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Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

AOK-Apothekerin: Nicht alle Arzneimittel sind für den Nachwuchs geeignet

30.04.2008

Kinder sind häufiger krank als Erwachsene, weil ihre Organe und ihr Immunsystem sich noch entwickeln müssen. Husten, Schnupfen, leichtes Fieber oder milden Durchfall können Eltern bei größeren Kindern mit einfachen Hausmitteln behandeln. „Medikamente sollten insbesondere Kleinkindern immer nur auf ärztlichen Rat gegeben werden, denn bei der Dosierung ist Vorsicht geboten“, so Dr. Birgit Dresar-Mayert, Apothekerin bei der AOK Hessen.

Bei der Verordnung von Medikamenten bleibt den Ärzten oft nur der Griff zur Medizin für Erwachsene. Das gilt vor allem im Bereich der Schmerzmittel und bei der Behandlung von Krebserkrankungen. Spezielle Arzneimittel für Kinder gibt es beispielsweise im Bereich der Erkältungsmittel, zur Prophylaxe gegen Karies und gegen Rachitis. Damit die Medikamente den Kindern besser verabreicht werden können, stehen sie meist als Saft, Tropfen, Pulver oder Zäpfchen zur Verfügung. Arzneimittel für Kinder sind zum Teil speziell gekennzeichnet. Einige Nasentropfen zum Beispiel tragen auf der Verpackung einen großen Aufdruck: ’Für Säuglinge’ oder ’Für Schulkinder’. Es gibt aber auch Medikamente, bei denen der Arzt oder Apotheker an der Konzentration des Wirkstoffs erkennt, ob sie für Kleinkinder oder Heranwachsende geeignet sind. Bei vielen Arzneimitteln steht auf dem Beipackzettel auch eine Dosierung für Kinder.
Dosis nicht selbst ableiten

Keinesfalls darf man aber grundsätzlich von der Dosierung für Erwachsene auf die für ein Kind geeignete Menge schließen. Eltern sollten deshalb immer Ihren Arzt oder Apotheker fragen, bevor sie ihren Kindern Arzneimittel geben - und sei es auch nur eine Schmerztablette. Jeder Apotheker hat spezielle Dosierungstabellen, um Kinderdosierungen bestmöglich berechnen zu können. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen", warnt Dresar-Mayert. In jedem Entwicklungsstadium reagiert der Körper unterschiedlich. Der Stoffwechsel und das Immunsystem arbeiten bei Kindern ganz anders als den Großen. Die Gefahr einer Über- oder Unterdosierung ist natürlich sehr groß, wenn Arzneimittel für Erwachsene ohne Angabe einer speziellen Kinderdosierung verordnet werden.

Oft müssen Kinderärzte aber Medikamente für Erwachsene verschreiben, um den Kindern zu helfen. Zwar schätzen erfahrene Ärzte die Dosierung richtig ein, sie riskieren dabei jedoch Nebenwirkungen, die vorher nicht immer abzusehen sind. Das Problem: Um Kinderarzneimittel auf den deutschen Markt bringen zu können, müssen diese auch an Kindern getestet werden. Da die Mehrzahl der pädiatrischen Erkrankungen nicht chronisch ist, scheint der Markt für Kinderarzneimittel somit nicht attraktiv und für Pharmafirmen wirtschaftlich zumeist uninteressant zu sein. Dr. Birgit Dresar-Mayert: „Sie fürchten außerdem um den guten Ruf eines Mittels für Erwachsene, falls sich bei den klinischen Studien mit Kindern Probleme zeigen würden.“

Allerdings ist Besserung in Sicht, denn in 2007 hat das EU-Parlament eine neue Kinderarzneimittel-Verordnung verabschiedet. Ziel dieser Verordnung ist es, die für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen benötigten Arzneimittel so sicher zu machen wie Produkte für Erwachsene. Als Anreiz für Pharma-Unternehmen, sich stärker in der Entwicklung von Kinderarzneimitteln zu engagieren, ist außerdem vorgesehen, den Patentschutz für entsprechende Medikamente um sechs Monate zu verlängern.

Pressekontakt

Ansprechpartner für diese Pressemitteilung
Riyad Salhi - 06172 272-143 oder Riyad.Salhi@he.aok.de