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Ernsthafte Erkrankungen offen ansprechen

05.08.2015

Eltern sind unbesiegbar. Sie sind Allesregler und wissen ganz viel. Diese kindliche Perspektive gerät arg ins Wanken, wenn ein Elternteil mit einer schwerwiegenden Diagnose konfrontiert wird. Eine Grundregel hierbei lautet: Nichts verheimlichen, zuversichtlich sein, den Arbeitsalltag nicht vollständig umkrempeln – all das vermittelt Sicherheit.  

Kinder spüren sofort, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Würde man sie „schonen“ wollen, tritt vermutlich genau das Gegenteil ein: Ihre Vorstellungen sind dann womöglich monströser als die reale Bedrohung. Aber wie sagt man es ihnen? Genau so, wie man andere bedeutsame Dinge anspricht. Dabei sollte jede Form von „Drama“ vermieden werden. Am besten eignet sich das Wochenende, um die Erkrankung und die weiteren Folgen in Worte zufassen, idealerweise ein Samstag und zeitlich nicht vor dem Zubettgehen. Dann hat das Kind genügend Zeit, die Informationen zu verarbeiten, bevor Lehrer, Erzieher und andere Kinder wieder Aufmerksamkeit einfordern. Von Anfang an sollte klar sein: Das ist jetzt ein ganz wichtiges Gespräch! „Wichtig ist, ruhig zu sprechen, Zuversicht auszustrahlen, ohne jedoch in Schauspielerei zu verfallen. Agieren sie so natürlich wie sonst auch. Lassen Sie Ihrem Kind genügend Raum Fragen zu stellen“, meint Riyad Salhi, Sprecher der AOK Hessen. 

Es geht um Zuversicht

Man vermeide Fremdworte, wie sie Ärzte gerne benutzen, beschreibt die Krankheit altersgemäß und auch, was sich jetzt ändert, zum Beispiel wenn eine Chemotherapie ansteht. „Berichten Sie auch immer wieder vom Therapieverlauf, wobei es freilich nicht darum geht, ständig über bestimmte Werte oder Aussichten zu sprechen – außer, das Kind fragt konkret nach“, rät Salhi. Es versteht sich von selbst, dass das kranke Elternteil und alle anderen Familienmitglieder offen über ihre Gefühle sprechen, sofern Zuversicht als Grundmotiv immer mitschwingt. „Soweit das möglich ist, sollte der Alltag sich nicht fundamental ändern. Kinder brauchen Kontinuität“, so Trebing. Und vor allem benötigen sie eine Perspektive. Deshalb sollten zum Beispiel absehbare Klinikaufenthalte früh genug angekündigt werden.

„Mama, wirst Du bald sterben?“

Bei Krebserkrankungen wissen häufig schon Sechsjährige, dass sie lebensbedrohlich sein können. Es ist allerdings sehr heikel, einen allgemeinen Rat zum innerfamiliären Umgang mit dem Tod geben zu wollen, weil es auf den Reifegrad des Kindes, auf die jeweilige Kommunikationskultur, den religiösen Background und vor allem die eigenen Einstellungen ankommt. Auf die Frage: „Mama, wirst Du bald sterben?“, könnte man beispielsweise bei eher negativen Krankheitsverläufen antworten, dass Sie das einfach nicht wissen, aber alles daran setzen – gemeinsam mit den Ärzten – um das zu verhindern.