Medikamentensucht und Aufputschmittel bei der Arbeit

Wer Medikamente missbraucht, um leistungsfähiger bei der Arbeit zu sein, kann schnell in eine Abhängigkeit geraten. Medikamentensucht schadet nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern kann auch zu Verhaltensänderungen führen, die am Arbeitsplatz und im kollegialen Miteinander problematisch werden können.

Medikamente richtig einnehmen

Medikamente dienen dazu, Erkrankungen vorzubeugen, sie zu lindern oder zu heilen. Bei Medikamentenmissbrauch können sie jedoch das Gegenteil bewirken: Schlaf-, Aufputsch- und Beruhigungsmittel können zu gefährlichen Drogen werden. Ohne ärztliche Kontrolle oder in Überdosis eingenommen, können sie Beruhigung, Entspannung, Euphorie oder Rauschzustände verursachen, die oft zu einer Medikamentenabhängigkeit führen. Auswirkungen davon können unter anderem Desorientierung, Verwirrung, Denkfehler, Wahrnehmungstäuschungen oder Gewalttätigkeiten sein.

Was Medikamentensucht kennzeichnet

Laut Schätzungen liegt bei rund 2,9 Millionen Menschen in Deutschland eine Abhängigkeit oder zumindest eine problematische Einnahme von Medikamenten vor. Die oft lange unbemerkte, „stille Sucht“ macht auch vor der Arbeitswelt nicht halt und zieht sich durch alle Branchen, Altersklassen und Hierarchien. Vor allem sind Frauen betroffen. Sie erhalten etwa doppelt so häufig Psychopharmaka und Hypnotika/Sedativa verschrieben wie Männer. Auch wenn solche Mittel vorübergehend die erhoffte Wirkung erzielen mögen, bringt die regelmäßige Einnahme unerwünschte und erhebliche Nebenwirkungen mit sich – vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel machen chronisch müde und verringern die Konzentrationsfähigkeit.

Die Abhängigkeit von Medikamenten wird durch die WHO anhand von sechs Kriterien definiert, von denen mindestens drei innerhalb des zurückliegenden Jahres erfüllt gewesen sein müssen.

Diese Kriterien sind:

  • Starker Wunsch oder Zwang, das Medikament zu konsumieren
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Menge und der Beendigung der Einnahme
  • Körperliche Entzugssymptome
  • Toleranzentwicklung (Wirkverlust) beziehungsweise Dosissteigerung
  • Erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen oder sich von den Folgen des Konsums zu erholen, verbunden mit der Vernachlässigung anderer Interessen
  • Fortgesetzter Konsum trotz Folgeschäden

„Hirndoping“, um leistungsfähiger zu sein

Ein neuer Begriff für Medikamentenmissbrauch ist „Hirndoping“. In der heutigen Leistungsgesellschaft haben immer mehr Menschen den Wunsch, ihr Gehirn leistungsfähiger zu machen, weniger Ängste zu haben oder besser gelaunt zu sein. Neben verschreibungspflichtigen Medikamenten werden dafür auch illegale Substanzen eingenommen.

Die fünf meistgenannten Gründe für Tablettensucht im Beruf sind:

  1. Beruflicher Erfolg
  2. Arbeitserleichterung
  3. Meistern schwieriger Situationen
  4. Emotionale Stabilität und damit Arbeitsfähigkeit
  5. Gewinn neuer Energie für das Privatleben

Rund zwei Prozent der Beschäftigten in Deutschland nehmen täglich leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente, das sind rund 700.000 Beschäftigte bundesweit. Bei den 60- bis 65-jährigen liegt die Quote sogar mehr als doppelt so hoch (4,4 Prozent):

Grundsätzlich finden sich Medikamentenabhängige in allen Altersstufen und sozialen Schichten. Spezifische Risikogruppen sind kaum definierbar und klare Indikatoren schwer auszumachen. Ein gesundheitsschädlicher Konsum ist daher oft nicht leicht zu erkennen. Die Arzneimittelabhängigkeit entsteht zumeist aus einer Mischung persönlicher, gesellschaftlicher und sozialer Faktoren.

iga

Hirndoping am Arbeitsplatz

Der iga-Wegweiser zum Thema Hirndoping am Arbeitsplatz informiert über Hintergründe und Möglichkeiten, dem Medikamentenmissbrauch vorzubeugen.
Ergänzend zum iga-Wegweiser ist dort der Auszug „Heute schon gedopt?“ aus der Zeitschrift Prävention aktuell, 4/2020 veröffentlicht.

Prävention im Unternehmen

Die Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion. Information und Aufklärung, zum Beispiel über die Risiken von Hirndoping, können gesundheitsgerechtes Verhalten der Beschäftigten fördern und Missbrauch vorbeugen. Folgende konkrete Maßnahmen können bei der verhältnisorientierten Prävention im Unternehmen sinnvoll sein:

  • Realistische Gestaltung von Arbeitsmenge und Personalplanung
  • Vermeidung ständiger Leistungsvergleiche
  • Vereinbarung eines gemeinsamen Verständnisses von Zielen
  • Bewältigung emotionaler Anforderungen
  • Minimierung unsicherer Beschäftigungsverhältnisse
  • Bereitstellung von Angeboten zur individuellen Beratung

Mit den folgenden Maßnahmen können Führungskräfte ein gesundheitsgerechtes Verhalten ihrer Beschäftigten (Verhaltensprävention) fördern und Medikamenten- und Aufputschmittelsucht vorbeugen:

  • Information und Aufklärung über die Risiken von Hirndoping
  • Bereitstellung von Angeboten zur individuellen Beratung
  • Bewusstmachung der eigenen Vorbildfunktion

Stand

Zuletzt aktualisiert: 17.03.2026

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