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Wie das Internet Schönheitsideale prägt – und wie man sich schützt

Veröffentlicht am:18.08.2026

6 Minuten Lesedauer

von Jennifer Ann Steinort

Digitale Schönheitsideale entstehen zunehmend durch KI-generierte Gesichter, Influencerinnen und Influencer sowie die Normalisierung kosmetischer Eingriffe in den sozialen Medien. Ein kritischer Blick kann helfen, mit Schönheitsidealen umzugehen.

Ein Mädchen formt bei einem Selfie mit den Lippen einen Kussmund.

© iStock / Deagreez

Wie wichtig ist Jugendlichen ihr Aussehen?

Wie zufrieden Jugendliche mit ihrem Aussehen sind, hat eine Studie mit 400 Befragten zwischen 11 und 17 Jahren untersucht. Auf den ersten Blick fällt das Ergebnis positiv aus: Etwa 70 Prozent sind mit ihrem Äußeren eher zufrieden. Trotzdem würde mehr als jede und jeder Zweite gerne etwas an ihrem oder seinem Körper verändern – bei Mädchen sind es sogar sechs von zehn.

Das eigene Aussehen spielt nicht nur offline eine Rolle, sondern genauso online: 61 Prozent der befragten Jugendlichen posten Fotos oder Videos von sich. Ihr Äußeres ist ihnen dabei sehr wichtig. Sie möchten vor allem schön wirken – das sagen 68 Prozent. Auch gestylt und schlank auszusehen, ist für viele von Bedeutung.

Für den richtigen Auftritt greifen viele Jugendliche zu einfachen Mitteln: Sie achten auf gutes Licht, wählen ihre Pose bewusst oder suchen den passenden Handywinkel. Ein Teil geht noch weiter und bearbeitet Fotos und Videos zusätzlich, etwa mit Filtern. Natürlich ist das eigene Aussehen aber nicht nur Jugendlichen wichtig, sondern auch vielen Erwachsenen.

Kann Bildbearbeitung die Wahrnehmung vom eigenen Gesicht verändern?

Die Bildbearbeitung verändert ein Foto oft in Sekunden, etwa mit digitalen Filtern, Retusche-Apps oder klassischen Bearbeitungsprogrammen. Doch das ist nicht ohne Risiko. Wer Fotos oft bearbeitet, nimmt sich möglicherweise zunehmend anhand eines idealisierten Selbstbildes wahr, das stärker vom realen Ich abweicht – das legt eine Studie nahe.

Welche Folgen der Vergleich zwischen bearbeitetem Bild und Realität haben kann, zeigt eine Untersuchung unter jungen Frauen: Die Hälfte der Befragten nutzte regelmäßig Snapchat-Filter. Bei etwa vier von zehn dieser Frauen war die Bereitschaft höher, sich einem kosmetischen Eingriff zu unterziehen.

Forschende erklären das mit einem einfachen Mechanismus: Wer eigene Fotos regelmäßig bearbeitet, neigt eher dazu, sich selbst stärker nach dem Aussehen zu beurteilen und mit anderen zu vergleichen. Bei einigen Menschen kann damit eine geringere Zufriedenheit mit dem eigenen, unbearbeiteten Gesicht einhergehen – die Bearbeitung und das Selbstwertgefühl hängen also oft zusammen.

„Instagram Face“: Welche Schönheitsideale kursieren in den sozialen Medien?

Das sogenannte „Instagram Face“ wurde von der Journalistin Jia Tolentino beschrieben. Es steht für ein durch soziale Medien geprägtes, stark vereinheitlichtes Schönheitsideal. Doch was sind typische Schönheitsideale in dem Zusammenhang? Typisch sind Merkmale wie glatte Haut, volle Lippen, hohe Wangenknochen und lange Wimpern.

Eine Studie untersuchte, wie Instagram-Inhalte, etwa Beauty- und Body-Positive-Posts, mit dem Körperbild und der Selbstwahrnehmung zusammenhängen. Dabei zeigte sich: Allein der Konsum solcher Inhalte führt nicht zwangsläufig zu Problemen mit dem eigenen Körperbild.

Entscheidender ist die Reaktion auf die Inhalte: Wenn Menschen sich auf Instagram häufiger mit anderen vergleichen oder bestimmte Influencer-Schönheitsideale übernehmen, kann das mit einem schlechteren Körperbild einhergehen. Die Schönheitsideale in Social Media tragen dann womöglich dazu bei, dass Nutzende ihren Körper kritischer sehen und damit unzufriedener sind.

Sind Body-Positive-Inhalte wirklich immer positiv?

