Überblick: Betriebliche Altersversorgung – bAV – Tipps für Arbeitgeber

Der betrieblichen Altersversorgung kommt bei der Absicherung des Lebensstandards im Alter eine zunehmend wichtige Rolle zu. Für Arbeitgeber stellt sich dabei zunächst die Frage nach dem passenden Durchführungsweg. Zu beachten ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz. Für die Verwaltung der Verträge empfehlen sich strukturierte Personalprozesse.

Betriebsrente zusätzlich zur Altersrente

Die gesetzliche Rente allein wird künftig vielen Arbeitnehmern nicht mehr reichen, um ihren bisherigen Lebensstandard auch im Rentenalter zu halten. Neben der gesetzlichen Rente und der privaten Altersvorsorge gibt es in Deutschland eine weitere Möglichkeit, um ein finanzielles Polster für den Ruhestand anzusparen: die betriebliche Altersversorgung (bAV). 

Die Beträge zur bAV können entweder vom Arbeitgeber, vom Arbeitnehmer oder von beiden gemeinsam finanziert werden. Die Wahl von einem der möglichen sogenannten Durchführungswege hat für den Arbeitgeber rechtliche Konsequenzen, die er bei der Entscheidung berücksichtigen sollte.

Grundsätzlich hat jeder rentenversicherungspflichtig Beschäftigte Anspruch auf Umwandlung eines Teils seines Lohns oder Gehalts zugunsten einer bAV. Diese Form des Aufbaus einer Betriebsrente wird auch als Entgeltumwandlung bezeichnet. Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren dabei, künftige Lohnansprüche des Arbeitnehmers in eine Anwartschaft auf Versorgungsleistungen umzuwandeln.

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Formen der betrieblichen Altersversorgung

Um Arbeitgebern und Arbeitnehmern mehr Flexibilität bei der bAV zu ermöglichen, gibt es sie in fünf verschiedenen Formen – den Durchführungswegen. Möglich ist beispielsweise eine Direktversicherung. Zur Finanzierung seiner arbeitsrechtlichen Zusage schließt der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer eine Versicherung ab.

Die Leistungen aus der bAV werden dem Arbeitnehmer zum Renteneintritt ausgezahlt. Auf die Versorgungsbezüge aus der bAV oberhalb eines Freibetrags (2021: 164,50  Euro) werden dabei bei gesetzlich versicherten Rentnern Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung fällig.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) trat zum 1. Januar 2018 in Kraft. Es soll die weitere Verbreitung der bAV fördern. Die enthaltenen Maßnahmen und Veränderungen sind sowohl zur Förderung von bereits bestehender bAV als auch für das neue sogenannte Sozialpartnermodell konzipiert.

Reine Beitragszusage im Sozialpartnermodell

Bei der reinen Beitragszusage handelt es sich um eine neue Zusageform in den bekannten versicherungsförmigen Durchführungswegen Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung.

Damit wird es den Sozialpartnern ermöglicht, reine Beitragszusagen auf der Grundlage von Tarifverträgen einzuführen. Im Unterschied zu den klassischen Modellen der bAV sind bei der reinen Beitragszusage keine Mindest- oder Garantieleistungen der durchführenden Versorgungseinrichtungen vorgesehen. Arbeitgeber werden so von bisherigen Haftungsrisiken für Betriebsrenten entlastet.

Förderung der betrieblichen Altersversorgung

Längst nicht jeder Beschäftigte macht von den angebotenen Möglichkeiten Gebrauch: 2019 lag die Verbreitungsquote der bAV bei lediglich 56 Prozent. Weitere Maßnahmen, die Verbreitung der bAV zu fördern, sind:

  • Arbeitgeberförderbetrag für Geringverdiener über einen Steuerzuschuss
  • Verpflichtender Arbeitgeberbeitrag bei Entgeltumwandlung in Höhe von 15 Prozent des umgewandelten Entgelts seit 2019 für alle neuen und ab 2022 auch für Altverträge

Aufklärungspflichten des Arbeitgebers über die betriebliche Altersversorgung

Der Arbeitgeber hat keine allgemeine Pflicht, die Vermögensinteressen des Arbeitnehmers in der bAV Altersversorgung wahrzunehmen und seinem Arbeitnehmer darüber Informationen zu geben. Erteilt der Arbeitgeber jedoch Auskünfte, müssen diese richtig, eindeutig und vollständig sein. Ansonsten haftet der Arbeitgeber für Schäden, die der Arbeitnehmer aufgrund der fehlerhaften Auskunft erleidet. Arbeitgeber müssen demzufolge auch auf die „negativen“ Wirkungen einer Entgeltumwandlung schriftlich hinweisen wie zum Beispiel die nachgelagerte Besteuerung, den vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag auf die Leistungen im Rentenalter und die eingeschränkte Vererbbarkeit durch eingeschränkte Hinterbliebenenbegriffe.

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Stand

Zuletzt aktualisiert: 01.01.2021

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