Medikamentensucht am Arbeitsplatz

Wer Medikamente missbraucht, um leistungsfähiger bei der Arbeit zu sein, kann schnell in eine Abhängigkeit geraten. Medikamentensucht schadet nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern kann auch zu Verhaltensänderungen führen, die am Arbeitsplatz und im kollegialen Miteinander problematisch werden können.

Medikamente richtig einnehmen

Medikamente dienen dazu, Erkrankungen vorzubeugen, sie zu lindern oder zu heilen. Bei falscher Anwendung können sie jedoch das Gegenteil bewirken: Schlaf-, Aufputsch- und Beruhigungsmittel können zu gefährlichen Drogen werden. Ohne ärztliche Kontrolle oder in Überdosis eingenommen, können sie Beruhigung, Entspannung, Euphorie oder Rauschzustände verursachen, die oft zu einer Medikamentenabhängigkeit führen. Auswirkungen davon können unter anderem Desorientierung, Verwirrung, Denkfehler, Wahrnehmungstäuschungen oder Gewalttätigkeiten sein.

Was Medikamentensucht kennzeichnet

Die Abhängigkeit wird durch die WHO anhand von sechs Kriterien definiert, von denen mindestens drei innerhalb des zurückliegenden Jahres erfüllt gewesen sein müssen.

Diese Kriterien sind:

  • Starker Wunsch oder Zwang, das Medikament zu konsumieren
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Menge und der Beendigung der Einnahme
  • Körperliche Entzugssymptome
  • Toleranzentwicklung (Wirkverlust) beziehungsweise Dosissteigerung
  • Erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen oder sich von den Folgen des Konsums zu erholen, verbunden mit der Vernachlässigung anderer Interessen;
  • Fortgesetzter Konsum trotz Folgeschäden.

„Hirndoping“, um leistungsfähiger zu sein

Ein neuer Begriff für solchen Medikamentenmissbrauch ist „Hirndoping“. In der heutigen Leistungsgesellschaft haben immer mehr Menschen den Wunsch, ihr Gehirn leistungsfähiger zu machen, weniger Ängste zu haben oder besser gelaunt zu sein. Neben verschreibungspflichtigen Medikamenten werden dafür auch illegale Substanzen eingenommen.

Grundsätzlich finden sich Medikamentenabhängige in allen Altersstufen und sozialen Schichten. Spezifische Risikogruppen sind kaum definierbar und klare Indikatoren sind schwer auszumachen. Ein gesundheitsschädlicher Konsum ist daher oftmals nicht leicht zu erkennen. Die Arzneimittelabhängigkeit entsteht zumeist aus einer Mischung persönlicher, gesellschaftlicher und sozialer Faktoren.

Prävention im Unternehmen

Die Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion. Information und Aufklärung, zum Beispiel über die Risiken von Hirndoping, können gesundheitsgerechtes Verhalten der Beschäftigten fördern und Missbrauch vorbeugen. Folgende konkrete Maßnahmen können bei der verhältnisorientierten Prävention im Unternehmen sinnvoll sein:

  • Realistische Gestaltung von Arbeitsmenge und Personalplanung
  • Vermeidung ständiger Leistungsvergleiche
  • Vereinbarung eines gemeinsamen Verständnisses von Zielen
  • Bewältigung emotionaler Anforderungen
  • Minimierung unsicherer Beschäftigungsverhältnisse
  • Bereitstellung von Angeboten zur individuellen Beratung

Mit den folgenden Maßnahmen können Führungskräfte ein gesundheitsgerechtes Verhalten ihrer Beschäftigten (Verhaltensprävention) fördern und Medikamenten- und Aufputschmittelsucht vorbeugen:

  • Information und Aufklärung über die Risiken von Hirndoping
  • Bereitstellung von Angeboten zur individuellen Beratung
  • Bewusstmachung der eigenen Vorbildfunktion
iga
Hirndoping am Arbeitsplatz

Der iga-Wegweiser zum Thema Hirndoping am Arbeitsplatz informiert über Hintergründe und Möglichkeiten, dem Medikamentenmissbrauch vorzubeugen.

Stand

Erstellt am: 01.07.2019

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