Stoffwechsel
Was ist ein metabolisches Syndrom?
Veröffentlicht am:01.03.2023
aktualisiert am 21.07.2026
7 Minuten Lesedauer
Das metabolische Syndrom gilt als Wohlstandsphänomen, da Merkmale wie Übergewicht oder Bluthochdruck oft Folgen einer ungesunden Lebensweise mit fettreicher Nahrung und wenig Bewegung sind. Streng genommen ist es keine eigenständige Krankheit.

© iStock / fcafotodigital / KI-bearbeitet
Inhalte im Überblick
- Welche Risikofaktoren spielen beim metabolischen Syndrom eine Rolle?
- Welche Rolle spielt Adipositas beim metabolischen Syndrom?
- Ist das metabolische Syndrom ein eigenes Krankheitsbild?
- Was sind die Ursachen des metabolischen Syndroms?
- Wie häufig ist das metabolische Syndrom?
- Diagnose: Wie wird ein metabolisches Syndrom festgestellt?
- Wie läuft die Therapie beim metabolischen Syndrom ab?
Welche Risikofaktoren spielen beim metabolischen Syndrom eine Rolle?
Das metabolische Syndrom bezeichnet das gemeinsame Auftreten mehrerer Krankheitsbilder und Risikofaktoren, die im Zusammenspiel schwerwiegende Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Diese Faktoren sind für das metabolische Syndrom entscheidend:
- Fettleibigkeit (Adipositas)
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- erhöhter Blutzucker (Glukosetoleranzstörung), mit dem oft eine zunehmende Insulinunempfindlichkeit (Insulinresistenz) einhergeht. Dabei spielen überschüssiges Fett und zu viele sogenannte freie Fettsäuren im Blut eine Rolle. Die Wechselwirkungen zwischen Fettstoffwechsel und Blutzucker beim metabolischen Syndrom sind kompliziert und seit Jahren Gegenstand der Forschung.
- eine Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie), bei der die Triglyzerid-Blutwerte erhöht sind und/oder die HDL-Cholesterin-Konzentration im Blut zu niedrig ist. HDL-Cholesterin – auch bekannt als „gutes“ Cholesterin – wird zur Leber transportiert und dort abgebaut.
Die einzelnen Faktoren können für sich genommen die Blutgefäße schädigen, aber wenn alle oder mehrere auftreten, ist das besonders gefährlich. Sie erhöhen das Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, darunter Arteriosklerose („Arterienverkalkung“), Herzinsuffizienz und Herzinfarkt oder Schlaganfälle.
Welche Rolle spielt Adipositas beim metabolischen Syndrom?
Besonders die viszerale oder abdominale Adipositas gilt als Merkmal des metabolischen Syndroms: ein bauchbetontes Übergewicht , bei dem sich das Fett vor allem in der Bauchhöhle ansammelt, sogenanntes Viszeralfett oder abdominales Fett. Umgangssprachlich ist oft vom „Apfeltyp“ die Rede. Darüber hinaus zeigen mehrere Studien, dass ein größerer Nackenumfang mit dem Vorliegen und der Ausprägung des metabolischen Syndroms zusammenhängen.

Passende Artikel zum Thema
Ist das metabolische Syndrom ein eigenes Krankheitsbild?
Bis heute gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen des metabolischen Syndroms, die die einzelnen Risikofaktoren und Symptome jeweils unterschiedlich gewichten. Diskutiert wird, welche Symptome bei einem metabolischen Syndrom besonders relevant sind und ob das gemeinsame Auftreten von Risikofaktoren als eigenes Krankheitsbild bezeichnet werden sollte.
Im internationalen Gebrauch wird oft die Definition von zwei US-amerikanischen Institutionen, der American Heart Association (AHA) und dem National Heart, Lung and Blood Institute (NHLBI), herangezogen. Nach dieser Definition müssen wenigstens drei von fünf Symptomen vorliegen:
- abdominale Adipositas (definiert durch den Taillenumfang)
- Bluthochdruck
- erhöhte Nüchtern-Blutzuckerwerte
- erhöhte Triglyzerid-Werte
- zu niedrige HDL-Cholesterin-Werte
Wenn bei den Punkten 2 bis 4 die Werte nur wegen eingenommener Medikamente im Normbereich liegen, gelten sie jeweils trotzdem als Indikator.
