbeitung fällt Pflanzenmaterial an, das etwa für Lebensmittel, Fasern oder andere Produkte weiterverwendet werden kann. Diese Aspekte machen die Nutzung der Pflanze nachhaltiger. Doch der hierzulande erhältliche Agavendicksaft hat eine weite Reise hinter sich: Er wird aus der mexikanischen Agave gewonnen und muss für den Verkauf in Deutschland über große Entfernungen transportiert werden. Das verursacht zusätzliche Emissionen.

Wie gesund ist Agavendicksaft?

Agavendicksaft ist nicht gesund. Auffällig ist sein besonders hoher Fructoseanteil – je nach Herstellung und Produkt kann dieser etwa 70 bis 90 Prozent betragen. Andere Bestandteile wie Vitamine, Mineralstoffe oder Eiweiß spielen dagegen kaum eine Rolle. Damit liefert der Sirup vor allem Zucker und nur wenige weitere Nährstoffe.

Seinen guten Ruf verdankt Agavendicksaft unter anderem seinem niedrigen glykämischen Index. Das bedeutet: Der Blutzucker steigt nach dem Verzehr wegen des hohen Fructosegehalts weniger stark an als bei Zuckerarten mit einem höheren Glucoseanteil. Doch auch Fruchtzucker liefert Energie und zählt zu den freien Zuckern. Ein niedriger glykämischer Index allein sagt deshalb wenig darüber aus, wie gesund ein Süßungsmittel insgesamt ist.

Was spricht gegen das Süßen mit Agavendicksaft?

Der hohe Fructoseanteil ist ein Grund dafür, Agavendicksaft nur sparsam zu verwenden. Forschende haben untersucht, wie Fructose im Körper verarbeitet wird. Dabei zeigte sich, dass Fructose die Fettneubildung in der Leber stärker anregen kann als Glucose. Eine hohe Aufnahme von Fructose kann dadurch unter anderem die Einlagerung von Fett in der Leber fördern.

Die Studie beschreibt außerdem weitere mögliche Auswirkungen auf den Stoffwechsel. Eine hohe Fructoseaufnahme kann demnach die Insulinwirkung in der Leber beeinträchtigen und die Bildung von Triglyceriden (Blutfette) fördern.

Warum kein Agavendicksaft oder nur wenig davon sinnvoll ist, zeigt auch der Blick auf die Nieren. Zu viel Fructose kann unter anderem den Harnsäurespiegel erhöhen und dadurch Bluthochdruck begünstigen. Außerdem kann Fructose Entzündungen fördern, die kleine Blutgefäße in der Niere schädigen können.

Passende Angebote der AOK

Was ist gesünder: Zucker, Honig, Ahornsirup oder Agavendicksaft?

Agavendicksaft ist gesünder als Zucker – diese Annahme hält sich hartnäckig. Doch Agavendicksaft ist nicht automatisch besser als Zucker. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bewertet Agavendicksaft, Kokosblütenzucker und Fruchtsüße ähnlich wie Haushaltszucker. Auch Ahornsirup bringt keinen gesundheitlichen Vorteil.

Ist Agavendicksaft denn besser als Honig? Auch hier ist Agavendicksaft nicht nennenswert im Vorteil. Beide liefern vor allem Zucker. Bei den enthaltenen Nährstoffen Calcium, Magnesium und Kalium schneidet Honig aber geringfügig besser ab.

Ist Agavendicksaft zum Abnehmen geeignet?

Agavendicksaft enthält mit rund 300 Kilokalorien pro 100 Gramm etwas weniger Energie als Haushaltszucker. Gleichzeitig ist er durch den hohen Fructoseanteil süßer, sodass zum Süßen eine kleinere Menge ausreichen kann. Wer dadurch weniger davon verwendet, spart Kalorien. Ein besonderer Vorteil beim Abnehmen ergibt sich daraus aber nicht.

Auch Forschende kommen zu dem Schluss, dass Agavendicksaft beim Thema Gewichtsabnahme keinen besonderen Vorteil gegenüber anderen Zuckerarten hat. Menschen, die abnehmen wollen, sollten deshalb vor allem auf die insgesamt aufgenommene Energiemenge achten.

Eine Frau steht in der Küche und schaut beim Backen auf ihr Tablet.

© iStock / bernardbodo

Rezepte für Süßes enthalten oft viel Zucker oder Agavendicksaft. Probieren Sie aus, ob Sie auch mit weniger Süßungsmittel auskommen.

Wie kann man den Verzehr von Agavendicksaft reduzieren?

Ob Agavendicksaft, Haushaltszucker oder andere Süßungsmittel: Verzehren Sie möglichst wenig davon im Alltag. Als Orientierung empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), freie Zucker auf weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen, besser auf weniger als fünf Prozent.

  • Nehmen Sie in Rezepten weniger Zucker: Sie können die angegebene Zuckermenge in Rezepten häufig deutlich verringern. Probieren Sie zunächst, nur zwei Drittel der angegebenen Menge zu verwenden, reduzieren Sie bei Bedarf weiter. In der Regel genügt ein Drittel der angegebenen Menge.
  • Seien Sie bei Fructoseempfindlichkeit vorsichtig: Agavendicksaft enthält besonders viel Fructose. Vor allem bei einer Fructosemalabsorption kann er deshalb Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall auslösen.
  • Lassen Sie sich bei Diabetes nicht vom niedrigen glykämischen Index täuschen: Agavendicksaft lässt den Blutzucker weniger stark ansteigen, ist deshalb aber nicht automatisch besser bei Diabetes geeignet. Beachten Sie auch den hohen Fructoseanteil. Fruktose steigert den Harnsäurespiegel, das kann Beschwerden bei Gicht verstärken.
  • Geben Sie Agavendicksaft nicht in Babynahrung: Babys brauchen keine zusätzlichen Süßungsmittel.
  • Prüfen Sie Lebensmittel-Etiketten: Auch in verarbeiteten Lebensmitteln kann Agavendicksaft als Süßungsmittel enthalten sein. Ein Blick auf die Zutatenliste hilft Ihnen, versteckte Zuckerquellen zu erkennen.
Fachlich geprüft
Fachlich geprüft

Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.


Saraiva A, Carrascosa C, Ramos F, Raheem D, Raposo A: Agave Syrup: Chemical Analysis and Nutritional Profile, Applications in the Food Industry and Health Impacts. Int J Environ Res Public Health. 2022;19(12):7022. Published 2022 Jun 8.

Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU): Ahornsirup oder Xylit - welche Zuckeralternativen gibt es?

Verbraucherzentrale Bayern e.V.: Kokosblüten-, Birkenzucker, Stevia & Co.: Alternative Süßmacher im Trend.

Verbraucherzentrale Hamburg e.V.: Alles Zucker oder was?

Bettina Geidl-Flueck, Philipp A Gerber: Fructose drives de novo lipogenesis affecting metabolic health. J Endocrinol 1 May 2023; 257 (2): e220270.

Deutsches Gesundheitsportal: Zu viel Fruktose schadet den Nieren.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE): Süßes, Salziges und Fettiges – besser stehen lassen.

Waren diese Informationen hilfreich für Sie?

Noch nicht das Richtige gefunden?