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Projekt DAVET startet in Dietzenbach

21.06.2012

Über 60 Prozent der in Dietzenbach wohnenden Türken, fast 2.000 Menschen, sind AOK-versichert. Viele von ihnen, das zeigen Auswertungen der Gesundheitskasse, nehmen das umfängliche Angebot zur Früherkennung zum Beispiel von Diabetes, kardiologische Erkrankungen, Haut- oder Darmkrebs sehr selten oder gar nicht wahr. Gleichzeitig bestätigt die Forschung, dass türkischstämmige Patienten zehn Jahre früher einen Herzinfarkt bekommen als der Bevölkerungsdurchschnitt in Deutschland. Diabetes und Hepatitis kommen ebenfalls häufiger vor. Zwar gibt es Ausnahmen, so nutzen türkische Frauen die Krebsvorsorge beim Gynäkologen sogar öfter als ihre deutschen Nachbarinnen, doch insbesondere Männer mit Migrationshintergrund scheuen oft den Weg zum Arzt. „Das liegt zum Teil an Kommunikationsschwierig-keiten zwischen Patienten und Medizinern, vor allem aber am vergleichsweise schlechteren Kenntnisstand von Migranten, auch der zweiten und dritten Generation, über die Charakteristika des deutschen Gesundheitswesens“, so Dr. Yasar Bilgin, Vorsitzender der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung (TDG).

Barrierearm und kultursensibel

Grund genug für die AOK Hessen, als Partner der TDG ein bundesweit einmaliges Aufklärungsprojekt in Dietzenbach zu erproben. Mit Hilfe von Haus- und Fachärzten aus der Region und begleitet durch Info-Veranstaltungen soll türkischstämmigen Patienten der Weg zu mehr Gesundheit geebnet werden. „Wir wollen Wissenslücken schließen, um Verhalten zu ändern, und das so barrierearm und kultursensibel wie möglich“, erklärt Dr. Wilfried Boroch, Unternehmenssprecher der AOK Hessen. Damit würde nicht nur die Gesundheit gefördert, sondern perspektivisch auch Leistungsausgaben gesenkt werden. Das Projekt wird wissenschaftlich evaluiert und reiht sich in die Aktivitäten des Unternehmens für ihre türkischstämmigen Versicherte ein. So gibt es mehrere Initiativen im Bereich der interkulturellen Selbsthilfe.

Zugangshindernisse gezielt beseitigen

Hessens Sozialminister Stefan Grüttner ist von DAVET überzeugt: „Der nationale und ethnische Status darf kein Hinderungsgrund bei der Inanspruchnahme unseres qualitativ hochwertigen, gesundheitlichen Leistungsangebots sein.“ Er bestätigt die Befunde von Bilgin und Boroch, dass Menschen mit Migrationshin-

tergrund einen objektiv und subjektiv schlechteren Gesundheitsstatus und höhere Belastungen aufweisen. Umso wichtiger sei ein Projekt wie dieses, in dem bestehende Zugangshindernisse gezielt beseitigt werden. Dietzenbachs Ärzte wirken an dem Projekt aktiv mit und werben für Vorsorge und Früherkennung. Die Praxisgebühr für alle genannten Untersuchungen entfällt.