Mehrfachbeschäftigungen bei Minijobs

Übt ein Arbeitnehmer mehrere geringfügige Beschäftigungen aus, kann es zu einem Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze kommen. Das hat gegebenenfalls Auswirkungen auf seine Sozialversicherung.

Mehrere geringfügige Beschäftigungen

Wenn ein 450-Euro-Jobber mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern ausübt, muss jeder Arbeitgeber die monatlichen Entgelte aller Beschäftigungen zusammenrechnen und prüfen, ob die Summe die Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro im Monat überschreitet.

Beschäftigung A270 €
Beschäftigung B300 €
zusammen570 €

Die Geringfügigkeitsgrenze von 450 € wird durch Zusammenrechnung überschritten. Beide Beschäftigungen sind nicht geringfügig entlohnt und damit versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

450-Euro-Job neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung

Neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung kann im Nebenjob zusätzlich nur noch eine einzige geringfügig entlohnte Beschäftigung versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege-, Renten- (auf Antrag) und Arbeitslosenversicherung ausgeübt werden.

Jede weitere aufgenommene geringfügig entlohnte Beschäftigung wird mit der Hauptbeschäftigung in den Zweigen Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Rentenversicherung zusammengerechnet. Für die Arbeitslosenversicherung erfolgt keine Zusammenrechnung. Die Meldungen gehen in diesen Fällen an die Krankenkasse des Beschäftigten und nicht die Minijob-Zentrale.

Beschäftigung A800 €
Beschäftigung B300 €

Beschäftigung A liegt über der 450-Euro-Grenze und ist versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Beschäftigung A ist daher Hauptbeschäftigung.

Da nur ein Minijob (Beschäftigung B) nebenher ausgeübt wird, erfolgt keine Zusammenrechnung mit der Hauptbeschäftigung. Beschäftigung B ist daher geringfügig entlohnt und versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

In der Rentenversicherung besteht Versicherungspflicht (Befreiung auf Antrag möglich).

Beschäftigung A800 €
Beschäftigung B300 €
Beschäftigung C140 €

Beschäftigung A liegt über der 450-Euro-Grenze und ist versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Beschäftigung A ist daher Hauptbeschäftigung.

Der zuerst aufgenommene Minijob B bleibt versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. In der Rentenversicherung besteht Versicherungspflicht (Befreiung auf Antrag möglich).

Das Entgelt aus der Beschäftigung C wird mit dem aus der Hauptbeschäftigung A zusammengerechnet. Die Beschäftigung C ist daher versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. In der Arbeitslosenversicherung erfolgt keine Zusammenrechnung. Hier besteht in der Beschäftigung C Arbeitslosenversicherungsfreiheit.

Sonderfall: Krankenversicherung bei JAE-Überschreitern

Wenn ein Arbeitnehmer neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung noch zwei geringfügig entlohnte Beschäftigungen ausübt, wird die zweite geringfügig entlohnte Beschäftigung auf die versicherungspflichtige Beschäftigung (Ausnahme: Arbeitslosenversicherung) angerechnet.

Wenn dadurch der Arbeitnehmer mit seinem gesamten Entgelt die JAE-Grenze überschreitet, bleibt die Krankenversicherungspflicht in beiden Beschäftigungen zunächst bestehen. Sie endet in beiden Beschäftigungen frühestens mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die JAE-Grenze überschritten wird. Voraussetzung ist dafür aber zusätzlich, dass das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt auch die vom Beginn des nächsten Kalenderjahres an geltende JAE-Grenze übersteigt.

 Monatliches EntgeltJahresentgelt
Beschäftigung A5.000 €60.000 €
Beschäftigung B (ab 1.5.2019)
B wird nicht eingerechnet
100 € 
Beschäftigung C (ab 1.9.2019)
C wird mit A addiert
350 €4.200 €
Gesamt
(ohne Beschäftigung B)
 64.200 €

In der Beschäftigung A besteht Krankenversicherungspflicht. Beschäftigung B ist als erster Minijob versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung und rentenversicherungspflichtig (Befreiung von der Rentenversicherungspflicht auf Antrag möglich).

Erst durch Aufnahme der Beschäftigung C muss die JAE-Grenze ermittelt werden, indem das Entgelt aus C mit dem aus A zusammengerechnet wird. Die JAE-Grenze wird überschritten. Die Krankenversicherungspflicht endet mit Ablauf des Kalenderjahres, wenn das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt auch die JAE-Grenze des folgenden Jahres übersteigt.
Die Beschäftigungen A, B und C sind rentenversicherungspflichtig (Befreiung auf Antrag in der Beschäftigung B möglich). In der Arbeitslosenversicherung ist nur Beschäftigung A versicherungspflichtig.

Folgende Meldungen sind zu erstellen:

Bis 31.12.2019:

  • Arbeitgeber A Personengruppenschlüssel: 101
  • Beitragsgruppenschlüssel: 1 1 1 1
  • Arbeitgeber B Personengruppenschlüssel: 109
  • Beitragsgruppenschlüssel: 6 5 0 0
  • Arbeitgeber C Personengruppenschlüssel: 101
  • Beitragsgruppenschlüssel: 1 1 0 1

Ab 1.1.2020:

  • Arbeitgeber A Personengruppenschlüssel: 101
  • Beitragsgruppenschlüssel: 0 1 1 1 (9111 bei Firmenzahlerverfahren möglich)
  • Arbeitgeber B Personengruppenschlüssel: 109
  • Beitragsgruppenschlüssel: 6 5 0 0
  • Arbeitgeber C Personengruppenschlüssel: 101
  • Beitragsgruppenschlüssel: 0 1 0 1 (9101 bei Firmenzahlerverfahren möglich)
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450-Euro-Job neben einer kurzfristigen Beschäftigung

Arbeitgeber rechnen eine geringfügig entlohnte und eine kurzfristige Beschäftigung nicht zusammen. Der Arbeitnehmer kann beide Arten des Minijobs gleichzeitig ausüben, ohne sozialversicherungspflichtig zu werden (bei der geringfügig entlohnten Beschäftigung in der Rentenversicherung auf Antrag).

Beschäftigung A
Büroaushilfe, ganzjährig
regelmäßiges monatliches Arbeitsentgelt
450 €
Beschäftigung B
Erntehelfer, 1.5. bis 31.7.
Monatliches Arbeitsentgelt
650 €

Beschäftigung A ist geringfügig entlohnt und versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Es besteht Rentenversicherungspflicht (Befreiung auf Antrag möglich).

Beschäftigung B ist kurzfristig. Es fallen keine Beiträge zur Sozialversicherung an.

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Stand

Zuletzt aktualisiert: 01.01.2020

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