Genaue Richtwerte der AHA-NHLBI-Definition
| Risikofaktor | Grenzwert | |
|---|---|---|
| Adipositas / Taillenumfang | Männer Frauen | > 102 Zentimeter > 88 Zentimeter |
| Blutdruck | systolisch diastolisch | ≥ 130 mmHg ≥ 85 mmHg |
| Nüchtern-Blutzucker | ≥ 100 Milligramm pro Deziliter | |
| Triglyzeride | ≥ 150 Milligramm pro Deziliter | |
| HDL-Cholesterin | Männer Frauen | < 40 Milligramm pro Deziliter < 50 Milligramm pro Deziliter |
Was sind die Ursachen des metabolischen Syndroms?
Die Hauptursache des metabolischen Syndroms ist schnell benannt: zu wenig Bewegung sowie kalorienreiche und unausgewogene Ernährung (insbesondere zu fettreich und ballaststoffarm). Die meisten Patienten und Patientinnen mit einem metabolischen Syndrom sind übergewichtig.
Weitere Faktoren, die ein metabolisches Syndrom begünstigen:
- erhöhter Alkoholkonsum
- Rauchen
- zu viel Salz
- anhaltender Stress
- Vorerkrankungen (zum Beispiel der Nieren und der Leber oder Schilddrüsenunterfunktion)
- bestimmte Medikamente (zum Beispiel zur Entwässerung, Betablocker, Antidepressiva und Neuroleptika) oder Hormone
Wie häufig ist das metabolische Syndrom?
Weil die Zivilisationsfaktoren Überangebot an kalorienreicher Nahrung, Bewegungsmangel, Stress, Rauchen und Alkohol hineinspielen, wird das metabolische Syndrom auch als Wohlstandssyndrom bezeichnet. In den Industrienationen hat die Häufigkeit des metabolischen Syndroms im Laufe der Zeit sehr hohe Ausmaße erreicht.
Nach Schätzungen ist in den westlichen Ländern etwa ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung betroffen. Auch in Deutschland ist eine Studie auf diesen Wert gekommen. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu – bei den 50- bis 70-Jährigen in Deutschland liegt der Anteil bei bis zu 40 Prozent.
Aber auch bei jüngeren Menschen wird immer häufiger ein metabolisches Syndrom diagnostiziert. Insgesamt erkranken Männer etwas häufiger als Frauen. In den Schwellenländern hat mit dem gestiegenen Wohlstand in den vergangenen Jahren auch die Häufigkeit des Syndroms dramatisch zugenommen.
Passende Angebote der AOK
Ernährungsberatung
Entdecken Sie die AOK-Angebote zur Ernährungsberatung, wenn Sie sich für eine ausgewogene Ernährung interessieren oder Ihr Gewicht reduzieren möchten: individuelle Vor-Ort-Termine, Gruppenkurse, Telefonberatung oder Onlineangebote.
Diagnose: Wie wird ein metabolisches Syndrom festgestellt?
Zur Feststellung eines metabolischen Syndroms müssen zahlreiche Untersuchungen durchgeführt werden. Wenn Sie selbst vermuten, bei Ihnen könnte ein metabolisches Syndrom vorliegen, ist die erste Anlaufstelle die hausärztliche Praxis.
In einem ausführlichen Gespräch werden Vorerkrankungen und Fragen des Lebensstils geklärt und ob es im Familienumfeld Fälle von Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 oder dem metabolischen Syndrom gibt oder gegeben hat. Eine mögliche Veranlagung zu erkennen ist wichtig: Zwischen den ersten Anzeichen eines metabolischen Syndroms und dem Auftreten schwerwiegender Folgeerkrankungen können mehrere Jahrzehnte liegen.
