Saisonkräfte beschäftigen

Als Saisonkräfte kommen Arbeitnehmer oder Erwerbslose für eine vorübergehende Beschäftigung, etwa als Erntehelfer, nach Deutschland. Je nach Zugehörigkeit zu einer dieser Personengruppen sind die sozialversicherungsrechtlichen Regelungen unterschiedlich.

Saisonkräfte anmelden

Um die rechtliche Zuordnung von Saisonkräften zu erleichtern, haben die deutschen Sozialversicherungsträger einen Fragebogen zur Feststellung der Versicherungspflicht oder -freiheit entwickelt. Er enthält hilfreiche Angaben, um bereits im Vorfeld einer Beschäftigung Klarheit über das anzuwendende Recht zu schaffen. Der Fragebogen ist bei den „Arbeitsvermittlungen“, also den der deutschen Agentur für Arbeit entsprechenden Behörden im jeweiligen Heimatland, erhältlich. Dieser Vordruck ist im Original stets zweisprachig, also in der jeweiligen Landessprache und auf Deutsch, verfasst.

Gilt für den Arbeitnehmer deutsches Recht und besteht eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, meldet ihn der Arbeitgeber bei einer wählbaren Krankenkasse an und setzt bei der Anmeldung das Kennzeichen für Saisonarbeitnehmer („J“ im Feld „KENNZ-Saisonarbeitnehmer“).

Arbeitnehmer und Selbstständige

Werden für die Saisonarbeit Menschen eingesetzt, die in ihrem Heimatland Arbeitnehmer sind, ist für die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung zu unterscheiden, ob sie während eines bezahlten oder während eines unbezahlten Urlaubs in Deutschland arbeiten.

  • Ein in einem EU/EWR-Mitgliedstaat oder in der Schweiz wohnender und dort beschäftigter Arbeitnehmer, der während seines bezahlten Urlaubs eine Saisonarbeit in Deutschland ausübt, gilt für diese Zeit als gewöhnlich in mehreren Staaten beschäftigt (Mehrfachbeschäftigter). Für Mehrfachbeschäftigte gilt das Recht des permanenten Wohnstaats. Voraussetzung ist, dass ein wesentlicher Teil der Beschäftigung im Wohnstaat ausgeübt wird. Dies wird durch eine A1-Bescheinigung nachgewiesen.
  • Übt eine ansonsten im EU/EWR-Ausland oder in der Schweiz beschäftigte Person während eines unbezahlten Urlaubs eine Saisonarbeit in Deutschland aus, ist davon auszugehen, dass die deutschen Rechtsvorschriften über soziale Sicherheit gelten.
  • Werden Selbstständige in Deutschland als Saisonkräfte eingesetzt, kann es sich um eine Entsendung handeln. In diesem Fall gelten die Vorschriften des Heimatlandes, wenn die Dauer der Tätigkeit in Deutschland 24 Monate nicht überschreitet. Die selbstständige Saisonarbeit muss der regulären selbstständigen Arbeit ähnlich sein, also dieselbe Branche betreffen. Das heißt, ein Landwirt kann als Erntehelfer arbeiten, nicht aber ein Installateur. Ob das Recht des Heimatlandes weiterhin gilt, weisen die Selbstständigen mit einer A1-Bescheinigung nach.

Umlagen der Arbeitgeber

Saisonarbeitskräfte, die im Besitz einer Bescheinigung über die anzuwendenden Rechtsvorschriften des Wohn- oder Herkunftsstaats sind (A1-Bescheinigung) und im Rahmen dessen auch Anspruch auf Geldleistungen im Krankheitsfall und bei Mutterschaft nach Maßgabe der Verordnung (EWG) 1408/71 haben, sind nicht in das Verfahren zum Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz eingebunden. Sie bleiben daher bei der Feststellung der Arbeitnehmerzahl unberücksichtigt.

Für diese Personen sind keine Umlagebeträge zu entrichten. Etwaige Aufwendungen des Arbeitgebers für Entgeltfortzahlung beziehungsweise bei Mutterschaft sind nicht erstattungsfähig.

Bei der Bemessung der Insolvenzgeldumlage sind die Arbeitsentgelte ausländischer Saisonarbeitskräfte, die eine Entsendebescheinigung A1 vorlegen, nicht zu berücksichtigen. Wird keine A1-Bescheinigung vorgelegt, sind Insolvenzgeldumlagebeträge zu entrichten; dies gilt unabhängig davon, ob die Beschäftigung sozialversicherungspflichtig oder -frei ist.

Stand

Erstellt am: 01.07.2019

Alle Artikel im Thema
Zurück zum Thema

Weiteres zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Passende Informationen zum Thema Saisonkräfte beschäftigen

Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer

Bei der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in Deutschland gelten die gleichen Regeln wie für inländische Arbeitnehmer. Kommen sie aus einem Nicht-EU-Staat, ist ein Aufenthaltstitel nötig.

Mehr erfahren
Krankenkassenwahlrecht

Arbeitnehmer können ihre Krankenkasse frei wählen. Damit die Wahl der Krankenkasse rechtswirksam wird, sind Fristen zu beachten.

Mehr erfahren
Künstlersozialkasse: Beitragssatz bleibt stabil

Gute Nachrichten für alle Unternehmen, die Künstlersozialabgaben zahlen: Der Abgabesatz wird 2020 nicht erhöht.

Mehr erfahren
Kontakt zur AOK AOK/Region wählen
Grafik Ansprechpartner
Ihr Ansprechpartner steht Ihnen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung.
Grafik e-mail
Melden Sie uns Ihr Anliegen, wir antworten umgehend oder rufen Sie zurück.