Fehlzeiten-Report 2026: Fokus mentale Gesundheit
Fokusthema mentale Gesundheit in der Arbeitswelt
Der Fehlzeiten-Report wird seit 1998 vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld und der Berliner Hochschule für Technik herausgegeben. Neben detaillierten Analysen zur jüngsten Entwicklung des Krankenstandes beinhaltet der aktuelle Report insgesamt 25 Beiträge zum Schwerpunktthema „Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt stärken“.
Psychische Erkrankungen sind nicht der häufigste Grund für Krankmeldungen. Wer aber deswegen ausfällt, fehlt besonders lange: im Schnitt fast einen Monat pro Fall (28,5 Tage). Deshalb fallen sie beim Krankenstand insgesamt stark ins Gewicht.
Hinzu kommt: Die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen ist in den vergangenen zehn Jahren um gut 40 Prozent gestiegen.
Besonders betroffen sind Beschäftigte im Dialogmarketing, also zum Beispiel in Callcentern. Sie werden mit großem Abstand am häufigsten aus psychischen Gründen krankgeschrieben. Danach folgen Beschäftigte in der Haus- und Familienpflege sowie in der Altenpflege.
Woher kommt die Belastung? Eine aktuelle Befragung von Beschäftigten zeigt: Viele machen sich Sorgen um ihre finanzielle Lage oder haben Angst, ihren Job zu verlieren.
Ursachen für hohe Krankenstände
Zwar sind die Fehlzeiten im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken, die dennoch insgesamt hohe Zahl der Fehltage führen die Fachleute auch auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) zurück, mit der eine vollständigere Erfassung der AU-Bescheinigungen einhergeht. Zuvor waren die AU-Bescheinigungen der Versicherten nicht vollständig der Krankenkasse vorgelegt worden, vermuten die Autoren.
Die häufigsten Erkrankungsarten

Die meisten Fehlzeiten gehen auf sechs Krankheitsarten zurück:
Atemwegserkrankungen
Atemwegserkrankungen wie Erkältungen sind mit Abstand der häufigste Grund für Fehlzeiten: Auf 100 Versicherte kommen rund 80 Krankmeldungen. Meist sind die Betroffenen aber schon nach knapp einer Woche wieder fit.
Muskel- und Skelett-Erkrankungen
Muskel- und Skelett-Erkrankungen, etwa Rückenschmerzen, folgen auf Platz zwei. Sie dauern deutlich länger, im Schnitt gut zwei Wochen.
Magen-Darm-Erkrankungen
Magen-Darm-Erkrankungen kommen seltener vor und sind meist nach wenigen Tagen überstanden.
Verletzungen
Zwar kommen Verletzungen nicht so häufig vor, sie führen aber oft zu längeren Ausfällen von fast drei Wochen.
Psychische Erkrankungen
Zwar liegen psychische Erkrankungen bei der Häufigkeit nur auf Platz fünf, sie dauern aber am längsten: Betroffene fehlen im Schnitt fast einen Monat.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Unter den sechs häufigsten Ursachen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen am seltensten, ziehen aber ebenfalls lange Ausfälle nach sich.
Datenbasis für die repräsentative Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) sind die Arbeitsunfähigkeitsdaten der circa 15 Millionen erwerbstätigten AOK-Versicherten in Deutschland.
Definition: Fehlzeiten nicht nur durch Krankenstand
Fehlzeiten sind per Definition in Stunden oder Tagen gemessene Abwesenheiten der Mitarbeitenden vom Arbeitsplatz. Dabei gibt es verschiedene Arten von Fehlzeiten. Neben krankheitsbedingten Abwesenheiten gibt es Abwesenheiten durch Fortbildung und Zusatzurlaub oder sogenannte motivational bedingte Abwesenheiten, die ein Anzeichen für fehlende Arbeitszufriedenheit sein können. Solche „Minusstunden“ werden allerdings bei Fehlzeitenstatistiken ebenso wenig berücksichtigt wie Fehlzeiten durch Zusatzurlaub oder Weiterbildung.
Es geht im Fehlzeiten-Report der AOK-Gemeinschaft vielmehr darum, durch die systematische Untersuchung von Arbeitsunfähigkeit, die meist durch Krankheit verursacht wird, Rückschlüsse über den Gesundheitszustand von Beschäftigten zu ziehen.
Gesunde Arbeitsbedingungen schaffen
Wer im Betrieb auf gesunde Arbeitsbedingungen achtet, senkt die Fehlzeiten. Wichtig sind vor allem ein gutes Betriebsklima, eine gesunde Führung und ein konstruktiver Umgang mit Fehlern.
Auch der Blick auf die eigenen Fehlzeiten hilft, Probleme früh zu erkennen. Die betriebseigene Statistik allein reicht dafür aber oft nicht aus.
Es ist eine der wichtigsten Aufgaben einer Unternehmensleitung, die krankheitsbedingten Fehlzeiten im Unternehmen unter die Lupe zu nehmen und daraus Schlüsse für ein gesundes Unternehmen zu ziehen.
Unterstützung der AOK
Dabei kann die Analyse der AOK eine gute Basis für Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung sein.
Nutzen Sie die große Erfahrung der Gesundheitskasse mit Krankenstands- und Ursachenanalysen in Unternehmen. Altersstufen, Geschlecht, Entgelfortzahlungsdauer und Krankengeldbezugszeit werden differenziert dargestellt. Diagnosegruppen nach Abteilungen geben Aufschluss über die Ursachen der krankheitsbedingten Fehlzeiten. Dabei wird höchster Wert auf Datenschutz gelegt. Firmenspezifische Daten können mit anderen Durchschnittswerten, etwa aus derselben Branche, verglichen werden. Unsere Fachleute helfen gern weiter.
Stand
Zuletzt aktualisiert: 29.10.2026
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