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BMI und Waist-to-Hip-Ratio: Was die Werte aussagen und wie man sie errechnet

Eine Frau steht auf der Waage, die ein hohes Gewicht anzeigt.

© iStock / Rike_

Lesezeit: 7 MinutenAktualisiert: 15.12.2021

BMI und Waist-to-Hip-Ratio galten lange Zeit als wichtige Anhaltspunkte, an denen sich viele hinsichtlich ihres Gewichts und ihrer Ernährung orientierten. Doch in den letzten Jahren ist vor allem der BMI in Verruf geraten. Was sagen die Werte aus?

Inhalte im Überblick

    Was heißt Body-Mass-Index und wie misst man ihn?

    Der Body-Mass-Index (BMI) wurde von Adolphe Quetelet, einem belgischen Astronomen und Statistiker, im 19. Jahrhundert entwickelt. Erst in den 1970er-Jahren stellten Forscher fest, dass er ein guter Anhaltspunkt für Probleme im Zusammenhang mit Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) ist. Noch heute ist der BMI für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das gängige Maß zur Angabe des Ernährungszustandes bei Erwachsenen. Mit ihm lässt sich feststellen, ob eine Person über-, unter- oder normalgewichtig ist. Er setzt sich wie folgt zusammen:

    BMI = Gewicht (in Kilogramm) / Körpergröße (in Metern)2

    Für Erwachsene über 20 Jahren fällt der BMI laut WHO in eine der folgenden Kategorien:

    • unter 18,5: Untergewicht
    • 18,5–24,9: Normalgewicht
    • 25,0–29,9: Übergewicht
    • 30,0–34,9: Adipositas Grad I
    • 35,0–39,9: Adipositas Grad II
    • über 40: Adipositas Grad III

    Im Laufe der Zeit entwickelte sich der BMI zum Risikoindikator für Krankheiten. Und besagt Folgendes: Mit steigendem BMI erhöht sich auch das Risiko für einige Krankheiten, da übermäßiges Körperfett einen großen Einfluss auf die Gesundheit hat. Die Werte stehen zudem in direktem Verhältnis zu Adipositas.

    Faustregel

    Laut National Institute of Health (NIH) gilt folgende Faustregel:

    Je höher der BMI, desto höher ist das Risiko für Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Gallensteine, Atemprobleme und bestimmte Krebsarten.

    Genutzt wird der BMI auch für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen. Bei Kindern wird der BMI wie bei Erwachsenen berechnet und dann mit sogenannten Perzentilen verglichen, speziellen Gewichts- und Größenkurven für Babys und Kinder. Im Kindes- und Jugendalter variiert das Verhältnis zwischen Gewicht und Größe je nach Geschlecht und Alter allerdings häufig. Ein Kinderarzt kann Ihnen die Kurve erklären und hat die Werte des Kindes bei den U-Untersuchungen im Blick.

    Warum ist der BMI nicht immer aussagekräftig?

    Da er nur von der Größe und dem Gewicht abhängt und andere wichtige Faktoren wie Alter, körperliche Aktivität und Geschlecht nicht berücksichtigt, ist der BMI nicht immer aussagekräftig. Gerade bei Selbstangaben unterschätzen viele Menschen häufig ihr Körpergewicht und überschätzen ihre Körpergröße. Dadurch kann der BMI geringer ausfallen.

    Obwohl der BMI für die meisten Männer und Frauen anwendbar ist, hat er folgende Schwachstellen:

    • Der BMI kann das Körperfett bei Sportlern und anderen Personen mit muskulösem Körperbau überschätzen.
    • Er kann das Körperfett bei älteren Personen unterschätzen. Das gilt generell für Menschen, die Muskeln verloren haben.
    • Er sagt nichts über die Körperfettverteilung einer Person aus.
    • Ein BMI von 25 bis 30 gilt zwar medizinisch als Übergewicht, Studien aber zeigen, dass ein BMI in dieser Größenordnung keinen großen Einfluss auf die Lebenserwartung und verschiedene Erkrankungen hat. Eine gesundheitliche Bedeutung bekommt Übergewicht erst dann, wenn gleichzeitig andere Erkrankungen bestehen, beispielsweise Diabetes.
    • Der BMI bestimmt zwar das Ausmaß des Übergewichts. Wichtig für das Risiko von Krankheiten wie Herz-, Gefäß- oder Stoffwechselerkrankungen ist aber auch, an welcher Stelle des Körpers sich vermehrt Fett befindet. Vor allem das sogenannte Bauchfett ist ein Risiko für das Herz, für die Leber und auch für das Gefäßsystem.

