Corona-Krise bringt auch positive Aspekte ins Arbeitsleben

Neben vielen Herausforderungen bringt die Corona-Krise auch positive Aspekte ins Arbeitsleben, so eine aktuelle Studie der AOK. Zu den wichtigsten erfreulichen Erlebnissen während der Pandemie gehört ein besserer Zusammenhalt im Unternehmen.

Folgen der Pandemie beeinflussen das Arbeitsleben stark

Über die Hälfte der mittelständischen Arbeitgeber (57 Prozent) haben in der Corona-Krise sowohl positive als auch negative Erfahrungen gemacht. Für lediglich ein Viertel der befragten Arbeitgeber brachte die Corona-Krise keine relevanten Entwicklungen und Erfahrungen mit sich. Dies ergab eine aktuelle Erhebung  der Produkt + Markt marketing research GmbH & Co. KG im Auftrag des AOK-Bundesverbandes unter 500 mittelständischen Arbeitgebern (10 bis 250 Beschäftigte) im Bundesgebiet. Darüber hinaus wurden im Rahmen einer forsa-Umfrage im Auftrag der AOK mehr als 1.000 Arbeitnehmer zu den pandemiebedingten Entwicklungen ihrer Arbeitswelten und daraus resultierenden Erwartungen befragt.

Arbeitgeber: Schnell und flexibel reagiert

Rund 80 Prozent der befragten Vertreter der Arbeitgeberseite sind sich sicher: Ihr Unternehmen hat sich gut auf die Corona-Situation eingestellt, etwa durch flexibles Arbeiten im Homeoffice (45 Prozent), das Einführen neuer digitaler Lösungen (37 Prozent) oder das Umstellen des Angebotsportfolios (22 Prozent). Bei größeren Unternehmen sowie Unternehmen der Dienstleistungsbranche fällt der Anteil tendenziell sogar höher aus.

Mehr Zusammenhalt in Unternehmen

Insgesamt geben 65 Prozent der Unternehmen an, Positiverlebnisse gemacht zu haben. Gefragt nach den positiven Veränderungen, werden von Arbeitgebern mit deutlichem Abstand ein besserer Zusammenhalt und eine höhere Solidarität im Unternehmen genannt. 37 Prozent der Arbeitgeber mit positiven Erlebnissen wiesen von sich aus auf diese Aspekte hin. Auf gezielte Nachfrage bestätigen 51 Prozent der befragten Arbeitgeber, dass der gestiegene Zusammenhalt unter den Mitarbeitern eine positive Erfahrung darstellt. 45 Prozent bestätigen, dass das Vertrauen zwischen Belegschaft und Unternehmensleitung gestiegen ist.

Mehr Motivation, mehr Verständnis

Weitere positive Erfahrungen, die von Arbeitgeberseite geschildert werden, sind ein hohes Verständnis sowie eine hohe Dankbarkeit der Kunden gegenüber dem Unternehmen. Zudem sei die Motivation der Mitarbeiter trotz der Herausforderungen der Corona-Krise höher gewesen.

Arbeitnehmer schätzen Homeoffice

Demgegenüber weisen bei den Arbeitnehmern 77 Prozent auf positive Entwicklungen im Arbeitsleben hin. Das flexible Arbeiten im Homeoffice stellt dabei den häufigsten Positiv-Aspekt dar. Fast die Hälfte der befragten Arbeitnehmer hat in den letzten Wochen von zu Hause gearbeitet. Diese Arbeitnehmer können der Corona-Krise deutlich häufiger positive Aspekte abgewinnen als Arbeitnehmer, die keine Homeoffice-Möglichkeit haben. Auch viele Arbeitgeber stehen dem Thema Homeoffice positiv gegenüber. 20 Prozent der Unternehmen, die Home-Office während der Pandemie verstärkt eingesetzt haben, wollen das Arbeiten von zu Hause auch in Zukunft für den Betrieb nutzen. 14 Prozent der Arbeitgeber glauben sogar, dass ihre Mitarbeiter im Homeoffice produktiver arbeiten als im Büro.

Neben dem Thema Homeoffice nennen die befragten Arbeitnehmer weitere positive Erfahrungen während der Krise. So hätten sie zum Beispiel neue Arbeitsmethoden, -inhalte und -weisen gelernt (38 Prozent) oder konnten mehr Zeit mit der Familie verbringen, zum Beispiel durch Kurzarbeit oder Homeoffice (35 Prozent). Mehr als ein Fünftel der Befragten (22 Prozent) hatte mehr Gelegenheit für Sport und Bewegung.

