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Ein Tennisball im Rücken gegen das Schnarchen

AOK Hessen: Schlafapnoe („Schlaf ohne Luft“) ernst nehmen

02.02.2009

Lautes Schnarchen hat schon so manche Ehekrise herauf beschworen. Doch es ist nicht zwangsläufig nur eine störende Angewohnheit, sondern kann das Symptom für eine Erkrankung sein. „Unter Schlafapnoe verstehen Mediziner kurze Atemstillstände während des Schlafs. Im Einzelfall ist eine gründliche Diagnostik zu empfehlen. Oft ist eine Therapie erforderlich und manchmal helfen bereits einige Verhaltensänderungen“, sagt AOK-Ärztin Dr. Angela Smith. Geschätzte vier bis neun Prozent aller männlichen Erwachsenen sind davon betroffen. Übergewichtige Männer jenseits der 50 sind besonders anfällig. Schon bei den 40-jährigen wird sie auf vier Prozent bei Männern und zwei Prozent bei Frauen geschätzt.

Beim Schlafapnoe-Syndrom setzt die Atmung mehrmals pro Stunde für mindestens zehn Sekunden aus. Es kann dabei zu einem extrem niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut kommen, der für eine ausreichende Versorgung der Organe nicht mehr ausreicht und langfristig das Risiko für
Herzkreislauferkrankungen erhöht – in letzter Konsequenz kann ein Schlafapnoe-Syndrom also lebensgefährlich sein. „Risikofaktoren für die Atemaussetzer sind unter anderem Nikotin, Alkohol und Übergewicht“, betont Smith. Grundsätzlich muss zwischen zwei Formen unterschieden werden: Bei der obstruktiven Schlafapnoe, die in 90 Prozent der Fälle auftritt, werden die Atemwege blockiert, während die zentrale Schlafapnoe eine Störung des hirngesteuerten Atemantriebs ist. Zur obstruktiven Variante kommt es, wenn sich das weiche Gaumengewebe entspannt, dadurch wird der Luftstrom unterbrochen. Der niedrige Sauerstoffgehalt im Blut führt schließlich nach der Atempause zu einen schnarchenden Atemzug. Für die zentrale Schlafapnoe können Kopfverletzungen und Schlaganfälle die Ursache sein. Beiden Formen gemeinsam sind die folgenden Anzeichen: Ein unruhiger, nicht erholsamer Schlaf mit Tagesmüdigkeit,
Gedächtnisstörungen und Konzentrationsprobleme, morgendliche Kopfschmer-zen und lautes Schnarchen. Des Weiteren können auch häufiges Wasserlas-sen in der Nacht und bei Männern Impotenz auftreten.

Ein Gerät neben dem Bett
Die Gefahren der Schlafapnoe sind neben dem höheren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, also z. B. Herzinfarkt und Schlaganfall, auch die Folgen für die Mitmenschen: Müdigkeit am Steuer und somit erhöhte Unfallgefahr gehen fast zwangsläufig mit einer schweren Schlafapnoe einher. „Die Einnahme von Schlafmitteln oder Alkohol können dabei die Symptome noch verstärken“, warnt Smith. Möglich ist auch ein unregelmäßiger Herzschlag und ein erhöhter Blutdruck. Um die Behandlung gezielt angehen zu können, muss der Arzt zunächst eine genaue Diagnose erstellen. Im ersten Schritt sollte eine Untersuchung durch einen Lungenfacharzt oder einen HNO-Arzt erfolgen und bei Verdacht auf ein Schlafapnoe-Syndrom anschließend eine Polygrafie vorgenommen werden. Dabei zeichnet ein Gerät zu Hause unter anderem eventuelle Atemaussetzer während des Nachtschlafs und die Sauerstoffsättigung im Blut auf. Bei Bestätigung der Verdachtsdiagnose werden dann in einem Schlaflabor ausführlichere Messungen und Aufzeichnungen vorgenommen. Erst danach ist es möglich, die geeignete Therapie zu finden, mit der die nächtlichen Atemstillstände verhindert werden können. Betroffene sollten darüber hinaus auch selbst etwas tun: Gewichtsreduktion durch mehr Bewegung und gesunde Ernährung, Alkohol am Abend vermeiden, keine Schlaf- oder Beruhigungspillen einnehmen und vor allem das Rauchen aufgeben. Manchmal treten die nächtlichen Atempausen auch nur dann auf, wenn der Betroffe-ne auf dem Rücken schläft. Eine von mehreren Maßnahmen könnte sein, sich einen Tennisball in den Rücken des Schlafanzuges nähen zu lassen, so dass im Schlaf die Seitenlage eingenommen wird.

Nasenklemmen und Operationen
Je nach Ursache der Atemaussetzer gibt es weitere Hilfsmittel, von der aufblasbaren Kinnstütze und Nasenklemmen über Atemmasken bis hin zu operativen Eingriffen, beispielsweise der Verkürzung des Zäpfchens oder der Entfernung von Rachen- und Gaumenmandeln. Die Erfolgsaussichten sind je nach vorliegender Störung und anatomischer Voraussetzungen sehr unterschiedlich und in ihrer Komplexität vom Laien in der Regel nicht ohne Beratung durch einen erfahrenen Schlafmediziner zu bewerten.


Bilnachweis: Howard Sandler / fotolia.de

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Riyad Salhi - 06172 272-143 oder Riyad.Salhi@he.aok.de

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