    Für durchtrainierte Kraftsportler, beispielsweise Boxer oder Bodybuilder, ist der BMI wenig aussagekräftig. Aufgrund ihres hohen BMI werden sie häufig routinemäßig als fettleibig eingestuft. Beispiel: Ein athletischer, muskulöser Schwergewichtsboxer, der zwei Meter groß ist und ein „ideales“ Kampfgewicht von 120 Kilogramm hat, erreicht einen BMI von 30 und ist damit an der Grenze zwischen Übergewicht und Fettleibigkeit.

    Fazit: Grundsätzlich gilt, dass der BMI unabhängig von Alter und Geschlecht ermittelt wird und lediglich ein Richtwert ist. Ob es sich um Fettmasse oder Muskelmasse handelt, kann der BMI nicht unterscheiden.

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    Warum der Taillenumfang so ausschlaggebend ist

    Vor mehr als 60 Jahren beobachtete der französische Arzt Jean Vague, dass Menschen mit einer breiteren Taille ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben als Menschen, die eine schmale Taille und mehr Gewicht um Hüften und Oberschenkel haben. Langzeit-Studien kamen zu der Erkenntnis, dass die sogenannte abdominale Adipositas (Übergewicht mit starkem Bauchfett) oft mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung steht. Vor allem bei übergewichtigen Erwachsenen kann der sogenannte Taillen-Hüft-Quotient, auch Waist-to-Hip-Ratio oder WHR genannt, eine ungünstige Zunahme von Bauchfett besser aufzeigen als der BMI.

    Ein Mann misst seinen Taillenumfang mit einem Maßband, um das Waist-to-Hip-Ratio zu berechnen.
    Zum Messen des Taillenumfangs können Männer und Frauen sich am Bauchnabel orientieren.

    © iStock / michellegibson

    Wie wird der Taillenumfang ermittelt?

    Zunächst einmal gibt es dafür zwei Möglichkeiten:

    1. Zum einen gibt es den WHR, den Taillen-Hüft-Quotienten,
    2. zum anderen gibt es die Möglichkeit, den Bauchumfang zu messen.

    Wie messe ich den WHR?

    Der Taillenumfang (waist) sollte zwischen dem Unterrand der untersten Rippe und dem Oberrand des Beckenkammes gemessen werden. Dafür kann man sich am Bauchnabel orientieren: Bei Frauen befindet sich die Taille etwa zwei bis drei Zentimeter oberhalb des Bauchnabels, bei Männern ist die Lage etwas variabler und kann ober-, aber auch unterhalb des Nabels liegen.

    Der Hüftumfang (hip) sollte um den breitesten Teil des Gesäßes, parallel zum Boden gemessen werden. Für beide Messungen sollte man mit seitwärts gestreckten Armen und geschlossenen Beinen gerade auf dem Boden stehen. Um einen exakten Wert zu ermitteln, erfolgt die Messung zweimal und bildet so einen soliden Mittelwert. Verwendet wird ein nicht dehnbares Maßband.

    WHR berechnen

    Das Taille-Hüft-Verhältnis (WHR) wird ermittelt, indem man den Bauchumfang in Zentimeter durch den Hüftumfang in Zentimeter teilt.

    Als ungünstig und gesundheitlich bedenklich gelten bei Männern Werte ab 0,9, bei Frauen ab 0,85.

    Wie messe ich den Bauchumfang und was besagt er?

    Zur Messung des Bauchumfangs hält man ein Maßband in der Mitte zwischen Beckenkamm und Rippenbogen an und legt es einmal waagerecht um die Taille. Idealerweise wird morgens vor dem Frühstück gemessen, vorher sollte man leicht ausatmen und den Bauch nicht einziehen.

    Kritische Werte des Bauchumfangs für ein erhöhtes Gesundheitsrisiko

    Für FrauenFür Männer
    Gesundheitlich bedenklicher Bauchumfangab 80 Zentimeternab 94 Zentimetern
    Bauchbetonte oder auch rumpfbetonte Adipositas im medizinischen Sinneab 88 Zentimeterab 102 Zentimeter

    Doch warum ist der Bauchumfang so entscheidend? Langzeitstudien bestätigen bisher, dass im Bauchraum abgelagertes Fett gesundheitlich problematischer ist als Fett an anderen Körperstellen, weil es sich stärker negativ auf den Stoffwechsel auswirkt.

    Fazit: Um ein realistisches Ergebnis zu bekommen, ist es sinnvoll, zusätzlich zum BMI den WHR oder den Bauchumfang zu bestimmen.

    Was es mit dem Apfel- und Birnentyp auf sich hat

    Das Taille-Hüft-Verhältnis (WHR) gibt Auskunft über die Körperform beziehungsweise die Fettverteilung. Besonders anschaulich ist dafür der Apfel- oder Birnentyp:

    • Abdominales Übergewicht, also die Ansammlung von Fett in der Bauchregion, führt zu einem „apfelförmigen“ Körpertyp, der eher bei Männern vorkommt.
    • Frauen neigen typischerweise zu Fett um die Hüften und Oberschenkel und entwickeln häufig einen „birnenförmigen“ Körpertyp. Sie können aber auch einen „apfelförmigen“ Körpertyp entwickeln.

