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Diabetes in Hessen

Drei Landkreise stark betroffen

Bad Homburg. Die AOK Hessen veröffentlicht ihren ersten „Gesundheitsatlas Hessen“, in dem das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) mithilfe neuer Berechnungsverfahren erstmals die Häufigkeit von Diabetes mellitus (Typ 2) für 26 Städte und Kreise darstellt1. Im bundesweiten Vergleich schneidet Hessen relativ gut ab. Doch es fällt auch auf: In Hersfeld-Rotenburg, im Werra-Meißner-Kreis und im Vogelsbergkreis ist die Volkskrankheit besonders häufig. Und zwar auch dann, wenn man die Differenzen herausrechnet, die durch die unterschiedliche Alters- und Geschlechtsstruktur der Bevölkerung entstehen.

„Jede zwölfte Person2 in Deutschland ist von Typ-2-Diabetes betroffen, und das führt zu einer Verdoppelung der Behandlungskosten im Vergleich zu Patientinnen und Patienten ohne diese Erkrankung“, so Dr. Angela Smith, leitende Ärztin bei der AOK Hessen. Die ausgewiesenen Kosten belaufen sich jährlich auf über 7 Milliarden Euro bundesweit, auch bedingt durch Folgeerkrankungen3. Von den insgesamt 503.000 Menschen (8,1 Prozent, somit 0,5 Prozentpunkte unter Bundesniveau), die in Hessen betroffen sind, ist mehr als die Hälfte älter als 70 Jahre. Der niedrigste Diabetikeranteil findet sich mit 5,9 Prozent im Main-Taunus-Kreis, der höchste im Kreis Hersfeld-Rotenburg (11,4 Prozent). „In einigen Regionen Hessens gibt es zweifelsohne noch Handlungsbedarf. Die Auswertungen können Landräten und Bürgermeisterinnen helfen, ihre regionale Situation einzuordnen und Ansätze zu entwickeln, um die gesundheitliche Versorgung vor Ort zu verbessern“, meint Smith.

Besonders betroffen sind neben Hersfeld-Rotenburg auch der Werra-Meissner-Kreis und der Vogelsbergkreis. Ohnehin zeigen auch die Bundeswerte, dass ländliche Regionen stärker betroffen sind als städtische4. Dieses relativ schlechte Abschneiden bestätigt sich zusätzlich, wenn Alters- und Geschlechtsfaktoren herausgerechnet werden5. „Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben genau das getan, um herauszufinden, ob diese Prävalenzwerte vor allem mit einer relativen Überalterung zu tun haben könnten. Und das haben sie nicht, alle drei Kreise führen die Statistik auch unter diesen Bedingungen an“, bestätigt Smith. Hinzu kommt – auch das zeigen die Zahlen – dass Adipositas (starkes Übergewicht, BMI >30) und Diabetes (Typ 2) im Zusammenhang stehen. Auch soziale Benachteiligung ist ein wesentlicher Risikofaktor.

In einer aktuellen Arbeit des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) und des Robert-Koch-Instituts (RKI) wird prognostiziert, dass im Jahr 2040 bis zu 12 Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkrankt sein könnten. „Die erwarteten Steigerungsraten sind enorm und lassen sich nur verhindern, wenn es mit effektiven Präventionsmaßnahmen gelingt, die Neuerkrankungen deutlich zu reduzieren“, davon ist Smith überzeugt. Allein durch einen veränderten Lebensstil könnten 50 Prozent der Erkrankungsfälle verhindert werden. Zumal der Anteil von Personen mit einem unentdeckten Diabetes schon heute auf ca. 2 Prozent geschätzt wird. Für jene, bei denen bereits ein Diabetes diagnostiziert wurde, sind die sogenannten „Chronikerprogramme“ (z. B. AOK-Curaplan Diabetes mellitus Typ 2) ideal, um die Krankheit gut in den Griff zu bekommen. Speziell für AOK-Versicherte gibt es noch „Dimini“: Hier wird von den Hausärztinnen und -ärzten das individuelle Diabetesrisiko geprüft. Ist dieses erhöht, kann durch eine Ernährungs- und Bewegungsberatung der Krankheitseintritt verhindert oder zumindest stark verzögert werden.

Bundesweit betrachtet haben Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Berlin und Baden-Württemberg den geringsten Anteil an Diabetikerinnen und Diabetikern. Mit besonders niedrigen Quoten unter 5 Prozent stechen Heidelberg und Freiburg hervor. Doch selbst diese Werte liegen immer noch über dem Länder-Durchschnitt von Griechenland, Belgien oder Litauen6 .

1 Datengrundlage sind alle Bürgerinnen und Bürger, nicht nur AOK-Versicherte (Bezugsjahr: 2017)
2 Prävalenz für Deutschland: 8,6 Prozent (Platz 5 im europäischen Vergleich; Platz 20: Italien mit < 5 %)
3 Zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschäden
4 Insbesondere Groß-Gerau, Kassel, Frankfurt und Darmstadt liegen deutlich unter dem Hessenschnitt
5 Dieser sogenannte „Faire Wert“ basiert auf einer so genannten Referenzpopulation Hessens
6 Schlusslicht – im positiven Sinne – sind tatsächlich Litauen und Irland mit jew. < 4 Prozent

Beispiele

Diabeteshäufigkeit (Prävalenz) in ausgewählten Landkreisen und Großstädten in Hessen

HOCH

  • Hersfeld-Rotenburg (11,4 Prozent)
  • Werra-Meissner-Kreis (10,8 Prozent)
  • Vogelsbergkreis (10,6 Prozent)

MITTEL

  • Fulda (8,8 Prozent)
  • Schwalm-Eder-Kreis (8,7 Prozent)
  • Main-Kinzig-Kreis (8,5 Prozent)

NIEDRIG

  • Hochtaunuskreis (6,0 Prozent)
  • Darmstadt (6,0 Prozent)
  • Main-Taunus-Kreis (5,9 Prozent)