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Gesundheitsmagazin

Stoffwechsel

Was ist Adipositas und wie verläuft die Therapie?

Veröffentlicht am:20.05.2022

6 Minuten Lesedauer

In Deutschland sind immer mehr Menschen stark übergewichtig. Ein Anlass zur Sorge, denn Adipositas ist mit zahlreichen Folgeerkrankungen verbunden. Hier werden die Risikofaktoren für Übergewicht vorgestellt sowie Maßnahmen, um es zu verringern.

Eine junge adipöse Frau sitzt mit ihrer Ärztin in der Praxis am Tisch und lässt sich beraten.

© iStock / peakSTOCK

Inhalte im Überblick

    Was ist Adipositas?

    Menschen sind individuell: Wir sehen unterschiedlich aus, sind unterschiedlich groß und unterschiedlich schwer. Manche von uns sind schon immer kräftiger als andere und fühlen sich auch wohl damit. Trotzdem sollten wir mit Übergewicht nicht zu unbekümmert umgehen – und mit starkem Übergewicht erst recht nicht. Krankhaftes Übergewicht oder Fettleibigkeit wird als Adipositas bezeichnet. Dieser Fachbegriff lässt sich leicht erklären: „Adeps“ ist schlicht das lateinische Wort für „Fett“.

    Ist Übergewicht eine Krankheit?

    Das Problem bei Adipositas ist nicht das Übergewicht selbst, auch wenn es uns in unserer Mobilität im Alltag einschränken kann. Es ist unter Fachleuten sogar umstritten, ob Adipositas allein eine Krankheit ist. Es gibt Menschen, die trotz Adipositas körperlich fit sind. Darauf darf man sich allerdings nicht verlassen, denn zahlreiche Erkrankungen werden durch starkes Übergewicht ausgelöst oder zumindest begünstigt. Man spricht hier von Folgeerkrankungen.

    Folgeerkrankungen der Adipositas

    Besonders im Bauchbereich produzieren Fettzellen Hormone und verändern den Stoffwechsel. Bei adipösen Menschen kann es dadurch zu Entzündungen im Fettgewebe kommen, die das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. Außerdem belastet das Gewicht Gelenke, Organe und Kreislauf. Häufige Folgen sind beispielsweise:

    Je länger die Adipositas besteht und je ausgeprägter sie ist, desto wahrscheinlicher sind Folgeerkrankungen. Diese wiederum können das Übergewicht verstärken, etwa wenn bei Arthrose wegen des Schmerzes Bewegungen vermieden werden. Adipositas wirkt sich aber nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche aus. Viele Betroffene fühlen sich unwohl in ihrem Körper und das Risiko für psychische Probleme steigt.

    Ein adipöser junger Mann sitzt auf seinem Bett und starrt deprimiert aus dem Fenster.

    © iStock / Motortion

    Viele adipöse Menschen fühlen sich im eigenen Körper unwohl.

    BMI und Adipositas

    Ab wann ist man nicht mehr nur etwas übergewichtig, sondern adipös? Hierfür wird der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen, der sich aus dem Verhältnis von Körpergröße zum Körpergewicht errechnet. Seine einfache Formel lautet: Gewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Für einen 1,80 Meter großen Menschen mit einem Gewicht von 80 Kilogramm ergibt sich die Gleichung: 80 : 1,82 = 24,7. BMI-Rechner finden Sie im Internet, zum Beispiel auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

    Ab einem BMI von 25 gilt man als übergewichtig und ab einem Wert von 30 spricht man von Adipositas. Diese wird in drei Grade differenziert: Grad I (30–34,9), Grad II (35–39,9) und Grad III (40 und darüber). Allerdings sind das nur Orientierungshilfen, denn ein hoher BMI liefert nur Hinweise auf einen zu hohen Körperfettanteil. Einen exakten Aufschluss über die individuelle körperliche Verfassung gibt er nicht, da nicht zwischen Fett und Muskelmasse unterschieden wird. Auch über die Verteilung des Körperfetts sagt der BMI nichts aus. Weil Fett im Bauchbereich ein höheres gesundheitliches Risiko darstellt als an anderen Körperstellen, wird für eine Adipositas-Diagnose noch der Bauchumfang herangezogen. Ist er bei Männern größer als 102 Zentimeter und bei Frauen größer als 88 Zentimeter, ist das ein zusätzlicher Hinweis auf zu viel Bauchfett.

