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Krebs vorbeugen mit Sport, Bewegung und Spaß

Ein Pärchen betreibt Nordic Walking als Sportart.

© iStock / amriphoto

Lesezeit: 4 Minuten05.05.2021

Sport und Bewegung stimulieren das Immunsystem. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es neben Ausdauersport aber ebenso wichtig, zusätzlich die Muskeln zu stärken.

Inhalte im Überblick

    Experteninterview: Wie kann Sport gegen Krebs helfen?

    Sport und Bewegung sind für die Gesundheit enorm wichtig. Dass ausreichend körperliche Aktivität einer Krebserkrankung tatsächlich vorbeugen kann, zeigen mehr als 200 große Beobachtungsstudien, wie zum Beispiel eine wissenschaftliche Untersuchung vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Die Forscher belegen, dass Menschen, die sich viel bewegen, seltener an Krebs erkranken als Personen, die einen körperlich inaktiven Lebensstil führen.

    Sie konnten auch herausfinden, vor welchen Krebsarten körperliche Aktivität schützen kann und wie viel Bewegung dafür erforderlich ist. Experten wissen heute, was körperliche Aktivität im Körper bewirkt. Der Sportwissenschaftler Dr. Joachim Wiskemann vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen:

    Herr Dr. Wiskemann, bei welchen Krebsarten senkt Sport das Erkrankungsrisiko?

    Als hinreichend nachgewiesen gilt vor allem der Zusammenhang von körperlicher Aktivität und Darmkrebs, dem am häufigsten diagnostizierten Tumor in Deutschland. Dabei sinkt das Darmkrebsrisiko mit steigender Aktivität, sei es durch intensivere, häufigere oder längere körperliche Betätigung.

    Als wahrscheinlich gilt zudem der Zusammenhang von Sport und Bewegung mit dem Risiko, an Brust- und Gebärmutterkrebs zu erkranken. Aber auch bei zahlreichen anderen Tumorerkrankungen ist dieser Zusammenhang deutlich erkennbar. Je nachdem, welche Erkrankung man sich anschaut, geht das Risiko durch ausreichende körperliche Aktivität um bis zu 25 Prozent zurück.

    Welche Erklärung gibt es?

    Die Erklärungen für diesen Gesundheitseffekt sind mannigfaltig und zum Teil auch noch unzureichend belegt. Klar ist, dass der Energiestoffwechsel, bei dem das Fettgewebe wie auch die Muskelmasse aktiv sind, eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Krebs spielt. Je mehr Fettgewebe sich in einem Körper ansammelt, desto mehr führen Entzündungen in den Fettzellen und vermehrt ausgeschüttete Hormone zu einem Wachstum von Tumoren. Muskelmasse wirkt diesem Prozess entgegen, weshalb sie im Körper überwiegen sollte. Und das kann nur über Bewegung geschehen. 

    Was könnte der Grund dafür sein, dass Bewegung gerade bei Darmkrebs eine gute Vorsorge ist?

    Es gibt in der Medizin eine Gesetzmäßigkeit: Je mehr Bewegung äußerlich, desto mehr Bewegung innerlich. Das bedeutet hier, dass krebserregende Stoffe schneller aus dem Magen-Darm-Trakt herausgespült werden, wenn man körperlich aktiv ist. Zudem werden mehr Immunzellen im Blut ausgeschwemmt, wenn wir trainieren. Und die sind dann auch schneller und effektiver, wenn sie auf Tumorzellen stoßen, um diese zu vernichten.

    Mann macht Sort, um gesund zu bleiben

    © iStock / Vadym Pastukh

    Wie muss das Training aussehen, um solch enorme Effekte zu erzielen?

    Es geht hier nicht nur um die viel gelobten Ausdauersport, auch jede andere Bewegungsform schützt und stärkt unsere Gesundheit. Entscheidend ist, dass uns das aktive Leben Freude bereitet. Wir empfehlen, pro Woche fünfmal 30 Minuten am Stück in Bewegung zu sein. Denn nur dann wird der Körper mit genügend Reizen versorgt, um die Stoffwechselproduktion anzuregen. Von einem effektiven Trainingsreiz sprechen wir, wenn der Körper mehr abverlangt wird, als er tatsächlich will.

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    So gelingt der Einstieg in ein aktives Leben

    Dr. Joachim Wiskemann ist spezialisiert auf Bewegungstherapien für Krebspatienten. Er hat einige Tipps für Sporteinsteiger. Ganz wichtig: Es ist nie zu spät, um körperlich aktiv zu werden.

    1. Eine gute Dosierung finden

    Es geht immer um das Erreichen eines individuellen Trainingsreizes. Dabei ist das Ausgangsniveau entscheidend. Kranke, inaktive Menschen zum Beispiel, die das Maß ihrer bewussten Aktivität von 0 auf 20 Minuten die Woche steigern, erzielen damit bereits einen großen Gesundheitseffekt. Das bedeutet: Es ist nie zu spät, um mit körperlicher Aktivität zu beginnen.

    2. Von gemäßigter bis anstrengender Belastung

    Die neuen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO 2020) lauten: pro Woche mindestens 300 Minuten moderate Bewegung oder 150 Minuten anstrengender Sport. Neben Sport in der Freizeit und körperlicher Arbeit im Beruf zählen zu Bewegung auch zügiges Gehen oder Fahrradfahren. Das körperliche Training sollte man nach Möglichkeit auf 60 Minuten gemäßigte 30 Minuten anstrengende Aktivität pro Tag steigern. Die Experten, so wenig wie möglich zu sitzen.

    3. An die Kräftigung der Muskeln denken

    Ob man eher Ausdauertraining machen sollte oder mehr auf Kraft und Muskelaufbau ausgerichtete Übungen, hängt von eigenen Vorlieben, dem Alter, dem Trainingszustand und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Neuere Empfehlungen für Erwachsene lauten jedoch, für die Krebsprophylaxe nicht allein auf Ausdauersport zu setzen, sondern zusätzlich Muskeln und Knochen durch Gymnastik und Gerätetraining zu kräftigen.

    4. Regenerationszeiten einhalten

    Um einen gesunden Trainingseffekt zu erzielen, sollte auf Regenerationszeiten geachtet werden. Montag etwas tun, Dienstag etwas locker lassen, Mittwoch wieder etwas mehr Gas geben.

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