Trennung von Arbeits- und Privatleben schwierig

Über 80 Prozent der Arbeitnehmer geben aber auch an, negative Erfahrungen bezogen auf das Arbeitsleben gemacht zu haben. Bei diesen Arbeitnehmern trat am häufigsten (38 Prozent) eine höhere Arbeitsbelastung durch die Corona-Krise auf. Rund ein Drittel (34 Prozent) hatte weniger Zeit oder Lust auf Sport und Bewegung. Zudem ist zu beobachten, dass sich Arbeitnehmer im Homeoffice etwas weniger bewusst und weniger gesund ernährt haben als Arbeitnehmer ohne Homeoffice. Jeder Vierte (23 Prozent) beklagt außerdem, dass Arbeits- und Privatleben durch das Arbeiten von zu Hause nicht mehr klar getrennt sind. Ein Viertel (26 Prozent) sorgt sich, dass sich das Betriebsklima verschlechtert hat, zum Beispiel wegen Entlassungen oder einer schlechten Auftragslage.

Geringere Umsätze und Verunsicherung trüben das Bild

Auch bei den Arbeitgebern weisen laut Umfragen 66 Prozent auf negative Erfahrungen hin. Von ihnen gibt jeweils rund jeder siebte Arbeitgeber geringere Umsätze, Aufträge oder Buchungen an. Problematisch sehen diese Arbeitgeber auch ein mangelndes Verständnis auf Kundenseite sowie die aufwändige Umsetzung der Hygienemaßnahmen. Hinzu komme die eigene Corona-bedingte Verunsicherung.

Für die Zukunft lernen: Mitarbeiter mehr im Blick

Gleichzeitig geben Arbeitgeber an, wichtige Lehren aus der Corona-Pandemie zu ziehen. Dazu gehört vor allem, die Belange von Mitarbeitern stärker im Blick zu behalten. So haben 45 Prozent der Arbeitgeber vor, Veränderungen im Unternehmen zukünftig noch schneller und offener gegenüber den Mitarbeitern zu kommunizieren. Knapp 40 Prozent geben an, die Belastung der Beschäftigten mehr berücksichtigen und sie bei anstehenden Veränderungen stärker einbinden zu wollen.Ein Fünftel aller befragten Arbeitgeber plant, auch in Zukunft Homeoffice für das Unternehmen verstärkt zu nutzen. Ein Drittel der Arbeitgeber möchte außerdem die Situation von Beschäftigten mit Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen stärker berücksichtigen. Zudem gibt ein knappes Drittel der Unternehmen an, dass Betriebliche Gesundheitsförderung einen höheren Stellenwert erfahren wird.

Arbeitnehmer mit hohen Erwartungen

Damit treffen die Arbeitgeber den Wunsch vieler Arbeitnehmer, die in den vergangenen Wochen hohe Erwartungen an die Arbeitgeber entwickelt haben. So sind über 90 Prozent der Arbeitnehmer der Ansicht, dass Betriebe Veränderungen noch schneller und offener kommunizieren und mehr auf die Belastung ihrer Mitarbeiter achten sollten. Ähnlich viele Befragte wünschen sich, dass sie bei anstehenden Veränderungen stärker miteingebunden werden. 89 Prozent möchten, dass der Zusammenhalt unter den Mitarbeitern im Unternehmen und im Team mehr gefördert werden sollte. Fast ebenso viele Befragte wünschen sich mehr Rücksicht für Kollegen mit Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen. Dass Betriebe die Gesundheit ihrer Mitarbeiter stärker fördern sollten, findet Zustimmung bei 85 Prozent der Befragten. 82 Prozent der Befragten erhoffen sich mehr Vertrauen von Seiten der Vorgesetzten, insbesondere im Homeoffice.

Kurzarbeit als hilfreiches Mittel

Die positiven Effekte der Corona-Krise dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Entwicklung vieler Unternehmen deutlich durch die Corona-Krise beeinflusst wurde. 37 Prozent bewerten die Auswirkungen als sehr kritisch. Denen gegenüberstehen aber auch 29 Prozent, die eher eine gute Entwicklung verzeichnen. Die wirtschaftliche Situation der Unternehmen litt nach Angaben der Befragten insgesamt nicht so stark, wie Zahlen zu weniger Neuaufträgen (bei 45 Prozent der Unternehmen) und Auftragsstornierungen (bei 38 Prozent) hätten vermuten lassen. Maßnahmen wie Kurzarbeit (40 Prozent) oder die Optimierung interner Prozesse scheinen wichtige Beiträge zur Minderung der wirtschaftlichen Schäden geleistet zu haben.

Stand

Erstellt am: 31.08.2020

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