    Adipositas – die Ursachen

    Meistens ist Adipositas die Folge eines unausgewogenen körperlichen Energiehaushalts. Das heißt, wir nehmen über die Nahrung mehr Kalorien zu uns, als wir verbrauchen. Nicht verbrauchte Kalorien werden vom Körper als Fett eingelagert. Wenn man selbst mit Übergewicht zu kämpfen hat, beschleicht einen oft das Gefühl, dass andere essen und trinken können, was sie wollen, ohne zuzunehmen. Tatsächlich zählt die familiäre Veranlagung zu den Risikofaktoren für Adipositas, wobei meist mehrere zusammenwirken. Wichtige Faktoren sind:

    • Genetische Veranlagung

      Wenn schon die Eltern oder andere nahe Verwandte zu Übergewicht neigen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, selbst übergewichtig zu werden. Manche Gene beeinflussen das Sättigungsgefühl, während andere Einfluss darauf nehmen, wie gut unser Körper Nahrung verwertet.

    • Persönlicher Lebensstil

      Vor allem die Kombination aus ungesunder (zucker- und fettlastiger) Ernährung und wenig Bewegung fördert Adipositas.

    • Psychische Erkrankungen und psychische Belastungen

      Depressionen oder depressive Stimmungslagen können zu übermäßigem Essen führen, das als Ausgleichshandlung dient. Die Binge-Eating-Störung ist eine als eigenständige psychische Erkrankung anerkannte Essstörung. Sie zeichnet sich durch Heißhungerattacken aus. Aber auch Stress verleitet Menschen zum Essen. In Stresssituationen kommt es zur Ausschüttung des Hormons Cortisol, das Hunger und Appetit steigert.

    • Hormonelle Störungen

      Cortisol kann auch krankheitsbedingt übermäßig im Blut vorkommen und permanent den Appetit anregen. Dann spricht man vom Cushing-Syndrom. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion, die den Stoffwechsel verlangsamt, erhöht das Adipositas-Risiko. Außerdem kann das Hormon Leptin eine Adipositas begünstigen. Leptin beeinflusst unser Hunger- und Sättigungsempfinden. Wenn unser Gehirn die Signale des Leptins nicht richtig interpretieren kann, spricht man von einer Leptin-Resistenz. Die Folge: Trotz ausreichender Nahrungsaufnahme verspüren Betroffene weiter ein Hungergefühl.

    • Medikamente

      Manche Medikamente können als Nebenwirkung Übergewicht begünstigen, vor allem bestimmte Mittel gegen Diabetes, Bluthochdruck, Epilepsie oder psychische Erkrankungen (zum Beispiel Antidepressiva und Neuroleptika). Einige dieser Medikamente werden bei Erkrankungen eingesetzt, die selbst eine mögliche Folge der Adipositas sind. Deshalb ist auf ungünstige Wechselwirkungen zu achten.

    • Rauchstopp

      Essen ist eine mögliche Ersatzhandlung bei der Nikotinentwöhnung. Allerdings überwiegen die Vorteile, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Eine mögliche Gewichtszunahme ist kein Anlass, weiter zu rauchen.

    Adipositas-Behandlung

    Wann eine Adipositas-Therapie aus medizinischer Sicht geboten ist, muss ein Arzt entscheiden. Mögliche Anlässe zur Behandlung sind eine übermäßige Fettansammlung im Bauchbereich, Zusatzerkrankungen durch das Übergewicht (wie Bluthochdruck oder Diabetes), Erkrankungen, die durch Adipositas verschlimmert werden (wie Arthrose) oder auch ein hoher psychosozialer Leidensdruck. Ziel der Behandlung ist eine dauerhafte Verringerung des Körpergewichts.