    Das bedeutet, dass auch Menschen, die nicht übergewichtig sind, aber eine breite Taille haben, ebenfalls ein höheres Risiko für gesundheitliche Probleme haben als Menschen mit einer schlanken Taille.

    Die erste große Nurses’ Health Study untersuchte den Zusammenhang zwischen Taillenumfang und Tod durch Herzerkrankungen, Krebs oder andere Ursachen bei Frauen mittleren Alters in den USA. Nach 16 Jahren hatten die Frauen mit dem höchsten Taillenumfang (etwa 89 Zentimeter) ein fast doppelt so hohes Risiko, an einer Herzerkrankung zu sterben, verglichen mit den Frauen mit dem niedrigsten Taillenumfang (etwa 71 Zentimeter).

    Eine weitere Studie, die Shanghai Women’s Health Study, fand bei normalgewichtigen Frauen einen ähnlichen Zusammenhang zwischen Bauchfett und dem Risiko, an einer Krankheit zu sterben.

    Warum Bauchfett ein Auslöser für Krankheiten sein kann, hat laut der Harvard University folgenden Grund: Das sogenannte viszerale Fett, das die Leber und andere Bauchorgane umgibt, ist sehr stoffwechselaktiv. Es setzt Fettsäuren, Entzündungsstoffe und Hormone frei, die letztlich zu höherem Cholesterin, Triglyceriden (erhöhten Blutfetten), Blutzucker und Blutdruck führen können.

    BMI, Bauchumfang oder WHR: Welches ist das Maß aller Dinge?

    Wissenschaftler haben lange darüber diskutiert, welches Maß der beste Indikator für Gesundheitsrisiken ist: Der BMI, der Bauchumfang oder das Verhältnis von Taille zu Hüfte. Die bisherigen Forschungsergebnisse sind in diesem Falle uneinheitlich, aber die Summe der Erkenntnisse aus mehreren Studien legt nahe, dass alle drei Methoden geeignet sind, um Gesundheitsrisiken vorherzusagen.

    Die Studienlage ist bisher nicht eindeutig. Zusammengefasst kamen die Forscher, allen voran das NIH, zu folgendem Ergebnis:

    • Sowohl der Taillen-Hüft-Quotient als auch der Taillenumfang sagen etwas über das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus, unterscheiden sich aber in ihrer Vorhersage nicht voneinander.
    • Die Taille, der Taillen-Hüft-Umfang und auch der BMI sind ähnlich starke Prädiktoren (Vorhersagewerte) für Typ-2-Diabetes.
    • Die erste Nurses’ Health Study kam zu dem Ergebnis, dass der Taillenumfang und das Verhältnis von Taille zu Hüfte gleich gut vorhersagen könnten, wer ein Risiko hat, an einer Herzerkrankung, Krebs oder einer anderen Krankheit zu sterben.
    • Die sogenannte Interheart-Studie zeigte, dass sowohl der BMI als auch der WHR linear mit dem Risiko für einen Herzinfarkt einhergehen. Der WHR war jedoch nach Einberechnung anderer Risikofaktoren in dieser Studie ein dreifach stärkerer Vorhersagewert als der BMI.
    • Eine Studie der britischen „Emerging Risk Factors Collaboration“ konnte die Überlegenheit des WHR widerlegen. Die Analyse konnte zeigen, dass der WHR dem BMI als Prädiktor für Herz-Erkrankungen nicht überlegen ist beziehungsweise dass beide gleichwertig sind.
    • Die Universität Potsdam kam zu der Erkenntnis, dass der BMI mit dem Risiko für Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck in Zusammenhang steht. Das Taille-Hüfte-Verhältnis (WHR) kann jedoch die Ansammlung von Bauchfett besser widerspiegeln und könnte ein besserer Prädiktor als der BMI für das Risiko von Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck sein.

    Fazit:

    Der BMI bleibt mit seinen bekannten Einschränkungen ein weitverbreitetes Maß, das in der medizinischen Leitlinie zur Prävention und Therapie von Adipositas und von internationalen Organisationen weitgehend verwendet wird – auch wenn er einige Schwachstellen hat.

    Zur Bestimmung des Risikos für Herzkreislauferkrankungen ist das Taille-Hüft-Verhältnis (WHR) ebenso aussagekräftig wie der BMI. Bezogen auf Adipositas kann durch die Ermittlung des Taillenumfangs oder des WHR neben dem BMI die Beurteilung des Sterberisikos erheblich verbessert werden. Liegen hingegen Daten zu Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes vor, haben BMI und WHR keinen zusätzlichen Nutzen zur Abschätzung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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