Bei den körperlichen Untersuchungen stellt der Arzt oder die Ärztin das Gewicht sowie den Taillenumfang fest und misst den Blutdruck. Blutzuckerspiegel, die Blutfett- und Cholesterinwerte werden im Labor über eine Analyse des Blutes ermittelt. Das Ergebnis dieser Untersuchungen umfasst genau die fünf Indikatoren, die für die Diagnose des metabolischen Syndroms entscheidend sind. Aber auch andere körperliche Parameter wie der Harnsäurespiegel oder Leberwerte und Entzündungswerte werden analysiert.
Wie läuft die Therapie beim metabolischen Syndrom ab?
Beim metabolischen Syndrom handelt es sich um ein sehr komplexes Phänomen. Die Krankheitsbilder und Beschwerden bei den Betroffenen fallen individuell unterschiedlich aus. Deshalb muss beim metabolischen Syndrom die Therapie ebenfalls individualisiert erfolgen.
Das Hauptziel ist die Verringerung des persönlichen Risikos für schwerwiegende Folgeerkrankungen. Vor allem ist es wichtig, das Gewicht – insbesondere das Bauchfett – zu reduzieren und die Insulinempfindlichkeit wiederherzustellen, damit die Stoffwechselvorgänge wieder angeregt werden.

© iStock / urbazon
Was steht im Zentrum der Therapie beim metabolischen Syndrom?
Die Behandlung einer Kombination von Symptomen bedeutet immer, dass jedes Krankheitszeichen einzeln betrachtet werden muss. Dazu kann eine Therapie mit Medikamenten gehören, zum Beispiel Lipidsenker bei erhöhten Blutfettwerten oder Medikamente gegen Bluthochdruck. Denn etwa ein Drittel aller Menschen mit Bluthochdruck sind vom metabolischen Syndrom betroffen.
Im Zentrum der Therapie steht allerdings etwas, das sämtliche Risikofaktoren auf einmal anspricht: eine Veränderung des Lebensstils. Damit lassen sich oft erhöhte oder zu niedrige Grenzwerte wieder normalisieren. In jedem Fall wird das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich verringert.
AOK-Online-Coach Bluthochdruck
Was passiert bei Bluthochdruck im Körper? Wie wirken Entspannung, Ernährung und Bewegung? Das Online-Programm bietet Menschen mit Bluthochdruck Expertenwissen, hilfreiche Übungen und interaktive Lernelemente.
Wie kann man seinen Lebensstil beim metabolischen Syndrom verändern?
Eine Anpassung des Lebensstils bedeutet:
- mehr körperliche Bewegung – Bewegung reduziert nicht nur das Übergewicht, sondern wirkt sich positiv auf das metabolische Syndrom in allen seinen Komponenten aus.
- ausgewogene Ernährung – eine gesunde Ernährungsweise in Kombination mit mehr Bewegung ist wichtig: abwechslungsreiche und viel ballaststoffreiche Kost (Getreideprodukte und Kartoffeln), reichlich Gemüse und Obst und vor allem nur wenig Fleisch, Wurst und fettreiche Lebensmittel.
- Alkoholkonsum reduzieren
- mit dem Rauchen aufhören
Was ist die beste Vorsorge gegen das metabolische Syndrom?
Lebensstilfaktoren wie ausreichende Bewegung und gesunde Ernährung sind nicht nur für die Therapie eines metabolischen Symptoms entscheidend, sondern auch effektive Vorbeugemaßnahmen gegen die Einzelkrankheiten Adipositas, Bluthochdruck, Glukosetoleranzstörung und Fettstoffwechselstörung – und damit auch gegen den Symptomkomplex in seiner Gesamtheit.
Krankheiten kann man nicht immer verhindern und manche Vorerkrankungen begünstigen das Entstehen eines metabolischen Syndroms. Dennoch lautet das Fazit: Eine gesunde aktive Lebensweise ist die beste Vorsorge gegen das metabolische Syndrom.
Passende Artikel zum Thema
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.