Body-Positive-Inhalte sollen eigentlich ein positives Körperbild fördern. Der Begriff beschreibt Beiträge in sozialen Medien, die unterschiedliche Körperformen zeigen und mehr Akzeptanz für den eigenen Körper vermitteln sollen – unabhängig von Größe, Gewicht oder Aussehen. Eine Studie zeigt jedoch, dass diese Inhalte nicht immer nur positiv wirken. Bei manchen führen sie sogar dazu, dass sie mehr auf den eigenen Körper achten oder sich häufiger vergleichen.

Welche Beispiele gibt es für Schönheitsideale in den sozialen Medien?

In den sozialen Medien sind häufig dieselben Darstellungen im Umlauf. Sie zeigen oft schwer erreichbare und relativ einheitliche Schönheitsideale, etwa sehr schlanke, glatte und jugendlich wirkende Körper bei Frauen sowie muskulöse, stark definierte Körper bei Männern. Diese verbreiteten idealisierten, auf dem Aussehen basierenden Bilder sind bereits seit Langem aus den Massenmedien bekannt – damit wird vor allem für Produkte geworben.

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Warum prägen soziale Plattformen die Schönheitsideale so stark?

Die sozialen Plattformen zeigen visuelle Inhalte in Dauerschleife: Nutzende sehen so ständig idealisierte und bearbeitete Körperbilder. Diese wiederholte Konfrontation kann dazu beitragen, dass Menschen sich untereinander vergleichen und ihren Körper kritischer einordnen.

Dabei sind nicht einzelne Bilder entscheidend, sondern die ständige Wiederholung ähnlicher Schönheitsmuster. Dadurch kann es dazu kommen, dass bestimmte Körper- und Gesichtsmerkmale als „Ideal“ wahrgenommen und verinnerlicht werden.

Wie beeinflussen Online-Tools und KI die Entscheidung für eine Schönheits-OP?

Digitale Plattformen prägen, wie Menschen über ästhetische Eingriffe denken. Besonders Instagram spielt dabei eine Rolle, da dort Schönheitschirurginnen und -chirurgen sowie Influencerinnen und Influencer Vorher-Nachher-Darstellungen zeigen. Die wiederholte Konfrontation kann Erwartungen an das eigene Aussehen verschieben und den Wunsch nach kosmetischen Eingriffen verstärken.

Neue KI-basierte Technologien gehen noch einen Schritt weiter, da sie realistische Simulationen möglicher Operationsergebnisse erzeugen oder Inhalte personalisiert ausspielen. Dadurch werden Nutzende gezielt mit ästhetischen Idealen konfrontiert, die ihre Wahrnehmung zusätzlich beeinflussen können.

Die Künstliche Intelligenz unterstützt aber auch bei Entscheidungsprozessen: Sie liefert Informationen und gibt visuelle Orientierung – all das kann aber keine ärztliche Beratung ersetzen.

Eine Gruppe junger Menschen sitzt zusammen und lacht.

© iStock / Gorica Poturak

Wer viel Zeit offline verbringt, vermeidet den ständigen Kontakt zu unrealistischen Schönheitsidealen.

Wie gelingt ein gesunder Umgang mit Schönheitsidealen im Internet?

Wer regelmäßig durch soziale Medien scrollt, sieht unzählige bearbeitete Gesichter und Körper. Umso wichtiger ist es, Schönheitsideale im Internet kritisch einzuordnen. Dabei helfen diese vier Strategien:

  1. Machen Sie sich bewusst, dass viele Bilder bearbeitet sind. Filter, Retusche und KI können Gesichter und Körper stark verändern. Dadurch entstehen oft Darstellungen, die mit der Realität wenig gemeinsam haben.
  2. Vergleichen Sie sich nicht ständig mit anderen. Studien zeigen, dass nicht die Nutzung sozialer Medien allein entscheidend ist, sondern vor allem häufige Vergleiche mit anderen. Arbeiten Sie stattdessen an Ihrer Selbstakzeptanz.
  3. Verbringen Sie mehr Offline-Zeit. Ein „digitaler Detox“ tut gut und schärft den Blick für das, was wirklich wichtig ist: das eigene Empfinden, Freundschaften und Erlebnisse in der Natur.
  4. Denken Sie daran: Attraktivität ist vielfältig. Die in sozialen Medien gezeigten Ideale sind weder allgemeingültig noch natürlich entstanden. Sie werden oft durch Bildbearbeitung, Algorithmen und Trends geprägt und verändern sich mit der Zeit.

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Medienanstalt Rheinland-Pfalz: Schönheitsideale im Internet.

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Felimban, M., Shaikh, A. H., Jamal, A., Timraz, J. H. et al. (2025): The Impact of Social Media on Beauty Standards: A Systematic Review and Meta-Analysis of Patient and Cosmetic Provider Perspectives. South Eastern European Journal of Public Health, 4045–4067.

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