Cannabis: Rauschmittel bei der Arbeit
Cannabis wirkt auf das zentrale Nervensystem und beeinträchtigt zahlreiche Funktionen, die für eine sichere und produktive Arbeit notwendig sind:
- Konzentration und Aufmerksamkeit sind deutlich vermindert
- Die Reaktionsfähigkeit sinkt. Das ist besonders bei der Bedienung von Maschinen, im Verkehr oder auf dem Bau gefährlich
- Das Kurzzeitgedächtnis und die Lernfähigkeit werden beeinträchtigt
- Koordination und Motorik können gestört sein
- Die Entscheidungsfähigkeit und kritisches Denken nehmen ab
- In höheren Dosen oder bei regelmäßigem Konsum können Angstzustände, Paranoia oder psychotische Episoden auftreten
Besonders kritisch: Die Beeinträchtigungen sind für Außenstehende nicht immer sofort erkennbar. Die betroffene Person selbst schätzt ihre Leistungsfähigkeit häufig falsch ein.
Fünf Millionen Erwachsene in Deutschland haben laut einer Studie mindestens einmal im Leben Cannabis konsumiert, davon erfüllten rund ein Zehntel der Personen die Kriterien einer Abhängigkeit.
Beschäftigte dürfen sich nicht durch Suchtmittelkonsum in einen Zustand versetzen, der sie selbst oder andere gefährdet. Deshalb können Arbeitgeber bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten (Maschinen, Fahrzeuge, Patientenversorgung) ein Konsumverbot arbeitsrechtlich durchsetzen. Konkrete betriebliche Regelungen zum Umgang mit Cannabiskonsum am Arbeitsplatz müssen Unternehmen allerdings selbst schaffen – zum Beispiel durch eine Betriebsvereinbarung.
Suchtprävention im Unternehmen
Die wichtigste Grundlage für effektive Suchtprävention ist eine schriftliche, verbindliche Regelung. Eine Betriebsvereinbarung oder die Ergänzung einer bestehenden Suchtvereinbarung schafft Rechtssicherheit für beide Seiten und sendet ein klares Signal. Dieses Unternehmen nimmt Gesundheitsschutz ernst.
Die Vereinbarung sollte folgendes beinhalten:
- Konsumverbot während der Arbeitszeit und auf dem Betriebsgelände
- Regelungen für Pausenzeiten und externe Bereiche
- Umgang mit sicherheitsrelevanten Tätigkeiten (Null-Toleranz-Regelung)
- Konsequenzen bei Verstößen
- Hinweis auf Unterstützungsangebote
- Einbeziehung des Betriebsrats
Der bestehende Nichtraucherschutzschützt Beschäftigte vor Tabakrauch. Cannabis ist dabei nicht explizit erfasst, aber der Schutzzweck lässt sich analog anwenden. Cannabisrauch enthält ebenfalls Schadstoffe und kann für Nichtkonsumenten belastend sein. Arbeitgeber sind auf Basis der allgemeinen Fürsorgepflicht berechtigt und verpflichtet, entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Führungskräfte sensibilisieren, Suchtpotenzial ansprechen
Führungskräfte in Unternehmen wissen nicht automatisch, wie sie gut mit dem Thema Cannabis bei der Arbeit umgehen können. Geben Sie Ihren Führungskräften daher am besten Hilfestellung, das Thema besser zu adressieren:
- durch Schulungen, die sie für den Umgang mit Cannabiskonsum sensibilisieren,
- mit Handlungsleitfäden, die beschreiben, was in welcher Situation zu tun ist,
- und durch die Vernetzung mit internen Ansprechpersonen (Betrieblicher Sozialdienst, Suchtbeauftragte, Betriebsrat).
THC-Grenzwerte und Autofahren
Wichtig zu wissen für Arbeitgeber mit Fuhrpark oder Außendienst:
Wer Menschen mit Fahrtätigkeiten beschäftigt, trägt Mitverantwortung für die Verkehrssicherheit. Das Interesse an cannabisfreiem Fahrpersonal ist also beidseitig.
- Wer den Führerschein für zwei Jahre auf Probe hat oder unter 21 Jahre alt ist, unterliegt besonders strengen Regeln: Es gilt strikte Abstinenz. Ein Verstoß gilt als schwerwiegendes Delikt und kann zum Verlust der Fahrerlaubnis führen.
- Der THC-Grenzwert im Auto wurde neu geregelt. Seit dem 22. August 2024 gilt im Straßenverkehr ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum. Wer diesen Wert überschreitet, riskiert Bußgeld und Fahrverbot. Cannabiskonsum am Vorabend kann am nächsten Morgen noch nachweisbar sein.
Cannabiskonsum erkennen
Arbeitgeber haben Interesse daran, dass Mitarbeitende ihre Leistung für das Unternehmen erbringen. Nehmen sie Leistungsveränderungen wahr, können sie das Gespräch suchen.
Nicht jede Verhaltensauffälligkeit ist ein sicheres Zeichen für Konsum von Cannabis. Eine Kombination mehrerer Anzeichen kann jedoch ein Hinweis sein:
Körperliche Anzeichen
- Gerötete, glasige Augen; geweitete Pupillen
- Verlangsamte Sprache und Bewegungen
- Süßlicher Geruch an Kleidung oder Atem
- Mundtrockenheit, häufiges Schlucken
Verhaltensauffälligkeiten
- Ungewöhnliche Heiterkeit oder Euphorie
- Starke Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit
- Verlangsamte Reaktionen, häufiges Nachfragen
- Rückzug, Interesselosigkeit, Motivationsverlust bei längerem Konsum
- Häufige ungeplante Kurzabsenzen
Im Verlauf bei regelmäßigem Konsum (Cannabis Sucht Symptome)
- Nachlassende Arbeitsleistung über längere Zeiträume
- Sozialer Rückzug
- Vernachlässigung von Verantwortlichkeiten
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit bei ausbleibenden Konsummöglichkeiten
Wirkdauer und Nachweisbarkeit von Cannabis
Die Wirkdauer und die Nachweisbarkeit von THC im Blut sind für den Arbeitsplatz von zentraler Bedeutung:
- Akute Wirkung nach dem Konsum: 2 bis 4 Stunden
- Nachklingeffekte (verlangsamtes Denken, Müdigkeit): bis zu 24 Stunden
- Nachweisbarkeit im Blutserum (relevant für den THC-Grenzwert im Auto): bei gelegentlichem Konsum bis zu 6 Stunden, bei regelmäßigem Konsum mehrere Tage
- Nachweisbarkeit im Urin: bei gelegentlichem Konsum 3 bis 4 Tage, bei chronischem Konsum bis zu 4 Wochen
Geltendes Recht
Mit dem Cannabisgesetz (CanG), das am 1. April 2024 in Kraft trat, wurde Cannabis in Deutschland für Erwachsene ab 18 Jahren teilweise legalisiert.
Die wichtigsten Regelungen im Überblick:
- Besitz: Volljährige dürfen bis zu 25 Gramm Cannabis in der Öffentlichkeit und bis zu 50 Gramm zu Hause besitzen.
- Anbau: Der private Anbau von bis zu drei Cannabispflanzen ist erlaubt.
- Abgabe: Der Erwerb ist über sogenannte Cannabis Social Clubs (Anbauvereinigungen) möglich, der kommerzielle Verkauf im Handel bleibt verboten.
- Schutz Minderjähriger: Für Personen unter 18 Jahren bleibt Cannabis vollständig verboten.