    Therapieansätze und Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas sind:

    • Ernährungstherapie

      Damit wir abnehmen, muss unser Körper mehr Energie verbrauchen, als aufgenommen wird. Bei der Ernährungstherapie geht es darum, für jeden Patienten die richtige Diät herauszufinden, die über einen ausreichend langen Zeitraum die Energieaufnahme nachhaltig vermindert. Und das möglichst ohne gesundheitliche Risiken, denn stark kalorienreduzierte Diäten können Nebenwirkungen haben. Deshalb steht vor einer Diät eine gründliche ärztliche Untersuchung an und während der Diät eine regelmäßige ärztliche Kontrolle.

    • Bewegungstherapie

      Mehr Bewegung steigert den Energieverbrauch. Dazu können schon alltägliche Aktivitäten beitragen wie schnelles Gehen oder die Treppen zu nehmen – statt Aufzug oder Rolltreppe. Hinzu kommen angeleitete Trainingsprogramme. Wichtig ist, dass auch hier Risiken vermindert werden und stark adipöse Menschen nur solche Bewegungs- und Sportarten wählen, die die Gelenke nicht zu sehr belasten.

    • Verhaltenstherapie

      Oft wissen wir, was eigentlich gut für uns wäre, und tun es trotzdem nicht. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen können uns hier helfen. Bei Adipositas ist das Ziel einer Verhaltenstherapie, die Verhaltensweisen, die das Übergewicht hervorgerufen haben, zu erkennen und zu verändern. Es geht um Strategien, das Ess-, Einkaufs- oder Bewegungsverhalten zu verändern und zu kontrollieren.

    • Medikamente

      Nur wenn sich nach einer Umstellung auf gesündere Ernährung und mehr Bewegung kein Erfolg eingestellt hat, kommt eine medikamentöse Therapie in Betracht. Etwa, wenn bestimmte Risikofaktoren oder Zusatzerkrankungen vorliegen. Eine solche Behandlung darf nur über ärztliche Verordnung und nur zusammen mit einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung erfolgen – nicht stattdessen.

    • Operation

      Die allerletzte Maßnahme bei schwerer Adipositas sind chirurgische Eingriffe, um das Hungergefühl zu unterdrücken: zum Beispiel eine Magenverkleinerung, ein Magenbypass oder ein Magenband. Nach der Magenverkleinerung bleibt nur noch ein sogenannter Schlauchmagen übrig. Beim Bypass werden große Teile des Magens und des Dünndarms umgangen. Beim Magenband wird eine kleine Magentasche gebildet, indem ein Silikonband um den oberen Teil des Magens geschlungen wird. Nahrung gelangt nur in diese kleine Tasche, die sich schneller füllt als der gesamte Magen, wodurch man insgesamt weniger isst.

      Jede Operation ist mit Risiken verbunden. Möglicherweise kann danach der Verdauungstrakt Vitamine und Nährstoffe nur noch eingeschränkt aufnehmen. Deswegen müssen Vor- und Nachteile gemeinsam mit dem Arzt sorgfältig abgewogen werden – und auch hier geht es nicht ohne Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten.

    Auch bei Adipositas: Vorsorge ist am besten

    Übergewichtigkeit ist weit verbreitet. In Deutschland sind zwei Drittel der Männer (67 Prozent) und über die Hälfte der Frauen (53 Prozent) übergewichtig. Mit 23 Prozent bei den Männern und 24 Prozent bei den Frauen ist sogar knapp ein Viertel aller Erwachsenen adipös. Zusammen mit den möglichen Folgeerkrankungen ist Adipositas also von erheblicher Bedeutung für das Gesundheitssystem.

    Bei einer ungünstigen Veranlagung oder wenn mehrere Risikofaktoren zusammenwirken, kann Adipositas nicht immer verhindert werden. Wie bei vielen anderen Krankheiten kann die Wahrscheinlichkeit für Adipositas verringert werden, wenn die Risikofaktoren vermieden oder vermindert werden. Der wichtigste Ansatzpunkt ist deshalb der persönliche Lebensstil: also eine möglichst gesunde und ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegung.

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