Richtiges Lüften kann vor Corona schützen

Frischluft verspricht Schutz vor Viren. Für die Arbeit in geschlossenen Räumen gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten: Lüften über die Fenster, die Nutzung einer vorhandenen Raumlufttechnik und das Aufstellen mobiler Luftreiniger. Diese Regeln sind bei den verschiedenen Methoden zu beachten.

Bewährte Formel: AHA + L

Vor allem, wenn sich Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten, gilt für die bekannte „AHA-Formel“ (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen) eine Erweiterung: AHA + L. Das L steht für „Lüften“. Denn ein möglicher Übertragungsweg für das Coronavirus sind die sogenannten Aerosole. Das sind feinste, virenbehaftete Schwebeteilchen in der Luft. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mitteilt, erhöht sich bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen das potenzielle Risiko einer Übertragung durch Aerosole. Das bedeutet auch: Regelmäßiges Lüften – durch Stoß- und Querlüften oder über die Lüftungstechnik in den jeweiligen Räumen – kann das Risiko einer Coronainfektion reduzieren.

Stoßlüften und querlüften über die Fenster

Fenster auf! Das ist die klassische Methode, wenn keine raumlufttechnische Anlage vorhanden ist. Die hereinströmende Frischluft verdünnt sozusagen die Raumluft, die Konzentration von möglicherweise virenbehafteten Aerosolen sinkt. Hierbei sollten die Fenster weit geöffnet werden. Man spricht vom Stoßlüften. Noch wirksamer ist das sogenannte Querlüften, wobei gegenüberliegende Fenster und/oder Türen geöffnet werden. In ihrer Broschüre „Infektionsschutzgerechtes Lüften – Hinweise und Maßnahmen in Zeiten der SARS-CoV-2-Epidemie“ empfiehlt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA):

  • Eine Fensterlüftung soll bei Tätigkeitsaufnahme und dann in regelmäßigen Abständen erfolgen.
  • In Büros sollte mindestens alle 60 Minuten, in Besprechungsräumen alle 20 Minuten gelüftet werden – so lautet die Empfehlung in der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A3.6. In der Zeit der Pandemie ist dringend zu empfehlen, die Lüftungsfrequenz noch weiter zu erhöhen.
  • Je nach Außentemperatur sollte für drei Minuten (Winter) bis zehn Minuten (Sommer) gelüftet werden.
  • Wer ganz sichergehen will, dass genug gelüftet wird, kann laut BAuA zudem den CO2-Gehalt in der Luft messen, denn: Von der CO2-Konzentration kann man auf die Menge schwebender Aerosole schließen. Das Messen geht beispielsweise mit einer sogenannten CO2-Ampel, die es im Fachhandel zu kaufen gibt. Solche Geräte geben zwar nicht an, wie hoch die Virenbelastung der Raumluft ist, aber sie sind ein guter Indikator. Es gilt: Eine CO2-Konzentration von maximal 1.000 ppm (das sind 0,1 Prozent) und eine relative Luftfeuchte von 40 bis 60 Prozent sind erstrebenswert in der Zeit der Pandemie. Steigen die Werte darüber, muss dringend gelüftet werden. CO2-Ampeln sehen aus wie kleine Raumthermometer und kosten ab circa 100 Euro.

Fest installierte Lüftungstechnik

An vielen Industrie-Arbeitsplätzen, aber auch in modernen Bürohochhäusern ist es oft nicht möglich, einfach mal die Fenster aufzumachen. Vielmehr erfolgen Be- und Entlüftung sowie oft auch Heizung und Klimatisierung über eine raumlufttechnische Anlage (RLT-Anlage), die fest in das Gebäude integriert ist. Die BAuA stellt fest: Werden RLT-Anlagen ausschließlich mit Außenluft oder mit einem hohen Außenluftanteil betrieben, oder wird die Umluft über geeignete Filter geführt, ist das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 insgesamt als gering einzustufen.

RLT-Anlagen müssen sachgerecht eingerichtet, betrieben und instand gehalten werden, was in die Zuständigkeit des Gebäudebetreibers bzw. seines Facility-Managements fällt. Sofern die Mitarbeiter in einem Firmengebäude auf die Bedienung der RLT-Anlage Einfluss nehmen können, wird empfohlen, diese während der Arbeitszeiten nicht abzuschalten, sondern im Dauerbetrieb zu belassen, damit ständig Frischluft zugeführt wird. Falls die Anlage nicht über ein Filtersystem zur Abscheidung von virenbelasteten Aerosolen verfügt (oder falls das nicht bekannt ist): Umluftbetrieb vermeiden!

Mobile Luftreiniger als Ergänzung

Auch mobile Luftreiniger können die Virenkonzentration im Raum auf ein weniger riskantes Niveau senken. Die Luftreiniger sind meist in drei Stufen aufgebaut: Der Vorfilter fischt grobe Fusseln aus der Luft, ein zweiter Filter fängt Aerosolpartikel und Pollen ab, der dritte Filter besteht aus Aktivkohle und bindet Gerüche und gasförmige Verbindungen wie Formaldehyd.

Die Stiftung Warentest kam im Test 01/2022 zu dem Ergebnis, dass eine Mischung aus Stoßlüften und Filtern die beste Methode ist, um die Virenlast im Raum niedrig zu halten. Es wurden sieben Filter getestet. Die Anschaffungskosten lagen zwischen 171 und 455 Euro, wobei der Testsieger zu den günstigeren Geräten zählte. Berücksichtigt werden müssen zusätzlich noch die Stromkosten und der Kauf von Ersatzfiltern, denn der Test zeigte auch: Nach vier bis fünf Monaten Gebrauch lässt die Wirksamkeit der Filter signifikant nach und es sollte ein Ersatzfilter eingesetzt werden.

Neben Viren filtern die Luftreiniger auch sehr gut Pollen aus der Luft. Das hilft vor allem Allergikern.

Bei kalten Temperaturen

Dass es nicht optimal ist, bei kühlen Temperaturen mit dauerhaft geöffnetem Fenster zu arbeiten, steht außer Frage. Aus gesundheitlichen Aspekten ist es dennoch sinnvoll. Gegen das Frieren im Büro gilt dieselbe Regel wie beim Aufenthalt im Freien: Mehrere dünne Kleidungsstücke, die übereinander getragen werden (Zwiebelschalenprinzip), sind besser als ein einzelner dicker Pullover. Arbeitsteams und Führungskräfte sollten sich nach Möglichkeit flexibel zeigen und untereinander abstimmen, wer wo sitzt, um das Wohlbefinden für alle nicht zu sehr einzuschränken.

Stand

Zuletzt aktualisiert: 17.03.2022

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